Deutsche Minderheit

„N2“ – das berufliche Netzwerk der Minderheit ist gestartet

Veröffentlicht Geändert
Netzwerk Nordschleswig
Startschuss für das „Netzwerk Nordschleswig“: In der Facebook-Gruppe will der Bund Deutscher Nordschleswiger möglichst viele junge und ältere Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger zusammenbringen. Läuft das Projekt gut an, ist eine eigene Plattform das Ziel.

Kennt jemand eine Anwältin oder einen Dachdecker in der Minderheit? Bietet jemand einen Job im Marketing-Bereich an? Antworten sollen junge und ältere Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger im neuen „Netzwerk Nordschleswig“ finden und geben. Im Mittelpunkt stehen beruflicher Austausch, Karrierechancen und die Verbindung zu Nordschleswig – egal, wo man sich befindet.

„Wie viele von euch haben Nordschleswig für Studium oder Ausbilung verlassen“, fragt Leif Curdes von den Jungen Spitzen auf der Neujahrstagung in Sankelmark in die Runde. Zahlreiche Arme gehen nach oben. „Und wie viele sind danach nach Nordschleswig zurückgekehrt?“ Erneut gehen zahlreiche Arme in die Luft. Ein Sitznachbar sagt: „Ich war nie weg“. 

Mit der kurzen Fragerunde wird deutlich, worauf „N2“, das neue berufliche Netzwerk der Minderheit, abzielen soll: Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger sowie Menschen mit Bezug zur deutschen Minderheit können sich hier vernetzen – ganz gleich ob sie den Landesteil oder Dänemark für die Ausbildung verlassen haben, noch hier wohnen oder zurückkehren wollen. Das „Netzwerk Nordschleswig“ soll die Zukunft der Minderheit stärken.

Vom Bund Deutscher Nordschleswiger heißt es dazu: „Identität ist heute oft mobiler als früher, und genau dafür wollen wir einen Ort schaffen, an dem der Kontakt nicht abreißt.“ 

Idee reifte im vergangenen Jahr

Erste Ideen für das Netzwerk gab es bereits vor einem halben Jahr. Es sei wichtig, dass junge Menschen aus Nordschleswig Erfahrungen außerhalb der Region sammeln, und es sei typisch, dass sie sich, wenn sie dann Kinder bekommen, Gedanken darüber machten, „ob und wie sie nach Nordschleswig zurückkehren“, sagte BDN-Kommunikationschef Harro Hallmann damals.  

Das Netzwerk könne dazu beitragen, „dass dieser Wunsch und die Möglichkeit, zurückzukehren, wachgehalten und realisiert werden kann.“

„Locker und flexibel“ sollte das Netzwerk sein. Job- und Ausbildungsangebote, Wohnungsangebote und Ähnliches sollen junge Menschen überzeugen, sich anzumelden. Aber es richtet sich auch an Ältere, die helfen wollen. Ein „Veranstaltungsverteiler“ soll „N2“ nicht sein. 

Start mit einer Facebook-Gruppe

Von der Idealvorstellung eines eigenen „Linkedin Light“ oder „Facebook“ musste man sich jedoch in der Planungsphase verabschieden: „Dass wir jetzt eine Facebook-Gruppe haben, hat rein praktische Gründe“, sagt Hallmann dem „Nordschleswiger“ jetzt. So habe es im Vorfeld keine großen Investitionen gebraucht und habe nichts eigenes entwickeln müssen.

Auch, dass es kein Selbstläufer wird, war Hallmann bereits im Juni vergangenen Jahres klar. Mitglieder finden, Attraktivität beibehalten, Weiterentwicklung vorantreiben: Es gebe keine Garantie dafür, dass das Vorhaben funktionieren wird. 

Junge und Alte sollen Netzwerk nutzen

Ich glaube, es ist nicht richtig, dass junge Leute kein Facebook haben. Viele sind passive Mitglieder, nutzen den Messenger und sind durchaus da.

Harro Hallmann

Während sich junge Generationen laut diverser Umfragen und Statistiken heute vorwiegend in sozialen Netzwerken wie Instagram, TikTok und Snapchat tummeln und immer weniger auf Facebook unterwegs sind, wählt der Bund Deutscher Nordschleswiger für „N2“ zum Start ausgerechnet eine Facebook-Gruppe

Harro Hallmann verteidigt die Entscheidung. „Ich glaube, es ist nicht richtig, dass junge Leute kein Facebook haben. Viele sind passive Mitglieder, nutzen den Messenger und sind durchaus da“, so der BDN-Kommunikationschef. Da man auch ältere Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger erreichen wolle, sei Facebook gut geeignet. 

Mit 55 Mitgliedern seit dem Start am vergangenen Freitag zeigt sich Hallmann zufrieden. „Das ist schon mal sehr gut, aber es dürfen natürlich gerne mehr werden.“ Grund für den rasanten Sprung dürfte nicht nur die Werbung während der Neujahrstagung sein, sondern auch die Verlosung von Tickets für Rock i Mølleparken unter allen, die sich am Freitagvormittag in der Gruppe anmelden. 

Hoffen auf Schneeball-Effekt

Damit es noch mehr werden, wolle man statt Werbung zu streuen gezielt einige junge Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger ansprechen. Hallmann hofft so auf einen „Schneeball-Effekt“.

Eigene Plattform als ehrgeiziges Ziel

Ziel ist es, 100 bis 150 Mitglieder zu erreichen, um dann in die zweite Phase zu gehen. Da viele unter falschem Namen und ohne Angaben im Profil auf Facebook unterwegs sind, ist es aktuell schwierig, nötige Informationen wie Wohnort, Studium und Ausbildung oder Beruf zu erhalten. Dies sei aber für ein funktionierendes Netzwerk wichtig, betont Hallmann. „Aktuell geht es nur um das Sammeln und Austesten.“

Die praktische Arbeit, beispielsweise Mitgliederpflege und Moderation, übernehmen Tanja Klindt und Nathalie Engel-Arlt. 

Hat das Netzwerk den gewünschten Erfolg, könne man langfristig über eine eigene Plattform nachdenken. „Das ist das Ziel“, so Hallmann.