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Enttäuschung beim Final Four ist für Sønderjyske HH ein schwerer Schlag für das eigene Selbstverständnis

Ein Wochenende zum Vergessen war die diesjährige Final-Four-Teilnahme für die Sønderjyske-Handballer.

Sønderjyske HH wird an der herben Enttäuschung beim Final Four noch länger zu knabbern haben. 

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Dieses ist ein Kommentar aus der Redaktion des „Nordschleswigers“. Bei Kommentaren handelt es sich um journalistische Meinungsbeiträge und nicht um objektive Berichte.

Sønderjyske Herrehåndbold hätte mit dem erstmaligen Finaleinzug beim Pokal-Final-Four Vereinsgeschichte schreiben können, doch statt eines Pokalfinales in einem feierlichen Rahmen im „Boxen“ gegen die europäische Spitzenmannschaft aus Aalborg stehen die Hellblauen am Ende mit einem vierten Platz da – mit leeren Händen und einem schlechten Gefühl.

Die Bronzemedaille im vergangenen Jahr gab dem Klub im ersten Jahr nach der Trennung von Sønderjysk Elitesport Auftrieb, doch das Gegenteil ist in diesem Jahr der Fall. Die herbe Enttäuschung beim Final Four ist ein schwerer Schlag für das eigene Selbstverständnis.

Potenzial zu oft nicht ausgeschöpft

Sønderjyske HH verlor im Spiel um Platz drei gegen GOG nicht unerwartet mit 29:34, es war vielmehr die 32:35-Pleite im Halbfinale gegen TMS Ringsted, die ungemein weh tat. Ein gigantischer Kollaps nach einer Sechs-Tore-Führung gegen einen Gegner, der eigentlich schwächer eingestuft ist, aber auch in der Liga-Tabelle vor Sønderjyske HH steht.

TMS Ringsted hatte vier Tage zuvor den Hellblauen in der Liga eine ähnliche Ohrfeige verpasst. Sønderjyske HH mussten einen herben Rückschlag im Kampf um die Top 8 einstecken und laufen wieder einmal Gefahr, die Endrunde zu verpassen.

Hier haben die Hellblauen in den vergangenen Jahren stets gefehlt, obwohl sie vom Budget her eigentlich dazu gehören müssten. Es ist zu oft nicht gelungen, das Potenzial auszuschöpfen. 

Trainer in die Kritik geraten

Das fällt natürlich auch auf den Cheftrainer zurück, und Rasmus Glad Vandbæk muss sich gefallen lassen, dass seine Position heftig diskutiert und infrage gestellt wird. Vandbæk hatte zuletzt nicht immer eine glückliche Hand, aber ihm alleine die Schuld zu geben, wäre viel zu einfach.

Es ist nicht davon auszugehen, dass er seine Spieler gebeten hat, sich zu verstecken und vor der Verantwortung zu drücken oder unter ihrem Niveau zu bleiben, wenn es brenzlig wird.

Rasmus Glad Vandbæk ist in die Kritik der Fans geraten.

Die Unterschiede zwischen dem höchsten und niedrigsten Niveau sind über eine viel zu lange Zeit viel zu groß gewesen. Und gleichzeitig hat man beim Final Four auch den Preis für das Risiko gezahlt, dass die sportliche Verantwortung mit einem relativ teuren, aber dafür schmalen Kader in die laufende Saison gegangen ist. Das macht sich negativ bemerkbar, wenn beispielsweise ein Gabriel Setterblom völlig von der Rolle ist oder Liga-Torschützenkönig Frederik Tilsted ganz offensichtlich körperlich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist.

Das Final Four hat viel Fokus geraubt und ist mit einer herben Enttäuschung zu Ende gegangen, an der Sønderjyske HH noch länger zu knabbern haben wird. 

Die Hellblauen müssen sich aber schnell wieder fangen und in die Endrunde einziehen, um die positiven Winde, die Sønderjyske Herrehåndbold nach der Trennung von Sønderjysk Elitesport geprägt haben, nicht zu gefährden.