Ausbildung

Deutsch wird am Gymnasium in Tondern immer beliebter

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Jugendliche aus dem Raum Tondern und aus Niebüll lernen sich kennen (Archivfoto).

Die beiden Minderheiten haben maßgeblichen Anteil an der Entwicklung, dass an der Schule mehr Deutsch-Unterricht auf hohem Niveau erteilt wird. Doch es gibt auch andere Gründe, meint der Rektor. Beispielsweise die Zusammenarbeit mit der Partnerschule in Niebüll.

Das Tønder Gymnasium verzeichnet eine bemerkenswerte Entwicklung im Fach Deutsch. Die Sprache des Nachbarlandes wird bei den Jugendlichen beliebter. Entsprechend werden mehr Jugendliche in Deutsch als Leistungskurs oder im sogenannten „Turbo-Deutsch“ für zweisprachige Schülerinnen und Schüler (Deutsch und Dänisch) unterrichtet.

Für die Entwicklung findet Rektor Karl Jørgen Møller mehrere Gründe: Es fanden gemeinsame Projekte statt, unter anderem mit dem Handelsgymnasium in Tondern, das den Deutsch-Unterricht über mehrere Jahre gestärkt hat, und mit der Partnerschule (Friedrich-Paulsen-Schule) in Niebüll.

Doch auch Jugendliche aus der deutschen und dänischen Minderheit, die ihr Abitur am Gymnasium in Tondern machen wollen, haben maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung.

„Es besteht kein Zweifel, dass die Minderheiten ein wichtiger Grund sind. Es haben sich aber auch mehr Schülerinnen und Schüler aus der dänischen Mehrheitsbevölkerung als früher für Deutsch entschieden“, erläutert er. 75 Prozent der Jugendlichen aus Südschleswig setzen ihre Ausbildung in Dänemark fort. Auf seiner Homepage macht das Gymnasium in Tondern auch explixit Werbung bei Jugendlichen aus Südschleswig mit einer Info-Seite.

Viele Schülerinnen und Schüler der Ludwig-Andresen-Schule wählen das Tonderner Gymnasium unter anderem wegen der langen Transportwege zum Deutschen Gymnasium in Apenrade (Aabenraa).

Ungefähr 400 Jugendliche besuchen zurzeit das Tonderner Gymnasium (Archivfoto).

Mit dem Abitur aus Tondern können die Jugendlichen sowohl in Dänemark als auch in Deutschland studieren.

National weniger Interesse für Deutsch

„Das Interesse für das Fach Deutsch ist sowohl national als auch regional gesunken. An den Gymnasien in Sonderburg, Apenrade und Tondern hatten etwa 17 Prozent Deutsch auf hohem Niveau gewählt. An den Handelsgymnasien lag der Anteil nur bei etwa 8 Prozent. Auf Landesebene sehen die Zahlen noch schlechter aus“, erklärt Møller.

In Tondern: Von 23 auf 38 Prozent gestiegen

Umso erfreulicher sei die Entwicklung in Tondern. „Im laufenden Schuljahr 2024/2025 haben etwa 23 Prozent der Schülerinnen und Schüler das Fach Deutsch als Leistungskurs gewählt. Im kommenden Schuljahr werden es sogar etwa 38 Prozent oder konkret 36 Jugendliche sein“, so Møller.

Mit dem Niebüller Gymnasium wurden in diesem und dem vergangenen Jahr gemeinsame Fach- und Sprachentage im Wechsel organisiert. Am 20. Februar kommen etwa 40 Schülerinnen und Schüler nach Tondern. Am 30. April ist Niebüll der Gastgeber. „Authentische Sprachentreffen motivieren die Jugendlichen sehr und können dazu führen, dass sie sich mehr für Sprachen interessieren“, meint Møller.

In früheren Jahren gab es dank der Zusammenarbeit mit dem Gymnasium in Niebüll auch grenzüberschreitend eine sogenannte Europa-Klasse. Die eine Hälfte des Schuljahres erlebten die Jugendlichen in Niebüll, die andere in Tondern. Zunächst war der Erfolg groß. Doch das Interesse besonders von dänischer Seite wurde geringer. Die Initiative endete aus verschiedenen Gründen.

Am Tonderner Gymnasium werden etwa 400 Jugendliche unterrichtet (Archivfoto).

Starke Position

Als Gymnasium des Grenzlandes nehme man eine starke Position beim Deutsch-Unterricht ein, sagt Møller. So beteiligt sich das Tønder Gymnasium auch am Projekt „Mit Deutsch auf einem guten Weg in verschiedenen Ausbildungen“ („Godt på vej med tysk på tværs af uddannelser”), dem sich die Region Süddänemark, die Kommunen Tondern und Apenrade, die Region Sønderjylland-Schleswig, das Nationale Zentrum für Fremdsprachen und mehrere Ausbildungseinrichtungen in Nordschleswig als Partner angeschlossen haben.

Dass Deutsch an seinem Gymnasium im Trend liegt, freue ihn besonders. Er ist selbst in der dänischen Minderheit aufgewachsen und hat das Grenzlandprofil der Unterrichtsstätte geschärft. Bei seinem Dienstantritt im August 2022 nannte er auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit als für ihn persönlich wichtigen Baustein für seine Arbeit.

Der Rektor des Tønder Gymnasiums, Karl Jørgen Møller, im Gespräch mit Jugendlichen