Kommunikation

Locker und flexibel: Netzwerk soll junge Menschen an die Minderheit binden

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Mit dem Netzwerk Nordschleswig (N²) sollen junge Menschen an die deutsche Minderheit gebunden werden – locker und flexibel.

Austausch und Jobangebote: Wie können junge Menschen, die aus Nordschleswig wegziehen, den Kontakt zur Region behalten? Eine neue Plattform soll den Austausch ermöglichen. Eine Idee für die Zukunft der Minderheit.

„Es gibt einen großen Bedarf dafür, dass wir mit den jungen Menschen aus der Minderheit Kontakt halten“, sagt Harro Hallmann, Kommunikationschef und Leiter des Sekretariats der deutschen Minderheit in Kopenhagen. Doch diese Aufgabe sei schwierig und durch die vielen digitalen Möglichkeiten herausfordernd.

Das „Netzwerk Nordschleswig (N²)“stellt eine Idee dar, die Herausforderung anzugehen, junge Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen an die Minderheit zu binden.

Abitur geschafft, Taschen packen und auf zum Studium nach Aarhus, Kopenhagen, Hamburg oder doch international in die weite Ferne. Oder geht es schon nach der 9. Klasse auf ein dänisches Gymnasium in Kolding oder Odense? So sieht die Realität für viele Jugendliche aus der Minderheit aus.

Sie wachsen mehrsprachig auf, besuchen die deutschen Schulen in der Region – und gehen dann fürs Studium oder die Ausbildung in andere Städte. So auch Schüler Henrik Hertz: „Mein Plan ist es, nach Aarhus zu ziehen“, sagt der 18-Jährige, der ursprünglich aus der Schweiz kommt und auf das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig (DGN) geht. Vielleicht geht es für ihn nach seinen Studien in Aarhus für ein paar Jahre in die Schweiz oder zurück nach Nordschleswig, verrät Hertz: „Fast alle meine Freunde kommen aus der deutschen Minderheit.“

Erfahrungen außerhalb Nordschleswigs sammeln – Rückkehr ermöglichen

Es sei wichtig, dass junge Menschen aus Nordschleswig Erfahrungen außerhalb der Region sammeln, und es sei typisch, dass sie sich, wenn sie dann Kinder bekommen, Gedanken darüber machten, „ob und wie sie nach Nordschleswig zurückkehren“, sagt Hallmann. „Und das ist sehr positiv.“

Doch wo können sie anknüpfen? Ein Netzwerk könne einen Beitrag dazu leisten, „dass dieser Wunsch und die Möglichkeit, zurückzukehren, wachgehalten werden und dass das realisiert werden kann“, so der Kommunikationschef.

Auch Schüler Hertz glaubt, dass das „Netzwerk Nordschleswig (N²)“ eine gute Möglichkeit ist, um mit Menschen in Kontakt zu bleiben, die man beispielsweise zehn Jahre lang nicht mehr gesehen hat.

Wie genau dieses Netzwerk aussehen soll – das soll jetzt entwickelt werden, sagt Hallmann. Fest steht: Es soll locker und flexibel sein. Vorteile wie Job- und Ausbildungsplatzbörse, Wohnungsangebote und Ähnliches sollen die jungen Menschen überzeugen, sich anzumelden.

Die Minderheit hat nur eine Zukunft, wenn auch künftige Generationen ein Teil davon sind.

Harro Hallmann

Das Netzwerk richtet sich also auch an Ältere, die helfen wollen. Auch verschiedene Aktivitäten, Verlosungen oder Ähnliches könnten darüber hinaus über das Netzwerk geplant werden, „aber das sind Bonus-Sachen“, so Hallmann. Es solle nämlich kein einfacher „Veranstaltungsverteiler“ sein. Der Kerngedanke sei, dass man den jungen Menschen zeigt, dass es gute Jobmöglichkeiten gibt.

Das Netzwerk ist für alle.

Harro Hallmann

Herausforderungen liegen vor

Das ist Netzwerk ist etwas, was durchaus attraktiv sein kann für die jungen Leute.

Harro Hallmann

„Das alles ist kein Selbstläufer. Ich bin optimistisch, aber es gibt keine Garantie dafür, dass es funktionieren wird“, sagt Hallmann. Herausforderungen, die im Entwurf des Konzepts „Netzwerk Nordschleswig (N²)“ genannt werden, sind, wie potenzielle Mitglieder gefunden werden sollen, wie sichergestellt werden kann, dass das Netzwerk attraktiv bleibt, und wie eine laufende Weiterentwicklung – beispielsweise durch Untergruppen wie Kopenhagen, Frauen, Handwerker etc. – hergestellt werden kann.

Eine Art „LinkedIn light“ oder doch eine Facebook-Gruppe?

Der erste Entwurf eines Anmeldeformulars existiert bereits. Darin solle erfasst werden, welche Ausbildung die Personen haben, sagt Hallmann: „Damit man gezielt Angebote machen kann.“

Die Idealvorstellung wäre eine Art eigenes „LinkedIn“ oder „Facebook“ – aber dies sei nicht realistisch, sagt er. Ob es also über das Mitgliederverwaltungssystem „Foreninglet“ oder doch über eine Facebook-Gruppe laufen soll, sei bisher nicht klar.

„Ich glaube, es ist realistischer mit der Facebook-Gruppe, aber es klingt nach einer sehr tollen Idee, dass man auch später Kontakte zur Minderheit bekommen kann“, sagt Schüler Hertz. Ein Netzwerk würde ihm ermöglichen, herauszufinden, ob seine Bekannten noch in Nordschleswig seien, so der Schüler.

Neues, modernes Netzwerk – und kein traditioneller Verein

Wichtig ist Hallmann: „Wir wollen nicht noch einen Verein mit Vorstand und Ehrenamtlichen.“ Die wichtigen Fragen sind für ihn: „Wie erreichen wir die jungen Leute und wie überzeugen wir sie?“

„Es geht schon um die Zukunft der Minderheit“, sagt Hallmann und gibt sich optimistisch: „Ich hoffe, dass wir das machen können und es ein Erfolg wird.“ Er freue sich über weitere Ideen und Vorschläge zum Thema.