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Top 5 in Dänemark: Lene Terp bricht wieder einmal Barrieren

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Lene Terp spielte in ihrer aktiven Karriere für B1950 Bolderslev, Kolding Boldklub, Vejle Boldklub, OB, Lynn University in den USA und für den FC Fulham in England.

Die 51-Jährige aus Hellewatt war die erste dänische Fußballerin mit mehr als 100 Länderspielen und ist jetzt die erste Trainerin, die bei der Wahl zum Trainer des Jahres in Dänemark eine Top-5-Platzierung erreicht hat. Lene Terp spricht aber viel lieber über die Entwicklung im nordschleswigschen Mädchen-Fußball.

Bo Henriksen hat Mainz 05 aus einem Abstiegskandidaten zu einem Champions-League-Anwärter geformt und ist zum Fußball-Trainer des Jahres in Dänemark gekürt worden, gefolgt von Thomas Frank, Kent Nielsen und Brian Priske.

Es sind die Trainerinnen und Trainer der besten Spielklassen Dänemarks sowie die im Ausland aktiven Trainer, die ihre Stimmen abgegeben haben. Und auf Platz fünf haben sie Lene Terp gewählt.

Tabellenführer mit Fortuna Hjørring

Die 51-Jährige aus Hellewatt (Hellevad) hat den elffachen dänischen Meister Fortuna Hjørring nach mageren Jahren wieder an die Spitze der dänischen Liga geführt und ist die erste Frau überhaupt, die bei dieser Abstimmung in die Top 5 gewählt wird.

Lene Terp bricht wieder einmal Barrieren. In ihrer aktiven Zeit war sie die erste dänische Fußballerin, die die magische Marke von 100 Länderspielen erreichte, doch für sie ist es kein Thema, dass sie jetzt als erste Frau ganz vorne mitmischt.

„Nein, das spielt für mich nicht die große Rolle“, sagt Lene Terp zum „Nordschleswiger“.

Sie freue sich über die Anerkennung der Kolleginnen und Kollegen, will aber viel lieber über Fußball sprechen. Der Frauen-Fußball macht in diesen Jahren Schritte nach vorne, aber es sind nur kleine Schritte.

Lene Terp, hier bei der EM 2001 in Deutschland, absolvierte 105 Länderspiele für Dänemark.

„In den Stadien ist nicht viel passiert. Es kommen nicht mehr Zuschauerinnen und Zuschauer in die Stadien, nur bei verschiedenen Events, wie beispielsweise bei den Gastspielen von Brasilien im Wembley und im Parken. Unsere Spiele sind mit denen der männlichen Superliga nicht zu vergleichen. Wir müssen unser eigenes Publikum, unsere eigene Fankultur schaffen. Das muss ein Familienevent werden“, meint die 51-Jährige.

Mädchen müssen im Fußball bleiben

Die Zahl der Mädchen, die Fußball spielen, ist in den vergangenen Jahren markant gestiegen.

„Es ist viel unternommen worden, um mehr Mädchen an den Fußball heranzuführen. Das ist auch gelungen. Jetzt ist der nächste Schritt, diese Mädchen im Fußball zu halten. Zum einen mit tüchtigen Trainerinnen und Trainern, zum anderen mit Milieus, wo Platz für die Mädchen ist, die nur aus sozialen Gründen da sind, aber auch Platz für die Mädchen ist, die mit Leib und Seele Fußball spielen“, so Lene Terp.

Die Anzahl der Mädchen in kleineren Fußballvereinen sorgt immer noch für Herausforderungen, besonders beim Sprung vom Kleinfeld mit acht Spielerinnen zum Großfeld mit elf Spielerinnen.

Lene Terp trainierte von 2005 bis 2008 die Fußballerinnen von SønderjyskE, als diese noch in der dänischen Liga spielten.

„Es fehlen dann Spielerinnen, es entsteht eine Spielgemeinschaft mit der Nachbarstadt, die vielleicht nur ein Jahr hält, dann kommt eine neue Spielgemeinschaft, wo einige Spielerinnen mit so vielen neuen Gesichtern unsicher werden und aufhören. Das haben wir viel zu oft gesehen“, sagt die Trainerin, die auch in ihrer nordschleswigschen Heimat am Aufbau des Mädchen-Fußballs mitgewirkt hat.

Viele Rollen in Hadersleben

Lene Terp machte im Mai 2003 ihr 105. und letztes Länderspiel im Sydbank Park bei der 2:6-Niederlage gegen Deutschland und blieb danach in Hadersleben (Haderslev). Von 2003 bis 2016 war sie Lektorin am UC Syd und übte in dieser Zeit auch verschiedene Funktionen im Fußballbereich aus, darunter Trainerin und Talentkoordinatorin von Haderslev Fodboldklub (HFK) und Liga-Trainerin der SønderjyskE-Frauen.

Es folgten Rollen als Co-Trainerin an der University of Michigan, Liga-Trainerin bei Kolding Q, U17- und U19-Nationaltrainerin, Co-Trainerin der dänischen Frauen-Nationalmannschaft, DBU-Talentchefin, Sport und Ausbildungskoordinatorin von „Kolding Talent“ und Nationaltrainerin der Färöer.

Lene Terp (rechts) erreichte 2008 mit SønderjyskE das Pokalfinale, das allerdings gegen ihren jetzigen Arbeitgeber, Fortuna Hjørring, mit 0:4 verloren wurde.

Als sie 2022 von den Färöern zurückkehrte, wirkte sie für kurze Zeit auch beim Projekt „Sønderjyllands Fodboldpiger“ mit, wo Mads Lorensen aus Woyens (Vojens) eine treibende Kraft ist.

Gut für den dänischen Fußball

„Mads Lorensen macht seine Sache gut“, lobt Lene Terp, die den Fußball in ihrer nordschleswigschen Heimat nicht aus den Augen verloren hat und sich freut, dass der HFK sich um eine DBU-Lizenz für den Mädchen-Fußball beworben hat. Und die Aussichten stehen gut, dass die Haderslebenerinnen diese Lizenz auch bekommen werden. Lediglich 16 Klubs besitzen derzeit eine DBU-Lizenz für Mädchen.

„Das wäre gut für den Mädchen-Fußball im Landesteil, aber auch gut für den dänischen Fußball, wenn man auch die Entwicklung in dieser Region des Landes vorantreiben und die Spielerinnen besser ausbilden kann“, meint Lene Terp.