ZUSCHRIFT

Zuzug braucht Orientierung – auch innerhalb der Minderheit

Stephan Kleinschmidt

Zuzug: Die deutsche Minderheit in Nordschleswig steht vor neuen Herausforderungen. Fehlende Integration könnte Parallelstrukturen fördern. Ein strukturierter Diskurs über Zugehörigkeit und Offenheit ist notwendig.

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Zuschriften

Dieses ist eine Zuschrift. Leserinnen und Leser können sich auf diese Weise auf die Berichterstattung des „Nordschleswigers” beziehen und ihre Sicht der Dinge schildern. Die hier geäußerten Ansichten und Meinungen geben nicht unbedingt die Haltung der Redaktion wieder.

Die vielen Zuzüge aus Deutschland nach Nordschleswig sind für die deutsche Minderheit zugleich Chance und Herausforderung. Neue Familien beleben unsere Schulen und Kindergärten, engagieren sich in Vereinen und bringen frische Impulse in unsere Strukturen. Das ist eine gute Nachricht – gerade in einer Region, die demografisch unter Druck steht. Gleichzeitig spüren viele, dass es an einer gemeinsamen Einordnung dieser Entwicklung fehlt. Es besteht die Sorge, dass fehlende Integration – auch in den eigenen Reihen – Parallelstrukturen erzeugt und damit Identität, Zusammenhalt und gesellschaftliche Akzeptanz untergräbt.

Innerhalb der Minderheit wird diskutiert – teils engagiert, teils verunsichert. Wer gehört eigentlich dazu? Reicht es, unsere Einrichtungen zu nutzen? Oder braucht Zugehörigkeit mehr als einen Schulplatz oder eine Vereinsmitgliedschaft? Und wie gelingt es, Offenheit mit Identität und Qualität zu verbinden? Diese Fragen verdienen einen offenen und strukturierten Diskurs.

Was bislang fehlt, ist eine konzeptionelle Grundlage, die unser Vorgehen orientiert, Erwartungen klärt, unsere Strukturen aufeinander abstimmt und das Bewusstsein der Zugehörigkeit zur Minderheit stärkt. Außerdem braucht es verlässliche Begleitstrukturen für neue Mitglieder. Denn nicht alle Zugezogenen gehören automatisch zur Minderheit. Aber wer unsere Einrichtungen nutzt, sich einbringt, Verantwortung übernimmt und integraler Bestandteil unserer Gemeinschaft werden will, der gehört dazu – nicht sofort, sondern im Laufe eines gemeinsamen Weges.

Gelungene Integration braucht Zeit, Vertrauen und Dialog. Und sie braucht Klarheit auf beiden Seiten: über Rechte, Pflichten und Erwartungen. Was uns nicht weiterbringt, sind pauschale Debatten im luftleeren Raum über „die Zugezogenen“. Sie verunsichern mehr, als sie klären. Stattdessen sollten wir das Thema sachlich, selbstbewusst und strategisch angehen – als Minderheit, die offen ist, aber auch weiß, wofür sie steht. Daran möchte ich mitarbeiten.

Stephan Kleinschmidt, Kandidat für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger