GASTKOMMENTAR

Denn wenn sie nicht gestorben sind

Ulf-Mikael „Uffe“ Iwersen steht mit verschränkten Armen vor einer Häuserzeile und einem geparkten Auto.
Ulf-Mikael „Uffe“ Iwersen ist seit 2009 Kulturkonsulent beim BDN.

Vereinsstrukturen: Klassische Modelle passen nicht mehr. Der BDN-Ortsverein Saxburg-Bülderup wird aufgelöst. Innovative Ansätze könnten die Zukunft der Minderheitenarbeit sichern, meint BDN-Kulturkonsulent Ulf-Mikael Iwersen.

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Gastkommentar

Dieses ist ein Gastkommentar von einer Person, die nicht Teil der Redaktion des „Nordschleswigers” ist. Dieser Text gibt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Der angekündigte Schritt, den BDN-Ortsverein Saxburg-Bülderup aufzulösen, ist für mich persönlich eine traurige Nachricht, da dieser Ortsverein mein Heimatverein ist. Es ist jedoch auch zunächst einmal eine klare und ehrliche Feststellung: In der bisherigen Form funktioniert es nicht mehr. Dies ist jedoch kein Beweis dafür, dass vor Ort kein Interesse mehr besteht oder das Engagement verschwunden ist. Es zeigt schlicht, dass klassische Vereinsstrukturen mit festen Vorstandsposten, formalen Abläufen und langfristigen Bindungen nicht mehr zur Lebensrealität vieler Menschen und zur Minderheit passen.

Die AG Zukunft hat vor ein paar Jahren klare und konstruktive Vorschläge gemacht, wie man die Minderheitenarbeit vor Ort neu strukturieren und sie somit beleben kann. Individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse der unterschiedlichen Lokalgebiete zugeschnitten. Mit diesen Vorschlägen wurde damals nicht weitergearbeitet. Der aktuelle Fall Saxburg-Bülderup zeigt jedoch, dass man sich die Vorschläge der AG Zukunft nochmals zu Herzen nehmen sollte. Ebenso sollte man sich überlegen, ob das Haus Nordschleswig noch stärker die Arbeit vor Ort unterstützen solle. Ich habe bei unterschiedlichsten Gelegenheiten den Bedarf für einen verbandsübergreifenden Vereinskonsulenten bzw. für eine Vereinskonsulentin definiert. Wie das aktuelle und wahrscheinlich nicht letzte Beispiel zeigt, ist dieser Bedarf nicht ganz von der Hand zu weisen.

Die Minderheitenarbeit vor Ort funktioniert seit Langem nicht mehr so, wie es die Strukturen oft vorgeben. Wir benötigen vor Ort Minderheitenaktivitäten im Bereich Sport, Kultur, Freizeit, Bildung, Gemeinschaft und was es noch so alles gibt. Es ist doch vollkommen egal, ob diese von der örtlichen Schule, vom Sportverein oder vom Sozialdienst angeboten wird – oder von allen zusammen. Hauptsache es passiert was, Hauptsache vor Ort können Erfolgserlebnisse gefeiert werden.

Erst wenn es keine Minderheitenaktivitäten und keine Minderheitler:innen vor Ort mehr gibt, können wir ein Lokalgebiet aufgeben. Bis dahin lohnt es sich zu kämpfen. Denn wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch morgen.