Deutschunterricht

„Tidlig Tysk“: 1, 2, 3 – die Kommune Apenrade bleibt dabei

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Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, besagt schon ein altes deutsches Sprichwort. Deshalb hält der Apenrader Stadtrat am frühen Deutschunterricht fest.

Während der Deutschunterricht in dänischen Schulen landesweit nach hinten verschoben wird, bleibt die Grenzkommune ihrem bewährten Konzept treu. Ab Klasse 3 lernen Kinder hier weiterhin Deutsch. Das sei eine Entscheidung für die Kinder, für den Arbeitsmarkt und für die kulturellen Verbindungen zu Deutschland.

Auf nationaler Ebene wird der Beginn des Deutschunterrichts in den dänischen Volksschulen vom 5. auf das 6. Schuljahr verschoben. Diesen Trend macht man in der Kommune Apenrade nicht mit. Der Stadtrat hat auf seiner Februar-Sitzung beschlossen, dass man in der Grenzkommune weiterhin an dem Konzept „Tidlig Tysk“ ab Klasse 3 festhält.

Der frühe Deutschunterricht wurde mit Beginn des Schuljahres 2015 in den kommunalen Volksschulen in der Kommune Apenrade eingeführt. „Wir waren die Ersten“, betont Kirsten Nørgård Christensen (V). „Ein Jahr später folgten die Kommunen Tondern und Sonderburg. Allerdings hat man dort beschlossen, den Deutschunterricht schon ab der Vorschulklasse einzuführen, während wir uns dafür entschieden hatten, erst ab dem 3. Schuljahr mit dem Deutschunterricht anzufangen, weil die Kinder in den ersten Jahren so viel anderes lernen müssen. Wir wollten sie dann nicht auch noch mit einer weiteren Sprache belasten“, sagt Nørgård Christensen, die damals den Vorsitz im Kinder- und Schulausschuss innehatte und noch heute dem Ausschuss angehört. Vorsitzender ist inzwischen der Konservative Rasmus Elkjær Larsen.

Deutsch ist wie Skifahren

Ein zwei Meter großer Mann auf dem Kinderhügel ist kein besonders schöner Anblick.

Bürgermeister Jan Riber Jakobsen (Kons.)

In der dritten Klasse hätten die Kinder schon das Prinzip Schule verstanden, so Nørgård Christensen. Die Kinder haben die Zahlen und Buchstaben kennengelernt, sind aber gleichzeitig noch jung genug, eine andere Sprache spielerisch zu erobern. Mit Beginn der Pubertät werde dies schon schwieriger. „In dem Alter ist es nicht so sexy, Deutsch zu sprechen“, formuliert es Nørgård Christensen.

Sie irrt jedoch in einem Punkt. Die Kommune Tondern (Tønder) führte den frühen Deutschunterricht ebenfalls im Jahr 2015 ein, wie die verantwortliche Deutschlehrerin Heidi Iwersen erst kürzlich in einem Interview mit dem „Nordschleswiger“ berichtete.

„Ich hätte zumindest gehofft, man hätte mir das Skifahren als Kind beigebracht. Ein zwei Meter großer Mann auf dem Kinderhügel ist kein besonders schöner Anblick. Deshalb sollten wir an dem frühen Deutschunterricht festhalten“, pflichtet ihr Bürgermeister Jan Riber Jakobsen (Kons.) bei und bringt dabei anschaulich eigene Erfahrungswerte ein.

„Deutsch ist nicht nur ein Fach und ist nicht nur eine Sprache. Deutschland ist unser Nachbarland. Es ist die Nachbarsprache. Wir leben in einem Grenzland, wo Teile der Bevölkerung mehrere Sprachen und Kulturen verwenden. – Hinzu kommt: Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner Dänemarks“, bemerkt Theis Kylling Hommeltoft (Soz.). Er ist ausgebildeter Lehrer, genau wie sein Konservativer Stadtratskollege Anders Koch-Hørlyck. „Deutschland ist unser Tor zu Europa. Unsere Transportbranche lechzt förmlich nach Arbeitskräften mit Deutschkenntnissen.“ In die gleiche Kerbe schlägt auch der parteilose Jan Køpke Christensen. Er würde sogar gerne noch früher mit dem Deutschunterricht an den dänischen Kommunalschulen beginnen. „Je früher, desto besser“, so sein Tenor.

Mit anderen Worten: die Kommunalpolitikerinnen und -politiker aus Apenrade können überhaupt nicht nachvollziehen, was ihre Parteikolleginnen und -kollegen auf Christiansborg bewogen hat, später mit dem Deutschunterricht zu beginnen, zumal Deutschland hinter den USA Dänemarks zweitgrößter Handelspartner ist.

Lob von der SP-Fraktion

Es ist eine gute Entscheidung.

Erwin Andresen (SP), Stadtratsabgeordneter

Die beiden Vertreter der Schleswigschen Partei (SP) verhalten sich bei Fragen zur dänischen Volksschule neutral und halten sich hier in der Regel aus Diskussionen heraus. In diesem Fall ergriff SP-Fraktionssprecher Erwin Andresen dann doch das Wort: „Ich möchte euch dafür loben, dass ihr am frühen Deutschunterricht festhaltet. Wir wissen, dass die Schülerinnen und Schüler unserer deutschen Schulen gerade wegen ihrer Sprachkenntnisse in der dänischen Wirtschaft begehrt sind. Es ist deshalb eine gute Entscheidung.“

Damit das Stundenplan-Puzzle aufgehen kann, werden die Grundschulkinder an den Apenrader Kommunalschulen eine Unterrichtsstunde pro Woche mehr zur Schule gehen, als die Mädchen und Jungen in anderen dänischen Kommunen. Da aber die Gesamtstundenzahl im Zuge der Schulreform reduziert wird, werden die Schultage auch in Apenrade im Schuljahr 2025/26 kürzer als im Augenblick sein.