Grenzkontrollen

Anhaltende Grenzstaus: „Es muss sich was ändern“

Anhaltende Grenzstaus: „Es muss sich was ändern“

Anhaltende Grenzstaus: „Es muss sich was ändern“

Pauline Severin und Judith Reicherzer
Wassersleben
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Grenzstau
Sie arbeiten in der Pflege, im Büro, sind selbstständig und haben Freunde und Familie auf beiden Seiten der Grenze, und sie haben die Nase voll von den ständigen Staus. Ihre Forderung: Es muss sich endlich was ändern. Foto: Lukas Scherz

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Lange Autoschlangen, lange Gesichter: Der tägliche Stau über die deutsch-dänische Grenze betrifft besonders Pendelnde. Folketing-Abgeordnete Anne Sophie Callesen traf sich am Freitag mit Betroffenen, um sich einen Einblick in die Problematik zu verschaffen.

Ströme von Geflüchteten, Terroristen, Corona, Gefahr islamistischen Terrors, organisierte Kriminalität aus Schweden, mögliche Terroristen unter den aus der Ukraine Geflüchteten ...

Die Liste der Begründungen für Grenzkontrollen zu Deutschland ist lang und wird seit sechs Jahren stets aktualisiert. Besonders im Sommer sorgen die Grenzkontrollen aufgrund des zusätzlichen Urlaubsverkehrs für Überlastung und Frust.

Am Freitag fand deshalb ein Treffen gegen die anhaltenden Grenzkontrollen zwischen der Folketingsabgeordneten Anne Sophie Callesen (Radikale Venstre) sowie Pendlerinnen und Pendlern am Grenzübergang auf deutscher Seite, in der Nähe des Grenzhandels-Ladens Calle bei Wassersleben statt.

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Die Pendelnden erzählen von ihrer Frustration über die Staus. Einige kommen sogar deswegen zu spät zum Treffen mit der Folketingsabgeordneten Anne Sophie Callesen (Radikale Venstre). Foto: Lukas Scherz

Die Hauptanliegen der Pendelnden

„Es nervt einfach“, fasst Inna Wendt ihre aktuelle Lage und die der anderen Pendelnden zusammen. Das Treffen mit Anne Sophie Callesen wollen die Pendelnden nutzen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

„Seit fast zwei Jahren haben wir mit den Kontrollen zu kämpfen, und seit zwei Wochen wird es immer schlimmer“, sagt Thiemo Koch. Der Selbstständige verliert durch die Staus nicht nur viel Zeit, sondern auch wichtige Kunden.

Jan und Karin Sørensen steigen wegen der Staus nun immer öfter auf das Fahrrad um, auch im strömenden Regen. Die beiden hoffen, dass das Treffen auf fruchtbaren Boden trifft, wollen sich aber nicht zu viele Hoffnungen machen: „Man muss einfach im Dialog bleiben und die eigene Perspektive immer wieder erklären", so Jan Sørensen, der der deutschen Minderheit in Dänemark angehört.

Viele der Pendelnden finden die Kontrollen unnötig: „Die fangen hier doch keine Terroristen“, sagt Thiemo Koch. Diesen offiziellen Grund hinterfragt auch Anne Sophie Callesen: „Wenn die Grenzkontrollen gerechtfertigt wären, wäre es eine andere Debatte“, sagt die Politikerin, deren Vater zur deutschen Minderheit in Dänemark zählt.

„Es ist auch ein Stück Kultur, das durch die Kontrollen kaputtgeht“, so Jens Juul Yde, der vor allem für seinen Sohn, der auf die deutsche Schule in Flensburg (Flensborg) geht, oft über die Grenze fährt. „Da macht man schon Abstriche und lässt viele Aktivitäten dann auch einfach sein“, so Yde, der sich schon allein über einen zweispurigen statt einen einspurigen Grenzübergang in Krusau (Kruså) freuen würde.

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Die Politikerin Anne Sophie Callesen von Radikale Venstre vor dem Stau. Sie hält ein Schild, auf dem „Tænk nyt" (Denk neu) steht. Ob die Forderung nach neuen Lösungen in der Hauptstadt Gehör findet, ist noch unklar. Foto: Lukas Scherz

Wie geht es weiter?

Wie es mit den Grenzkontrollen weitergeht, ist noch offen. Dass sie ein immer größeres Problem werden und die Begründungen Dänemarks immer mehr von der Europäischen Union hinterfragt werden, steht jedoch fest.

Wie „Der Nordschleswiger" am Freitag berichtet, gibt es laut EU-Expertin Marlene Wind durch neue Informationen inzwischen auch bessere Aussichten auf Erfolg, gegen die Kontrollen zu klagen.

Anne Sophie Callesen hat zugehört und will ihre Eindrücke mit in die dänische Hauptstadt tragen und die Praxis hinterfragen. Sie bezeichnet die Situation an den Grenzübergängen als diplomatische Krise und fragt bei den Pendelnden nach, wie deutsche Politikerinnen und Politiker sich über die Problematik äußern. „Die Situation ist unzumutbar“, so Anne Sophie Callesens Fazit.

Die Pendelnden werden sich weiter in ihrer Facebookgruppe online austauschen und setzen große Hoffnung in die Politik, die ihren Alltag, ihr Leben in der Grenzregion wieder ein Stück einfacher machen soll.

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