Ausbildung

Zulauf für Deutsch in Gymnasien dank guter Vorarbeit

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Heidi Iwersen ist seit 41 Jahren Deutschlehrerin (Archivfoto).

Vor zehn Jahren führte die Kommune Tondern als Vorreiterin Deutschunterricht schon ab der Vorschulklasse ein. Die Früchte können heute geerntet werden, meint Deutschlehrerin Heidi Iwersen aus Tondern, die maßgeblich an dieser Initiative, aber auch an Folgeprojekten beteiligt gewesen ist.

Heidi Iwersen aus Tondern unterrichtet schon seit 1983 im Fach Deutsch. Deutsch war schon bei ihrem Studium ihr Hauptfach. „Ich lebe die Sprache und brenne für das Fach“, sagt die 66-Jährige.

Die Tonderanerin war maßgeblich daran beteiligt, als die Kommune Tondern 2015 als Vorreiterin für ganz Dänemark den Deutschunterricht an dänischen Schulen bereits ab der Vorschule einführte.

Seitdem ist die Kommune Sonderburg (Sønderborg) mit einem Deutschstart bei den Jüngsten nachgezogen sowie Apenrade (Aabenraa), wo die Schulkinder allerdings erst ab der 3. Klasse Deutsch lernen. Ansonsten können die Kommunen selbst entscheiden, wann mit dem Deutschunterricht angefangen werden soll.

Die Früchte dieser jetzt zehnjährigen Initiative können nun geerntet werden, meint die Lehrerin der Tønder Overbygningsskole stolz. Heute wählen mehr Jugendliche beim Besuch weiterführender Schulen das Fach Deutsch auf hohem Niveau. Dies gilt sowohl für das allgemeine Gymnasium in Tondern (Tønder Gymnasium) als auch im noch höheren Maß für das Handelsgymnasium (Det Blå Gymnasium Tønder). Die letztgenannte Unterrichtsstätte hat sich sogar ein zweites Standbein als Wirtschaftsgymnasium Tondern geschaffen.

Heidi Iwersen hat an der Ausarbeitung des deutschen Unterrichtsmaterials mitgearbeitet (Archivfoto).

Mit dem Trumpf, mit guten Deutschkenntnissen auf dem deutschen Arbeitsmarkt als wichtigstem Exportpartner Dänemarks bessere Chancen zu haben und zudem in Deutschland studieren zu können, wählen die Jugendlichen heute verstärkt Deutsch. Denn genau dieser Jahrgang war der, der in der Vorschule spielerisch und singend Bekanntschaft mit Deutsch schloss.

Damit schwimmt Tondern gegen den Strom, während das Fach im restlichen Land weniger populär ist. Das bedauert wiederum die Wirtschaft, die Beschäftigte mit Deutschkenntnissen sucht.

Heidi Iwersen unterrichtet und lebt seit 2005 wieder in Tondern.

Für Heidi Iwersen, die in der deutschen Minderheit aufgewachsen ist, die Ludwig-Andresen-Schule in Tondern und das Deutsche Gymnasium Nordschleswig in Apenrade besucht hat, heißt das Credo: „Mit Englisch kommt man durch, mit Deutsch kommt man weiter.“

Das ist die These der bekannten Deutschland-Kennerin Lykke Friis – ehemalige Folketingspolitikerin und Ministerin, Politikwissenschaftlerin und frühere Prorektorin der Universität Kopenhagen –, die sich Heidi Iwersen zu eigen macht.

„Der Nordschleswiger“ als Unterrichtsmaterial

Sie unterrichtet primär in ihren Hauptfächern Deutsch und Dänisch. Seit 2005 lebt und arbeitet die Tonderanerin wieder in ihrer Heimatstadt, zunächst unterrichtete sie an der Kommuneskole und nach der kommunalen Schulreform an der Oberbygningsskole für die Oberstufe.

„Dass sich das Fach Deutsch im Aufwind befindet, ist auch der guten Vorarbeit der Kolleginnen und Kollegen in den Volksschulen sowie der guten Zusammenarbeit mit den beiden Gymnasien in Tondern zu verdanken“, ist sie überzeugt.

„Mit der Wahl von Tidligt tysk legen alle Neuntklässlerinnen und -klässler in der Kommune eine mündliche und schriftliche Deutschprüfung ab. Auf diese Weise kennen sie das Format“, erläutert die Lehrerin, denn es ist eine Vorbereitung auf das deutsche Sprachendiplom, das sie an den beiden Gymnasien ablegen können.

Wichtig ist jetzt, dass wir jetzt am Ball bleiben.

Heidi Iwersen

„Wichtig ist jetzt, dass wir jetzt am Ball bleiben“, unterstreicht Heidi Iwersen. Die Kinder müssten lernen, dass sie nicht Deutsch für die Schule lernen, sondern man könne die Sprache im späteren Berufsleben, im Studium oder heute schon bei der Suche nach einem Freizeitjob anwenden. Deutschkenntnisse seien besonders im Grenzland mit vielen deutschen Touristen bei der Suche nach einem Job nach der Schule vorteilhaft und würden entsprechend auch finanziell honoriert.

Jahrelanger Einsatz zur Förderung des Deutschunterrichts

Heidi Iwersen arbeitet seit Jahren an der Förderung des Deutschunterrichts. Sie übernahm vor vielen Jahren die Arbeit der Lehrerin Karin Koplev, die deutsches Unterrichtsmaterial für Schulen in ganz Dänemark zusammenstellte. Dieses wurde damals mit Artikeln aus dem „Nordschleswiger“ bestückt und von der Zeitung verpackt und verschickt.

Heute bedient sich Heidi Iwersen des Unterrichtsmaterials des Portals für den Deutschunterricht an dänischen Schulen Grenzgenial.

Neben dem engen Kontakt zu den Gymnasien, die auch Lehrkräfte in den Deutschunterricht in die Volksschulen schicken, wird auch mit deutschen Schulklassen zusammengearbeitet. Ein Ergebnis sei unter anderem das deutsch-dänische Filmfestival.

Ein weiteres Deutsch-Projekt, das in Tondern angeschoben wurde, ist die Sprachstrategie Godt på vej med tysk. Am Projekt beteiligen sich als primäre Partner mehrere Gymnasien in den drei Kommunen, das Nationale Center für Fremdsprache, SDU, UC Syd, die Kommunen Tondern und Apenrade sowie die Region Sønderjylland-Schleswig. Projektleiterin ist Anette Okholm, Deutschlehrerin am Handelsgymnasium in Tondern.