Literaturveranstaltung

Aus alter Freundschaft zu Siegfried Lenz: ein Jubiläumsspaziergang auf Südalsen

Siegfried Lenz 1973 neben seinem Bootshaus in Lebøl Løkke

Zum 100. Geburtstag von Siegfried Lenz führt ein Spaziergang auf Südalsen an sein früheres Sommerdomizil und an Orte, die sein Schreiben prägten. Menschen aus seinem persönlichen Umfeld erzählen dabei, wie aus Freundschaft über den Großen Belt und über die deutsch-dänische Grenze eine Jubiläumsveranstaltung wurde.

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Zusammenfassung

  • Zum 100. Geburtstag von Siegfried Lenz findet auf Südalsen ein literarischer Spaziergang rund um das ehemalige Sommerhaus von Lenz in Lebøl Løkke statt.
  • Befreundete und benachbarte Menschen wollen damit an Lenz und seine Bedeutung für die deutsch-dänische Nachbarschaft erinnern.
  • Die kostenfreie Tour am 17. März  ab Meklenborg wird von einem Innenprogramm mit Lesungen, Vorträgen und Musik begleitet, das bereits ausgebucht ist.

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Siegfried Lenz und Südalsen: Am 17. März wäre der Schriftsteller 100 Jahre alt geworden und aus diesem Anlass gibt es im Süden der Insel eine ganz besondere Veranstaltung. Bei einem Spaziergang am frühere Sommerdomizil des Autors in Lebøl Løkke erleben Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Dienstag, 17. März, jene Umgebung, in der Lenz zwischen 1960 und 1986 mehrere seiner Werke schrieb.

Start und Ende des literarischen Spaziergangs liegen bei Meklenborg an der Mühle Vibæk. Unterwegs führen die Stationen am damaligen Sommerhaus und zum Bootshaus von Lenz, zum Taskland Kro und zur Mühle. Dort erzählt die frühere Nachbarin Birgit Christensen Anekdoten, während Schauspieler Chresten Speggers mit weiteren Mitwirkenden eine Lenz-Erzählung nacherzählt und nachspielt.

Siegfried Lenz 2011 in Hamburg, charakteristisch für ihn mit seiner Pfeife. Der Schriftsteller wurde am 17. März 1926 in Lyck in Ostpreußen geboren und starb am 7. Oktober 2014 in Hamburg.

Hinter der Veranstaltung „Naboskab, venskab og forfatterskab“ stehen Menschen, die Lenz persönlich kannten. Henrik Jessen Toft und dessen Frau Betty lebten auf Südfünen und begegneten Lenz in dessen letzten Lebensjahren zuerst im Alltag, nicht als prominenten Schriftsteller. „Für uns ist das Entscheidende unsere Freundschaft, die wir mit ihm hatten. Das hat viel für unser Leben bedeutet“, sagt Henrik Jessen Toft.

Er und seine Frau Betty betrieben damals ein Café auf Südfünen. „Siegfried Lenz` zweite Frau Ulla lebte auf Südfünen und war Gast in unserem Café. Dann kam eines Tages plötzlich Siegfried Lenz selbst mit in die Café-Runde“, berichtet Henrik Jessen Toft. Daraus habe sich ein sehr nahes Verhältnis entwickelt. „Ich habe in den letzten fast fünf Jahren seines Lebens für ihn gekocht, damit er ein gutes Leben haben konnte, jedenfalls in den Zeiten, in denen er auf Südfünen lebte“, sagt er.

Aus dieser persönlichen Nähe entsteht auch der Wunsch, das Jubiläum in Dänemark zu zelebrieren. „Für uns persönlich geht es um den Menschen Siegfried Lenz und seine Bedeutung für unser Leben – und zugleich um seine Bedeutung für Nachbarschaft und Freundschaft zwischen Dänemark und Deutschland“, sagt Henrik Jessen Toft.

Für uns ist das Entscheidende unsere Freundschaft, die wir mit ihm hatten. Das hat viel für unser Leben bedeutet.

Henrik Jessen Toft

Henrik und Betty nehmen über Jahre an Veranstaltungen der Siegfried-Lenz-Stiftung in Hamburg teil. „Wir wurden viele Jahre zu allen Veranstaltungen der Siegfried-Lenz-Stiftung in Hamburg eingeladen, zu Preisverleihungen und feinen Empfängen im Rathaus“, berichtet er. „Dann dachten wir: Ist es nicht spannender, etwas dort zu machen, wo er in Dänemark wirklich verankert war?“

Die Verbindung nach Südalsen kam über Birgit Christensen zustande. Sie lebt vor Ort und kannte Siegfried und Liselotte Lenz aus der Zeit ihres Sommerhauses in Lebøl Løkke. 

Henrik Jessen Toft schildert, wie sich die Idee für das Jubiläumsprojekt ergibt. „Meine Frau Betty und ich lernten Birgit Christensen bei einer Veranstaltung kennen und auf einer Fährfahrt nach Fünenshaff (Fynshav) ergab sich ein spontaner Besuch. „Wir hatten ein bisschen Zeit, bevor wir mit der Fähre zurück nach Fünen mussten, also fuhren wir bei Birgit vorbei“, erzählt er. „Sie arbeitete gerade im Garten, und wir fragten: ‚Sollen wir nicht etwas zum 100. Geburtstag von Siegfried Lenz machen?‘ Sie war sofort Feuer und Flamme, weil sie sich immer sehr für sein Leben und sein Werk interessiert hat.“

Siegfried Lenz  im Café von Henrik Jessen Toft auf Südfünen. Vor ihm stehen die von Toft kreierten und gebackenen „Siegfried-Lenz-Verdienstmedallien“.

Aus dieser Szene im Garten entsteht das Programm zum 100. Geburtstag. Die Veranstaltung verknüpft den literarischen Ort Bollerup aus der Novellensammlung „Der Geist der Mirabelle“ mit dem realen Umfeld in Lebøl Løkke, das als Vorbild diente und in dem Lenz als eine der wichtigen Stimmen der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur schrieb.

In Lebøl Løkke besuchte ihn regelmäßig sein enger Freund, Bundeskanzler Helmut Schmidt, zu Land und zu Wasser, verbunden mit einem Sicherheitsaufgebot im Gebiet. 

Vortragsprogramm nach dem Spaziergang

Neben dem Spaziergang gehört ein zweiter Teil im Innenraum zum Programm. Dort stehen persönliche Freundschaften mit Lenz, die Nachbarschaft zwischen Dänemark und Deutschland sowie sein literarisches Werk im Mittelpunkt, ergänzt von Gesang, Musik, Kaffee und Kuchen. 

Unter den Rednerinnen und Rednern befinden sich der frühere Chefredakteur des „Nordschleswigers“, Siegfried Matlok, und Historikerin Birgitte Brix, die die meisten Romane und Novellen von Lenz ins Dänische übersetzt.

Siegfried Lenz im Juli 1973 auf Südalsen, wo er in seinem Sommerhaus lebte und arbeitete.

„Wir überlegten irgendwann mit Birgit, wer zusätzlich etwas sagen könnte, das über das hinausgeht, was wir selbst beitragen können“, sagt Henrik Jessen Toft. „Da fiel uns Siegfried Matlok ein, und als ich ihn anrief, meldete er sich fünf Minuten später zurück und sagte, er sei dabei.“ 

Hinter „Naboskab, venskab og forfatterskab“ stehen Birgit Christensen sowie Betty Jacoby und Henrik Jessen Toft. Die Veranstalterinnen und Veranstalter setzen das Projekt mit Unterstützung der Kommune Sonderburg (Sønderborg) und der Michael-Jebsen-Stiftung um.

Der Spaziergang am 17. März von 13.30 bis 14.45 Uhr ab Meklenborg an der Vibæker Mühle ist für alle Interessierten offen, ohne Teilnahmegebühr und ohne Anmeldepflicht. Der zweite Teil des Programms ist anmeldepflichtig und bereits ausgebucht.

Mehr Infos gibt es hier.

Genau hier am Bootshaus saß Siegfried Lenz früher. Jeder, der möchte, darf hier Platz nehmen und dem Geist des großen Schriftstellers nachspüren. Oder einfach die Aussicht genießen.