Umwelt und Natur

Warum der lange, kalte Winter auch überraschend gute Seiten hat

Schneebedecktes Feld hinter einem Zaun unter blauem Winterhimmel
Wildschweinzaun in Bau (Bov): Der Winter hält Nordschleswig weiterhin fest im Griff.

Während viele Menschen im Norden auf den warmen Frühling warten, arbeitet der Winter im Verborgenen. Warum gerade die kalten Tage mehr bewirken, als viele denken.

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Zusammenfassung

  • Langer Frost verbessert das Überleben nützlicher Insekten und hält Zecken noch in Winterruhe.
  • Kälte und Schnee schützen Böden, Kulturpflanzen und viele Wildtiere und verringern Ackerschädlinge.
  • Für Menschen kann die Kälte den Stoffwechsel anregen und Allergiker zeitweise entlasten.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Kurze Tage, wenig Licht, grauer Himmel – viele Menschen In Nordschleswig sehnen sich gerade nach dem Frühling. Doch die anhaltende Kälte bringt auch Vorteile mit sich – für Tiere, Natur, Landwirtschaft, aber auch den Menschen.

1. Mehr Insekten überleben den Winter

„Kalte, trockene Winter sind grundsätzlich für die bei uns heimischen Insektenarten, egal in welchem Stadium sie überwintern, viel besser als feucht-warme“, sagt Carsten Pusch vom Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein. In milden Wintern steigt das Risiko für Pilzbefall in den Winterquartieren, außerdem können die Tiere zu früh aus ihrer Winterstarre aufwachen und dann keine Nahrung finden.

Biene auf gelblichen Blüten eines Strauchs mit grünen Blättern im Freien
Eine Biene an einer Blüte.

Was gut für die Insektenwelt ist, zahlt sich am Ende auch für die Landwirtinnen und Landwirte aus: Rund 80 Prozent aller Wild- und Nutzpflanzen sind auf Insektenbestäubung angewiesen. Insekten dienen auch als Nahrung für andere Tiere, beispielsweise Vögel und Igel.

2. Zecken sind noch in der Winterpause

Milde Winter führen dem Nabu-Experten zufolge dazu, dass Zecken früher aktiv werden und sogar ganzjährig überleben können. „Ein kalter Winter kommt den von Zecken betroffenen Tierarten also entgegen, die Zecken sind dann noch nicht aktiv“, sagt Pusch. Ab etwa sieben Grad Celsius beginnen diese mit der Suche nach einem Wirt.

Nahaufnahme einer Zecke auf dem Rand eines grünen Blattes
Zecken werden erst später aktiv, wenn es lange kalt ist.

3. Frost lockert den Boden auf

Frost wirkt wie eine natürliche Bodenbearbeitung. Wenn Wasser im Erdreich gefriert, dehnt es sich aus und sprengt Verdichtungen auf. Eine lockere, gut durchlüftete Struktur bleibt zurück. Das erleichtert im Frühling die Arbeit auf dem Feld.

Zwei Hände halten eine kleine Menge Erde vor unscharfem Hintergrund.
In der Landwirtschaft nennt man dieses Phänomen Frostgare.

4. Weniger Ackerschädlinge, weniger Insektizide

Frost hat in der Landwirtschaft noch einen weiteren Vorteil. „Im Moment ist davon auszugehen, dass Schädlinge – vor allem im Raps – durch den anhaltenden Frost reduziert werden“, sagt Maike Schwerdtfeger, Sprecherin vom Bauernverband Schleswig-Holstein. Das erhöhe die Chance, im Frühjahr weniger Insektizide einsetzen zu müssen.

Traktor mit Sprühanlage bearbeitet ein Feld bei Ringsted in ländlicher Umgebung.
Ein Landwirt sprüht sein Feld.

5. Schnee schützt einige Pflanzen und Tiere

Schnee fungiert für die Flora und Fauna als natürlicher Schutz. „Die in vielen Landesteilen geschlossene Schneedecke isoliert die darunter befindlichen jungen Getreide- und Rapspflanzen und schützt sie vor schädigenden Kahlfrösten“, sagt Schwerdtfeger.

Gleichzeitig profitieren Kleintiere wie Mäuse, die im Boden überwintern: „Sie können unter dem Schnee hin und her laufen, ohne von Greifvögeln und Füchsen gesehen zu werden, wenn sie zwischenzeitlich aus der Winterruhe erwachen“, sagt Sina Clorius, Sprecherin vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Schleswig-Holstein.

Gelbes Rapsfeld vor hellem, bewölktem Himmel
Eine geschlossene Schneedecke bewahrt junge Rapspflanzen vor gefährlichem Kahlfrost.

Auch für Amphibien wie Frösche und Reptilien ist der Frost vorteilhafter als die milde Nässe der vergangenen Winter. „Denn bei Nässe wachsen Pilze und können die Haut der Tiere schädigen, viele sterben sogar an Pilzinfektionen“, sagt Clorius.

6. Kälte als Training für den Körper

Nicht nur die Natur profitiert, auch der menschliche Körper. „Die Kälte ist ein positiver Stressreiz für uns, um unseren Stoffwechsel zu aktivieren“, sagt Tim Hollstein, Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel.

Ein Spaziergang im Winter ist gut für Körper und Geist

Der Körper müsse seine Temperatur konstant bei etwa 36 bis 37 Grad halten. Bei Kälte werde dafür das sogenannte braune Fett aktiviert, eine Art körpereigene Heizung. „Es verbrennt Zucker und Fett und sorgt dadurch für Wärme“, sagt Hollstein.

Langfristig könne das bewusste Aussetzen des Körpers gegenüber niedrigen Temperaturen sogar gesundheitliche Vorteile haben: „Aktiveres braunes Fett kann vor Stoffwechselerkrankungen schützen, insbesondere Diabetes.“ Sein Fazit: statt in der warmen Wohnung zu sitzen, „mehr Kälte wagen. Der Körper wird dadurch resilienter“, sagt Hollstein.

7. Allergiker können länger durchatmen

Für Hausstaubmilben- und Pollenallergiker bringt ein langer, kalter Winter eine Entlastung. „Hausstaubmilben mögen es warm und feucht. Wenn es im Winter kalt und trocken ist und man regelmäßig lüftet, können sie sich schlechter vermehren“, sagt Guido Heine, Leiter der Allergologie am UKSH.

Unscharfe Frau niest hinter scharf fokussierten Haselkätzchen im Freien.
Für Allergikerinnen und Allergiker, die auf Frühblüher wie Hasel, Erle und Birke reagieren, ist ein kalter Winter eine Entlastung.

Auch Allergiker, die auf Frühblüher wie Hasel, Erle und Birke reagieren, profitieren. In milden Wintern können diese Pflanzen bereits ab Weihnachten Pollen freisetzen. „Das ist die schöne Seite des Winters: Im Moment sind die Kammern von diesen phagales-typischen Pollenschleudern noch geschlossen, es fliegt nichts“, sagt Heine.

Wer sonst bereits Medikamente wie Antihistaminika und kortisonhaltige Nasensprays benötigt, kann aktuell oft noch darauf verzichten – sollte aber vorbereitet sein, wenn es wärmer wird. Denn die Gesamtmenge an Pollen pro Jahr ändere sich nicht wesentlich, nur der Start verschiebe sich.