Regierungsinitiative

Jobzentren abschaffen? Die Reaktionen aus Sonderburg

Jobzentren abschaffen? Die Reaktionen aus Sonderburg

Jobzentren abschaffen? Die Reaktionen aus Sonderburg

Sonderburg/Sønderborg
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Das Jobcenter ist erst vor wenigen Wochen im Obergeschoss des Einkaufszentrums Borgen mit dem Bürgerservice unter ein Dach gezogen. Foto: Sønderborg Kommune

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Weg mit jenen Zentren, in denen die Kommunen Arbeitslose betreuen. So lautet der Vorschlag der neuen Regierung. In Sonderburg kommt diese Ansage zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Kaum hat die Kommune Sonderburg eine neue Beschäftigungspolitik für die Jahre 2023 bis 2026 erarbeitet, müssen große Teile schon wieder umgeschrieben werden. Und das Ziel, bestes Jobcenter in Dänemark zu werden, kann sich die Kommune jetzt schon abschminken. Denn in Dänemark wird es in Zukunft keine Jobzentren mehr geben.

Die neue Regierung der Parteien Moderate, Sozialdemokratie und Venstre schreibt in ihrer neuen Regierungsgrundlage: Alle Jobzentren werden geschlossen. In Zukunft sollen unter anderem Gewerkschaften einen Teil der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen übernehmen. Die Regierung will mit der Maßnahme bis 2030 drei Milliarden Kronen sparen.

In Sonderburg kommt der Beschluss aus der Regierung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Das Jobcenter ist in jüngster Vergangenheit ins Borgen umgezogen, und in der neuen Beschäftigungspolitik der Kommune spielt das kommunale Jobcenter eine bedeutende Rolle.

„Das ist natürlich ungünstig“

„Das ist natürlich ungünstig. Aber wir müssen jetzt erst einmal abwarten und sehen, was unsere Aufgabe ist“, sagt Bürgermeister Erik Lauritzen (Soz.) „Wir warten auf mehr Details und sehen dann, was das für Sonderburg bedeutet.“

Derzeit arbeiten etwa 290 Angestellte im Sonderburger Jobcenter. Sie betreuen 9.400 Menschen, die öffentliche Unterstützung erhalten.

„Es gibt etwa 700 Menschen, die aktiv auf der Suche nach einer Arbeit sind und keine psychischen oder physischen Herausforderungen haben“, erläutert Jan Prokopek Jensen (Soz.), der Vorsitzende des kommunalen Arbeitsmarktausschusses ist.

Wir müssen sehen, wie und was sich die Regierung denkt. Ich warte gespannt auf Einzelheiten.

Jan Prokopek Jensen, Ausschussvorsitzender

Unter den 9.400 Personen befinden sich auch solche, die eine Frührente beziehen oder einen Flexjob haben; also eine Arbeitsstelle für Arbeitnehmende, die dem Arbeitsmarkt aufgrund von unter anderem chronischen Krankheiten oder Behinderungen nur eingeschränkt zur Verfügung stehen.

1.000 Personen sind derzeit langzeitig krankgemeldet und derzeit suchen rund 1.000 junge Menschen ohne Arbeit oder Ausbildung nach beruflichen Perspektiven. Sie alle werden begleitet durch das Jobcenter.

„Wir müssen sehen, wie und was sich die Regierung denkt. Ich warte gespannt auf Einzelheiten“, sagt Jan Prokopek Jensen.

Jobcenter sitzt in angemieteten Räumen im Borgen

In einem ist er sich mit dem Bürgermeister einig: „Wenn das Ziel ist, Menschen so schnell wie möglich auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen, sind wir auf einer Linie mit dem Ziel der Regierung. Wie genau das möglich sein soll, müssen wir sehen.“

Falls die Aufgabenbereiche der jetzigen Jobcenter und somit die Zahl der Angestellten deutlich kleiner würde, müsse man sehen, was aus den gemieteten Räumen im Borgen werde, sagt der Bürgermeister. „Wir haben einen Vertrag unterschrieben. Sollte im Jobcenter mehr Platz frei werden, füllen wir den anderweitig aus.“

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