Kommunalpolitik

Ein Spitzenpolitiker packt aus: So fühlt sich ein Rückzug an

Erik Uldahl Hansen gibt in der jüngsten Wahlnacht ein Pressestatement ab (Archivfoto).

Der ehemalige Apenrader Bürgermeisterkandidat Erik Uldahl Hansen zieht sich aus der ersten Reihe zurück. Nach Jahren intensiver politischer Arbeit spürt er Erleichterung und eine neue Leere. Im Interview erzählt er von seinen Rückzugserfahrungen.

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Zusammenfassung

  • Der langjährige sozialdemokratische Spitzenpolitiker Erik Uldahl Hansen hat sich nach der Kommunalwahl bewusst aus der ersten Reihe der Apenrader Lokalpolitik zurückgezogen.
  • Er begründet den Schritt mit dem klaren Wählervotum, das er als Signal für einen Neuanfang deutet.
  • Uldahl Hansen bleibt in Fachausschüssen aktiv, genießt weniger Unruhe, gewinnt mehr Zeit für die Familie und sucht ein neues Gleichgewicht zwischen Engagement und Privatleben.

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Er war das Vorzeigegesicht der Sozialdemokraten in Apenrade (Aabenraa): Erik Uldahl Hansen. Als Bürgermeisterkandidat, zweiter Bürgermeister, als Fraktionsvorsitzender und als Ausschussvorsitzender trug er große Verantwortung. Nun hat er sich bewusst aus der ersten Reihe zurückgezogen. Ein Schritt, der Erleichterung bringt – und zugleich eine neue Leere.

„Es war aufreibend, um es geradeheraus zu sagen“, sagt Uldahl Hansen offen. „In den vergangenen vier Jahren war ich Ausschussvorsitzender für nachhaltige Entwicklung, zweiter Bürgermeister, saß im Finanzausschuss, war Spitzenkandidat und Parteivorsitzender. Das ist einfach kräftezehrend.“

Vergebene Mühen bei der politischen Arbeit

Vor allem die jüngste Stadtratsperiode habe ihn stark gefordert. „Es gab nicht nur innerhalb der Partei Unruhe, sondern auch in der Stadtratsmehrheit, die sich gebildet hatte. Aber das fordert viel Kraft“, sagt er. Solche Konflikte seien belastend und politisch wenig produktiv. „Damit gewinnt man politisch nichts. Das sind vergebene Mühen.“

Er habe versucht, diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Doch das klare Ergebnis der Kommunalwahl zeigte: Die Wählerinnen und Wähler stimmten anders. „Ich bin nach dem Bürgermeisterposten gegangen. Das Wahlergebnis hat dann aber gezeigt, dass da nichts zu machen war. Es war sehr eindeutig.“ Für ihn sei das Resultat ein klares Signal gewesen. „Ich soll nicht weitermachen.“

Bereits im Vorfeld hatte er Konsequenzen angekündigt. „Ich habe in der Fraktion gesagt: Wenn ich nicht gewinne, ziehe ich mich zurück – als Fraktionsvorsitzender und als Bürgermeisterkandidat. Dann müssen andere übernehmen und weitermachen.“

Zwischen Erleichterung und Leere

Nach der Entscheidung spürte er zunächst vor allem eines: Entlastung. „Mir ging es gut. Ich merkte, ich brauchte die Entspannung, einmal tief durchatmen zu können, die Anspannung fallen zu lassen. An andere Dinge denken als Politik.“

Doch mit dem Abstand kam eine neue Erfahrung hinzu. „Ich saß kürzlich in der Fraktionssitzung und sagte: Ich habe keine Treffen oder Gespräche. Klar, wir sind am Beginn der Stadtratsperiode – aber trotzdem. Das ist neu für mich. Sonst hatte ich immer etwas im Kalender stehen. Da ist jetzt Leere.“

Diese Umstellung gehe über den Terminkalender hinaus. „Man muss sich daran gewöhnen, dass andere vorn stehen und die Richtung angeben und bestimmen. Da muss ich mich zurückhalten und mich nicht einmischen. Das ist nicht immer einfach. Aber ich tue das.“

Er beobachte, dass seine Nachfolger – darunter Theis Kylling Hummeltoft, der jetzt den Vizebürgermeisterposten bekleidet – eigene Wege gehen. „Ich merke, dass es andere Wege gibt, eine Sache anzugehen, als ich es gemacht habe.“ Nicht immer leicht für einen Mann, der zwölf Jahre die politische Richtung der Sozialdemokratie in Apenrade maßgeblich mitgestaltet hat.

Engagement bleibt – aber mit neuer Perspektive

Ganz loslassen will und kann er die Kommunalpolitik nicht. Uldahl Hansen bleibt Mitglied im Kinder- und Unterrichtsausschuss sowie im Ausschuss für Technik und ländliche Räume. Außerdem engagiert er sich im Vorstand des kommunalen Versorgungsunternehmens Arwos.

Gerade dort sieht er wichtige Aufgaben. „Wie produziert man Wasser und Wärme – und das auf beste Art und Weise? Das sind Ressourcen der Zukunft. Darauf freue ich mich.“

Sein politisches Leben habe sich grundlegend verändert. „Es gibt ein ganz neues politisches Leben, ohne Unruhe. Ich kann mich auf diese neuen Aufgaben konzentrieren.“ Es gebe nicht mehr das Hin und Her, das Hetzen von einem Termin zum nächsten. Für den 62-Jährigen ein neuer Alltag.

Mehr Zeit für das, was oft zu kurz kommt

Der Rückzug hat ihm auch persönlich neue Räume eröffnet. „Ich kann merken, dass ich mehr Zeit für die Familie habe. Wenn man die ganze Zeit Termine hat, verliert man die Wahrnehmung für das, was um einen herum passiert – mit der Familie, wie es ihnen geht, auch der Partnerin.“

Heute sehe er klarer, wo er gebraucht werde. „Ich merke, ich werde auch an anderen Orten gebraucht.“