Deutsche Minderheit

Junge Menschen an Nordschleswig binden: Zwei Netzwerke sollen den Landesteil beleben

Sie sind die Zielgruppe des Netzwerks N²: Junge Menschen aus der Minderheit, die nach ihrer Ausbildung am liebsten nach Nordschleswig zurückkehren sollen (Symbolfoto).

Was zieht junge Leute (zurück) nach Nordschleswig? Zwei Netzwerke suchen Antworten auf diese Frage. Das Ziel ist fast gleich, der Weg dahin und der Fokus unterschiedlich.

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Zusammenfassung

  • Zwei Netzwerke wollen junge Menschen nach Nordschleswig beziehungsweise Apenrade zurückholen.
  • „Aabenraa Kalder“ arbeitet mit Kommune und Unternehmen zusammen, um Apenrade als  attraktiven Wohn- und Arbeitsort zu bewerben.
  • Das BDN-Netzwerk „N2“ nutzt eine Facebook-Gruppe, fokusiert sich auf junge Menschen aus der Minderheit und das Vernetzen  untereinander.  

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Das eine Netzwerk besteht seit einem Jahr: Es nennt sich „Aabenraa Kalder“ und hat zum Ziel, Menschen zwischen 25 und 35 Jahren nach Apenrade (Aabenraa) zu ziehen, die dort idealerweise leben und arbeiten.

Das andere Netzwerk ist erst seit gut einem Monat aktiv. Es heißt „Netzwerk Nordschleswig“ („N²“), wurde vom Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) gegründet und will gezielt junge Menschen aus der Minderheit nach Studium und/oder Ausbildung wieder zurück in ihre Heimat holen.

„Aabenraa Kalder“ ist eine Zusammenarbeit zwischen der Kommune, „Business Aabenraa“ und der regionalen Wirtschaft. Derzeit sind insgesamt 14 Unternehmen dabei, darunter Sydbank, Fleggaard, Aabenraa Havn und Sygehus Sønderjylland.

„Die Unternehmen zahlen einen kleinen Betrag, von dem wir bestimmte Aktivitäten unterstützen“, erklärt die Direktorin von „Business Aabenraa“, Charlotte Hylleberg. Damit meint sie zum Beispiel das Ringreiten in Aabenraa, „weil es zur DNA der Stadt gehört und jeder es kennt“, oder von den Unternehmen geplante Arrangements.

Apenrade als attraktiver Ort zum Leben und Arbeiten

Für das Netzwerk zieht Charlotte Hylleberg nach dem ersten Jahr eine positive Bilanz. Auf der Webseite von „Aabenraa Kalder“ finden sich Geschichten von Menschen, die entweder neu in der Stadt sind oder in ihre Heimat zurückgekehrt sind – so wie die von Simon, der einen Webshop für Fahrradbekleidung gegründet hat, und einer Gruppe, die sich regelmäßig zum Radfahren trifft.

Wir wollen vermitteln, dass Apenrade ein guter Ort zum Wohnen und Arbeiten ist.

Charlotte Hylleberg

Aktiv ist das Netzwerk auf Facebook, Instagram und LinkedIn. TikTok ist aus Datenschutzgründen nicht dabei, wie Charlotte Hylleberg erklärt – eine kommunale Entscheidung. Wie viele junge Menschen bislang insgesamt durch das Netzwerk den Weg nach Apenrade gefunden haben, blieb unbeantwortet.

Auf Instagram folgen gut 1.200 Menschen dem Netzwerk, das dort unter anderem auf Projekte für erneuerbare Energien, wie in Kassø (Kassö), sowie auf Jobmöglichkeiten aufmerksam macht.

Das „Netzwerk Nordschleswig“ ist inzwischen seit gut einem Monat am Start und „überraschend gut“ angelaufen, wie es vom BDN heißt.

Die neue Initiative „N²“ verfolgt im Prinzip dasselbe Ziel wie „Aabenraa Kalder“ – mit dem Unterschied, dass der Fokus auf jungen Menschen aus der Minderheit liegt und damit die gesamte Region Nordschleswig umfasst, nicht nur Apenrade.

Als Plattform für das Netzwerk hat sich der BDN für eine geschlossene Gruppe bei Facebook entschieden. 55 Mitglieder hatte die Gruppe zum Start vor gut einem Monat, inzwischen sind es 186. Zu Beginn hatte BDN-Kommunikationschef Harro Hallmann eine Gruppengröße von 100 bis 150 Mitgliedern als Ziel formuliert. 

„Der Nordschleswiger“ hatte darüber berichtet.

Wir sind überrascht, dass es so schnell so viele geworden sind.

Harro Hallmann

Die Idee einer eigenen Plattform ist aber erst mal vom Tisch, sagt Harro Hallmann. „Auch wenn ich anfangs andere Ideen dazu hatte. Doch es gibt zwei Herausforderungen: die Technik und die Kosten“, so Harro Hallmann. Zudem wisse man nicht, ob man die Mitglieder der Facebook-Gruppe mit rüber auf eine neue Plattform bekäme. 

Auch Jobs in Kopenhagen werden angeboten

Unverbindlich mit den jungen Menschen aus der Minderheit in Kontakt bleiben, Ältere helfen Jüngeren, der Fokus auf Job und Karriere sowie die Rückkehr nach Nordschleswig, nachdem man anderswo Erfahrungen gesammelt hat: Das sind die Ziele von „N²“. Wie passt das zusammen mit einem Jobangebot der österreichischen Botschaft in Kopenhagen, das neu auf „N²“ vorgestellt wird?

„Wir wissen ja, dass wir nicht alle zurückbekommen. Aber wenn wir dafür sorgen können, dass es den jungen Leuten aus der Minderheit in Kopenhagen gut geht, ist das völlig in Ordnung“, erklärt der BDN-Kommunikationschef. Wichtig sei, dass die Minderheit über das Netzwerk präsent bleibt. „Sonst verlieren wir die jungen Leute, egal ob sie nun nach Aalborg zum Studieren gehen oder eine Elektriker-Ausbildung in Tondern machen.“