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KI überholt die Schulen: Zeit, endlich aufzuwachen

Lehrer Christian Kittel bei seiner Lehrkräfte-Fortbildung über KI.

Künstliche Intelligenz: Schulen in Nordschleswig erkennen die Bedeutung von KI im Bildungsalltag. Eine Arbeitsgruppe des DSSV tourt durch Nordschleswig, um Lehrkräfte fortzubilden. Die Initiative zeigt, wie dringend ein Umdenken im Umgang mit KI ist, meint Niklas Nissen

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Dieses ist ein Kommentar aus der Redaktion des „Nordschleswigers“. Bei Kommentaren handelt es sich um journalistische Meinungsbeiträge und nicht um objektive Berichte.

Als der Deutsche Schul- und Sprachverein (DSSV) im August 2025 eine eigene Arbeitsgruppe ins Leben rief, um ein Rahmenkonzept zum Umgang mit künstlicher Intelligenz (KI)  zu entwickeln, war das mehr als ein organisatorischer Schritt.

Es war ein Signal. Ein Hinweis darauf, dass die Schulen in Nordschleswig verstanden haben: KI ist nicht irgendein Trend, den man aussitzen kann.

Sie verändert Schule – und zwar jetzt.

 Dass diese Arbeitsgruppe nun durch die deutschen Schulen in Nordschleswig tourt und Lehrkräfte fortbildet, ist ein entscheidender Moment. Denn was dort passiert, ist nicht nur ein Austausch über Technik, sondern ein Umdenken. Und genau dieses Umdenken ist dringend nötig.

 Ich erinnere mich gut an meine eigene Schulzeit vor 3 bis 4 Jahren. KI hielt immer stärker Einzug in unseren Alltag – manchmal ganz selbstverständlich, und nicht selten, ohne dass Lehrkräfte überhaupt davon wussten. Viele nutzten die neuen Tools, weil sie hilfreich waren, doch niemand konnte uns erklären, wie man verantwortungsvoll damit umgeht.

Dieses Ungleichgewicht hat ein deutliches Bild hinterlassen:

Viele Lehrkräfte fühlten sich überfordert, und auch die Schülerinnen und Schüler waren verunsichert – nicht zuletzt, weil den Lehrkräften oft das Wissen fehlte, wie sie mit den neuen KI‑Werkzeugen umgehen sollten.

 Aktuelle Zahlen aus Dänemark zeigen zusätzlich, wie groß der Handlungsbedarf ist: Laut einer Untersuchung von „Microsoft Danmark“ ist künstliche Intelligenz heute bereits ein ganz selbstverständlicher Teil des Schulalltags vieler Jugendlicher. Besonders unter den 15‑ bis 18‑Jährigen ist der Einsatz von KI weitverbreitet. Aus der Untersuchung geht hervor, dass KI ihnen hilft, schwierige Themen besser zu verstehen oder schneller Unterstützung bei Hausaufgaben zu bekommen. Gleichzeitig halten sich viele junge Menschen jedoch zurück – aus Sorge, versehentlich zu schummeln, zu wenig selbst zu lernen oder zu abhängig von KI zu werden.

Natürlich müssen solche Zahlen mit Vorsicht betrachtet werden, da Microsoft als Anbieter von KI‑Technologien ein wirtschaftliches Interesse daran hat, den Trend positiv darzustellen. Dennoch geben sie im Ansatz ein klares Bild davon, wie präsent KI bereits im Alltag vieler Jugendlicher ist – und wo Schulen entsprechend nachsteuern müssen.

 Laut „Microsoft Danmark“ nutzen 9 von 10 Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren KI während der Schulzeit. Diese Entwicklung zeigt, wie wichtig es ist, dass Schulen und Lehrkräfte gemeinsam Leitlinien entwickeln, damit KI als pädagogischer Partner eingesetzt werden kann – und nicht als bloßes Antwortwerkzeug.

Genau deshalb zeigt die aktuelle Arbeit der DSSV‑Arbeitsgruppe so eindrücklich, wie notwendig sie ist.

 Es lässt sich feststellen: Die deutschen Schulen in Nordschleswig befinden sich mitten in einem wichtigen Wandel – und sie gehen ihn bewusst an.