Deutsche Minderheit

85 Jahre, drei Sprachen, ein Beruf – Walter Brüning blieb Buchhalter aus Überzeugung

Älterer Mann mit Brille sitzt im Wintergarten vor einem Tisch, hinter ihm mehrere Zimmerpflanzen.
Walter Brüning in seinem Wintergarten in Ulderup

Lebensgeschichte: Walter Brüning, ein Buchhalter aus Ulderup, engagiert sich seit Jahrzehnten in Vereinen. Seine Arbeit hält ihn geistig wach und verbindet ihn mit der deutschen Minderheit.

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Zusammenfassung

  • Der bald 85-jährige Walter Brüning aus Ulderup blickt auf ein langes Berufsleben als selbstständiger Buchhalter zurück.
  • Er wuchs als Teil der deutschen Minderheit auf, spricht im Alltag Sønderjysk und pflegt enge Familien- und Vereinsbindungen.
  • Bis ins hohe Alter engagiert er sich ehrenamtlich in mehreren Vereinen und wünscht sich vor allem Gesundheit für die kommenden Jahre.

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Er ist bald 85 Jahre alt und arbeitet immer noch als selbstständiger Buchhalter: Walter Brüning, Ulderup (Ullerup), kann am 18. Februar auf ein langes und aktives Leben zurückblicken. Ein Leben, das 1941 in Hadersleben (Haderslev) begann, wo er als Sohn der Goldschmied-Familie Brüning zur Welt kam. 

Als Kind der deutschen Minderheit besuchte er einen deutschen Kindergarten, betont aber: „Anfang der 40er Jahre gab es keine deutsche Schule in Hadersleben.“ Er wuchs zusammen mit seinem Bruder Horst auf, der später nach Bernau im Schwarzwald zog.

Nach der Schulzeit begann Walter eine Ausbildung zum Buchhalter bei Volkswagen in Hadersleben. Anfang der 1960er-Jahre zog er nach Sonderburg (Sønderborg), wo er bei der damaligen Fabrik „JF-Fabriken“ arbeitete und in die Buchhaltung einstieg.

„Er ließ nicht locker“

Seine Frau Heidi lernte er über ihre Schwiegereltern kennen. Heidi arbeitete damals an einer Kasse in Hadersleben und hatte regelmäßig Kontakt zu einer Kundin, Frau Brüning, deren Mann einen Goldschmiedeladen betrieb.

Sie brachte ein Erbstück ihrer verstorbenen Mutter in diesen Laden und ließ es von Walters Vater verändern. Im Gespräch darüber lud Frau Brüning sie ein, und als Walter und sein Bruder aus dem Urlaub zurückkamen, lernte man sich kennen. Walter blieb hartnäckig, erinnert sich Heidi Brüning: „Er ließ nicht locker.“

Walter Brünung als junger Mann

1967 heirateten Walter und Heidi in Stübbek (Stubbek). Nach der Hochzeit baute das Paar in Hostrupskov ein Haus und gründete eine Familie.

Zwei Töchter wurden geboren: die ältere Tochter Alice und die jüngere Tochter Doris. Alice lebt in Varde, Doris wohnt in Alnor und arbeitet im Haus Nordschleswig. Die beiden schenkten Walter und Heidi drei Enkelkinder, dazu kamen zwei Bonus-Enkelkinder.

Beruflich blieb Walter seinem Berufszweig treu. „Ich war immer Buchhalter“, fasst er seine Laufbahn zusammen. Das Paar lebte viele Jahre in Rinkenis (Rinkenæs), bevor es vor vier Jahren nach Ulderup bei Blans zog.

Da kommt man nicht auf dumme Gedanken und man langweilt sich nicht.“

Walter Brüning

In der Freizeit engagiert sich Walter Brüning nach wie vor intensiv in Vereinen. „Seit 2008 bin ich im Vorstand des Deutschen Museums Nordschleswig“, erzählt er über seine Arbeit für das Museum in Sonderburg (Sønderborg), wo er bis vor Kurzem die Kasse verwaltete. Außerdem arbeitet er im Vorstand des BDN-Ortsvereins Fördekreis mit, war in seiner Jugend ein leidenschaftliches Mitglied im Antennenverein, engagierte sich ehrenamtlich im örtlichen Wasserwerk sowie im Bürgerverein und ist seit 48 Jahren Mitglied der Odd-Fellow-Loge in Sonderburg.

Reisen, um die Familie zu besuchen

Reisen bedeuteten für das Paar vor allem Familienbesuche. Das wichtigste Ziel war Kanada, wo die Geschwister von Heidi lebten. Die beiden reisten mehrfach nach Toronto und einmal nach British Columbia.

Besonders blieb der Aufenthalt während der Anschläge vom 11. September 2001 in Erinnerung, als sie wegen Flugausfällen mehrere Tage länger bleiben mussten und erst nach einer langen Rückreise nach Hause kamen. Die Mehrsprachigkeit der ganzen Familie wurde dabei deutlich, erinnert sich Walter Brüning: „Wir sprechen Deutsch, Dänisch, Englisch und Sønderjysk miteinander.“

Die deutsche Minderheit prägte Walters Leben deutlich. Obwohl er nur die dänische Schule besuchte, fühlt er sich klar zugehörig. „Ich fühle mich als ein Teil der Gemeinschaft. Es ist für uns und für mich wie eine Familie.“

Heidi und Walter Brüning sprechen Sønderjysk miteinander.

Die Alltagssprache des Paares ist Sønderjysk. „Das war so von Anfang an“, betont Heidi, obwohl beide aus deutschen Familien stammten. Die Sprache passe sich der Situation an, sagt Walter Brüning. „Es kommt wohl darauf an, wie man angesprochen wird. Dementsprechend antworte ich.“

Trotz seines Alters beendet Walter sein Berufsleben nicht. „Ich habe weiterhin meine eigene kleine Firma“, sagt er über seine Buchhaltungsberatung. Seit über vier Jahrzehnten betreut er Betriebe und ist selbstständig. Auf die Frage, ob er in den Ruhestand gegangen sei, antwortete er klar: „Nee, nee, nee, nee.“ Die Arbeit halte ihn geistig wach: „Da kommt man nicht auf dumme Gedanken und man langweilt sich nicht.“

Zum 85. Geburtstag wünschte sich Walter vor allem Gesundheit: „Dass wir gesund bleiben und wir so weiterleben können wie bisher“.