Deutsche Minderheit

Vom Dorfkind zur engagierten Schulleiterin: Connie Meyhoff Thaysen „schlittert“ in den Ruhestand

Connie Meyhoff Thaysens Tage als Schulleiterin sind gezählt. Am 27. Februar wird sie verabschiedet.

Aufgewachsen in Westerterp, geprägt von Ehrenamt und Minderheitenarbeit, ist Connie Meyhoff Thaysen eine feste Größe in Lügumkloster. 22 Jahre leitete sie die Deutsche Schule Lügumkloster – mit Herz für Kinder, Kollegium und Eltern. Jetzt freut sich die dreifache Mutter und achtfache Oma auf mehr Zeit für Familie, Garten und neue Projekte.

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Zusammenfassung

  • Connie Meyhoff Thaysen geht nach 22 Jahren als Schulleiterin der Deutschen Schule Lügumkloster in den Ruhestand.
  • Sie prägte die Schule und die Minderheit durch ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement und enge Vernetzung im Ort.
  • Im Ruhestand möchte sie mehr Zeit mit der Familie und Freundinnen verbringen, reisen, sich bewegen und an ihrer Familiengeschichte weiterarbeiten.

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„Der Wunsch, Lehrerin zu werden, ist eigentlich durch meine Schulzeit in der Schule auf Lügumberg (Løgumbjerge) mit Schulleiter Karl-Jürgen Höft gekommen. Das war eine tolle Zeit“, sagt Schulleiterin Connie Meyhoff Thaysen, für die die Position als Schulleiterin zu Beginn ihrer Karriere nie ein Traumziel gewesen ist.

Doch mittlerweile leitet sie seit 22 Jahren die Deutsche Schule Lügumkloster (Løgumkloster) und steht nun an der Schwelle zum Ruhestand.

Connie Meyhoff Thaysen wuchs als Jüngste im vier-Mädel-Haus von Helene und Laust Meyhoff in Westerterp (Vester Terp) auf. 

Damit wurde ihr das ehrenamtliche Engagement schon quasi in die Wiege gelegt. Über die Jahre hat sie sich nicht nur auf die Schularbeit konzentriert, sondern sich auch im Schulverein Norderlügum, beim TSV Lügumkloster, in der Kirchengemeinde und im Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) auf Vorstandsebene engagiert und ist eng vernetzt.

Ein Sprung in eine ganz neue Welt

Nach dem Besuch des damals neu eingeweihten Kindergarten auf Lügumberg bei „Tante Guni“ folgte die Schulzeit in der damaligen deutschen Schule Norderlügum auf Lügumberg.

Nächste Station nach der sechsten Klasse, die Ludwig-Andresen-Schule in Tondern (Tønder). „Das war vielleicht mal ein Sprung von Norderlügum an die LAS“, erinnert sich Connie Meyhoff Thaysen mit einem Lachen. 

„Wir feierten auf dem Land noch nachmittags Kindergeburtstage mit roten Würstchen, gestovten Kartoffeln und Sprudel, was es damals nicht so oft gab. An der LAS hatten sie schon Partys.“ 

Bei dem Sprung in die ganz andere Welt erinnert sie sich noch genau an ihren ersten Tag als Siebtklässlerin. In der kleinen Dorfschule waren sie zwei Kinder in der Klasse, und an der LAS waren es 23. Sie habe sich aber schnell eingelebt. 

Nach ihrem Realexamen in Tondern, das nach ihrem Jahrgang abgeschafft wurde, setzte sie ihre schulische Laufbahn am Deutschen Gymnasium in Apenrade (Aabenraa) fort.

Bügel-Erfahrung in einem englischen Internat

Au-pair-Mädchen stand als Nächstes auf ihrem Zettel. Diesen Wunsch setzte sie mit einer Schulfreundin in England an einer Eliteschule für Mädchen, die von Nonnen betrieben wurde, um. 

Die zwei Nordschleswigerinnen waren nachmittags für die Kinderbetreuung zuständig. 

„Da habe ich gelernt, wie man eine Bluse bügelt. Jeden Sonnabend habe ich ungefähr 30 Blusen der Schuluniformen gebügelt“, erzählt Connie lächelnd mit einem Kopfschütteln. Da sie dort nicht genügend lernten, reduzierten sie das geplante Jahr auf sechs Monate.

Drei mögliche Berufswünsche

Liebäugelte sie zwischendurch auch mit den Berufswünschen Krankenschwester und Bibliothekarin, so entschied sie sich dennoch für eine Laufbahn als Lehrerin. 

Die Zusagen von den Pädagogischen Hochschulen aus Tondern und Kiel lagen vor, als sie sich ungefähr nach dem Motto „warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“ kurzfristig für die Lehrerausbildung am Seminar in Tondern entschied.

„Ich nahm dann Englisch als Hauptfach, da sie mein Neigungsfach Erdkunde nicht hatten. Und Deutsch als Fremdsprache“, so die Schulleiterin.

Connie Meyhoff Thaysen könnte zukünftig mehr Zeit in einer Hängematte verbringen, sie möchte sich aber mehr bewegen.

Die schwere Suche nach einer Stelle

„Damals gab es eine Lehrerschwemme, und es war schwer, eine Stelle zu finden. Ich glaube, ich war nur zu einem Vorstellungsgespräch und da ging es um eine Handarbeitslehrerin, und wenn ich etwas nicht kann, dann ist es Handarbeit“, gesteht sie lachend. 

Der im Sportverein in Tondern engagierte Peter Berthel Nissen aus Hoyer (Højer), der als landwirtschaftlicher Berater auf dem Hof ihrer Eltern kam, schlug ihr vor, bei der SG West die Halbzeitstelle als Sekretärin zu bekleiden. Wie vorgeschlagen, so getan.

Dann kam im Sommer 1987 die Ausschreibung nach einer Lehrkraft in Lügumkloster. Das harmonierte nicht ganz mit ihrer damaligen Lebensplanung, da sie mit ihrem Sohn Laust schwanger war. 

Ich bin da ein bisschen blauäugig hereingegangen.

Connie Meyhoff Thaysen

Ihre zukünftigen Kolleginnen und Kollegen übernahmen im Verbund die Stelle, bis zu Connie Meyhoff Thaysens Dienstantritt im Januar 1988. „Ich war damals und viele weitere Jahre die Jüngste im Kollegium.“

Connie Meyhoff Thaysen, die eng mit der Minderheit verwurzelt und überall mittendrin ist, hat an der von ihr geprägten Schule Generationen von Kindern, ihre eigenen Kinder, Neffen und Nichten und Nachbarskinder unterrichtet.

In den Posten als Schulleiterin hineingeschlittert

Als sich für Schulleiter Bernd Jessen die Pensionszeit näherte, hatte sie zunächst nicht die Nachfolge auf ihrem Plan. 

Sie gehörte in ihrer Rolle als Vertrauensfrau dem Schulleiterwahlausschuss des Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) an. Bei der zweiten Ausschreibungsrunde forderten sie die Kollegen im Ausschuss sie auf, sich zu bewerben.

„Ich bin da ein bisschen blauäugig hereingegangen“, meint sie mehr als zwei Jahrzehnte später. Im Nachhinein sei sie froh gewesen, dass ihre Kinder zu der Zeit schon groß gewesen seien.

Vom Blaupausieren zur KI

„Ich habe die Arbeit immer gerne gemacht, und man hat Einfluss auf die Entwicklung“, so die dreifache Mutter. Als etwas nervig bezeichnet sie die Büroarbeit, die in den vergangenen Jahren mehr geworden sei.

Auch bei den technischen Errungenschaften hat sich in den vergangenen 38 Jahren so einiges getan. „Ich habe früher für Arbeitsbögen viele Landkarten gezeichnet und die dann mit Blaupapier im Spiritusdrucker durchgepaust“. 

Heute würde in ihrem Büro nichts ohne den Computer laufen und auch mit der Künstlichen Intelligenz habe sie einige Anfänge gemacht.

Mit dem Zwischenmenschlichen im Mittelpunkt

Bei der Frage danach, was ihr bei ihrer Tätigkeit am besten gefallen hat, braucht die scheidende Schulleiterin nicht lange nachzudenken. 

„Das Zwischenmenschliche. Der gute Kontakt zu den Eltern, den Großeltern und ebenfalls den Kindern und den Kolleginnen und Kollegen.“ 

Nicht so prickelnd fand sie es hingegen, wenn es im Laufe der Jahre nicht ausblieb, unschöne Entscheidungen zu fällen.

Connie Meyhoff Thaysen hat über 38 Jahre Kinder an der Deutschen Schule Lügumkloster begleitet und die Einrichtung mitgeprägt.

„Die Schule war mein zweites Zuhause und ich bin immer gerne hier gewesen. Zu 95 Prozent der Zeit bin ich gerne zur Arbeit gegangen“, so die 64-Jährige.

Neues Kapitel nach 38 Jahren

Aus der Jüngsten von 1988 ist mittlerweile die Älteste im Schulteam geworden. „Ich denke, es ist an der Zeit, dass neue Energie von außen kommt. Vanessa Wittke ist eine sehr kompetente Kollegin“, sagt Connie Meyhoff Thaysen bezüglich ihrer Nachfolgerin.

Auf die Stunde des Abschieds blickt die engagierte Frau, die gerne organisiert und  die nie viel Aufhebens um ihren Einsatz macht, mit etwas gemischten Gefühlen. 

„Ich glaube, ich muss mich daran gewöhnen, dass ich nicht mehr so viel Einfluss habe. Ich freue mich auf die freie Zeit, ich muss aber auch einen neuen Tagesablauf finden.“

„Die Schulgemeinschaft wird mir fehlen“

„Die Schulgemeinschaft, die Kinder und das Zusammensein mit den Kollegen werden mir ganz bestimmt fehlen. Aber dann habe ich mehr Zeit für meine Familie und meine Freunde.“

Connie Meyhoff Thayen erwähnt mehrfach das tolle Kollegium an der Bildungsstätte, das füreinander da sei und sich immer gegenseitig helfen würde. Viele der Lehrkräfte würden im Einzugsgebiet der Schule wohnen.

Und während sich die Schule in den vergangenen Jahren in ihrer Regie ständig weiterentwickelt hat, so ist die familiäre Atmosphäre immer noch die Gleiche.

Bildungsstätte in der Gesellschaft integriert

„Wir sind gut in der Gemeinschaft in Lügumkloster integriert und sind volles Mitglied in der Gesellschaft. Wir werden bei verschiedenen Aktionen im Ort um Mitwirken gefragt“, erzählt sie.ö

Ihre Ära als Schulleiterin fing sie mit 38 Kindern an. Es gab einen Höhepunkt mit 54 und dann lag die Zahl viele Jahre unter 40. In den jüngsten drei bis vier Jahren hat sie einen Stand von über 50 erreicht und für die nächsten Jahre zeigt sich eine steigende Tendenz an.

In der Ära von Schulleiterin Connie Meyhoff Thaysen gab es auch einiges zu feiern. Die Schulleiterin überreichte der Lehrerin Ursula Felstermann (l.)zum Dienstjubläum einen Blumenstrauß (Archivfoto).

Außer ihre Nachfolgerin bei der Einarbeitung zu unterstützen, wird es Connie Meyhoff Thaysen zumindest jeden zweiten Mittwoch für ihre Zeitungstour auf das Schulgelände ziehen. 

Sie bringt ihren drei Schwestern, die im Umfeld wohnen, den gedruckten „Nordschleswiger“. „Das ist richtig gemütlich und wir haben dann immer Zeit für einen Schnack“.

Mehr Zeit für Familie und Freundinnen

Außer mehr Zeit für Schnack im Freundes- und Familienkreis hat Connie Meyhoff Thaysen auch konkrete Vorstellungen, was sie im Ruhestand machen möchte. 

Die frühere Handballerin, die zum Frauenfitness geht, kegelt und mit Ausnahme der Wintermonate zur Arbeit radelt, möchte sich gerne mehr bewegen und strebt das Paddelspielen an.

„Ich habe ein E-Bike, sonst hätte ich nicht so viel geradelt, da ich auf dem Berg wohne“, so Connie. Dort, auf dem Berg, wie Lügumberg im Volksmund heißt, hält sie auch der 500 Quadratmeter große Garten auf Trab. Sie plant zudem, an ihrer Familiengeschichte weiterzuschreiben.

Und sie freut sich darauf, mehr Zeit mit ihren Kindern Heidi, Laust und Henning, ihren Schwiegerkindern und den acht Enkelkindern im Alter zwischen zwei und 13 Jahren in der Pfalz, in Söllstedt (Sølsted) und in Kolding zu verbringen.

Die dreifache Mutter und achtfache Oma hat auch gleich Nägel mit Köpfen gemacht und die ganze Familie im Mai zu einer gemeinsamen Tour nach Brandenburg ins Tropical Island eingeladen.

Am Morgen nach ihrer Heimkunft geht es dann für die Ruheständlerin, die nicht mehr an Schulferien gebunden ist, auf eine Reise mit dem Sozialdienst. Im Sommer reist sie mit ihrer Tochter Heidi in die Schweiz, um auf familiären Spuren zu wandeln.