Ausgrabung

Archäologen drangen in der Tiefe zu Tonderns Nord-Kai vor

Archäologen drangen in der Tiefe zu Tonderns Nord-Kai vor

Archäologen drangen in der Tiefe zu Tonderns Nord-Kai vor

Monika Thomsen
Monika Thomsen
Tondern/Tønder
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Die Schiffbrücke hat sich während der vergangenen Monate in eine große Baustelle verwandelt. Foto: Monika Thomsen

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Weitere Funde geben Einblick in die Zeit vor fast neun Jahrzehnten. Der Bürgermeister erwartet, dass in Kürze Vorschläge für den sichtbaren Erhalt der Relikte auf dem Tisch liegen.

Während die östliche Hafenmauer auf der Schiffbrücke in Tondern im vergangenen Dezember freigelegt worden war, knöpften sich die Archäologen des nordschleswigschen Museumsverbands Museum Sønderjylland kürzlich im Auftrag der Kommune Tondern gezielt den Nord-Kai vor.

Gemeinsam mit dem Tiefbau-Unternehmen Kjelkvist ging es etwa vier Meter in die Tiefe, um zu prüfen, was sich in diesem Bereich der Schiffbrücke im Untergrund verbirgt.

„Drei Meter unter dem Niveau der Straße steht die alte Hafenfront aus Stein immer noch. Unter den Steinen haben wir dann aus eingerammten Pfählen eine Art Bollwerk gefunden. Wir können sehen, dass Ausbesserungen vorgenommen worden sind“, erläutert der Archäologe Anders Hartvig dem „Nordschleswiger“.

Alter des Holzes wird bestimmt

„Wir haben eine Scheibe von dem Holz abgeschnitten, da es interessant sein könnte, Genaueres über den Bauzeitpunkt zu erfahren. Die Holzprobe schicken wir zur Dendrochronologie zu den Experten nach Kopenhagen“, erläutert Hartvig.

Er vermag keinen Zeithorizont zu nennen, wann das Ergebnis der naturwissenschaftlichen Bestimmung des Holzes vorliegt.

„Aus Quellenmaterial wissen wir, dass es im frühen 17. Jahrhundert in Tondern einen Hafen gegeben hat. Bei Ausgrabungen zum Rathausanbau stießen wir seinerzeit auf Wrackreste eines Lastkahns“, so Hartvig in Gedanken an 2014.

Im Sommer 2014 fand im Vorfeld der Rathaus-Erweiterung eine Ausgrabung statt. Damals stießen die Fachleute auf Überreste eines alten Lastkahns (Archivfoto). Foto: Elise Rahbek

Von einer Insel zur nächsten

Die Überreste des Kahns seien ungefähr auf die Zeit um das Jahr 1280 herum datiert worden.

„Damals war das Gebiet, wo das Rathaus steht, eine Insel, der Museumsstandort war eine weitere Insel, und auch die Stadt Tondern bildete eine Insel. Man konnte damals an mehreren Stellen anlegen“, schraubt er in der Rückblende die Zeit etwa 740 Jahre zurück.

Drei Meter unter dem Niveau der Straße steht die alte Hafenfront aus Stein immer noch. Unter den Steinen haben wir dann aus eingerammten Pfählen eine Art Bollwerk gefunden.

Anders Hartvig, Archäologe

„Wir können sehen, dass das Hafenbecken aufgefüllt worden ist. Uns ist berichtet worden, dass das seinerzeit mit Material vom Schlossgrund getan wurde. Das deckt sich mit unseren Funden, da wir dort auf verschiedene Erdschichten und mittelalterliche Ziegelsteine gestoßen sind“, so der Fachmann.

Im früheren Hafenbecken haben die Archäologen unter anderem einen Schuh mit hohem Absatz aus dem frühen 17. Jahrhundert aufgestöbert. Foto: Museum Sønderjylland

Das Hafenleben anno dazumal

Der Boden des Hafenbeckens gab durch verschiedene Fundstücke einiges aus der Vergangenheit preis.

„Wir haben dort Dinge gefunden, wie man sie eben in einem Hafen findet. Marmorkugeln, die sicher von Kindern ins Hafenbecken geworfen worden sind. Holzschuhe, ein Schuh mit hohem Absatz und eine kleine Messinglampe, die auf Schiffen genutzt wurde“, sagt Anders Hartvig.

Das vier Meter tiefe Loch sei zum Wochenende wieder zugeschüttet worden.

„Wir wollten nicht riskieren, dass jemand über den Bauzaun klettert und dann dort hineinfällt“, so der Archäologe.

Mehrere Partner ziehen an einem Strang, um den Stadtkern zu verschönern und für den Klimawandel fit zu machen. Foto: Monika Thomsen

Vorschläge für sichtbare Lösung

Der für die Stadtmitte zuständige Ausschuss hatte im Dezember das für die Neugestaltung verantwortliche Architekturbüro damit beauftragt, Vorschläge auszuarbeiten, wie die Relikte aus Tonderns Ära als Küstenstadt, knapp 90 Jahre, nachdem der Hafen plattgemacht wurde, sichtbar erhalten werden können.

„Es wird spannend zu sehen, welche Vorschläge kommen“, sagt Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei). Er ist Vorsitzender des Gremiums und erwartet, dass auf der in Kürze stattfindenden Sitzung ein Vorschlag vorliegen wird.

„Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden können, bei der das Ganze nicht einfach wieder zugedeckt werden soll“, so Popp Petersen.

Die Arbeiten dehnen sich derzeit auf die Skibbrogade und Gråbrødretorvet aus. Foto: Monika Thomsen

Eine neue Ausgangslage

Der Ausschuss für den Stadtkern sei sich bei der ursprünglichen Planung einig gewesen, dass kein Becken ausgehoben werden, sondern der Verlauf des Hafens im Belag markiert werden sollte, wie es bei der Mauer in Berlin der Fall ist.

„Mit den interessanten, historisch dokumentierten Funden sieht die Lage aber plötzlich anders aus“, so Popp Petersen.

Noch keine Rückmeldung

Der Museumsverband hat noch keine Rückmeldung von der staatlichen Schloss- und Kulturbehörde in Sachen Schutzmaßnahme, wie von Museumsinspektorin Tenna Rejnholt Kristensen von der archäologischen Einheit des nordschleswigschen Museumsverbandes zu erfahren ist.

Sie hat bereits früher erläutert, sie erwarte, dass die Behörde den Fund unter Schutz stellen wird. Eine unterirdische Schutzmaßnahme könnte eine Möglichkeit sein.

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