Bildung

Nordschleswiger soll Sprachkomitee in Mitteljütland leiten

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Bertel Haarder
Das Sprachkomitee soll unter dem Vorsitz von Bertel Haarder konkrete Vorschläge erarbeiten.

Die Zahl der jungen Menschen in Dänemark, die eine Fremdsprache auf hohem Niveau beherrschen, geht seit Jahren zurück. Die Region Mitteljütland will mit einem eigens dafür eingerichteten Sprachenkomitee Lösungen finden, den Trend umzukehren. Vorsitzender des neuen Ausschusses wird der gebürtige Nordschleswiger Bertel Haarder.

Mitteljütland richtet als erste Region einen neuen Sprachenausschuss (Sprogkomité) ein. Dieser soll nach dem Beschluss des Regionsrates aus Politikerinnen und Politikern sowie Interessenvertretenden aus dem Privatsektor sowie von Organisationen und Wissenseinrichtungen bestehen.

Das Komitee hat zum Ziel, Fremdsprachen im gesamten Bildungssystem zu stärken und Lösungen für die Herausforderungen der Sprachfächer zu finden.

Die Ziele

  • Verständnis schaffen für die Bedeutung von Sprachfächern durch verbindliche Zusammenarbeit.
  • Stärken der Sprachfächer in den Grundschulen und die Verfügbarkeit von Französischstunden.
  • Stärken der Sprachprogramme in der Sekundarstufe durch Veränderungen in der Leitungsstruktur.
  • Verbesserung der Weiterbildung von Sprachlehrkräften, die von MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) inspiriert sind.
  • Stärken der Sprachfächer in der Hochschulbildung
  • Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Bildungseinrichtungen.

Das Problem: Mindestens 32 Sprachprogramme wurden in den vergangenen Jahren landesweit geschlossen, immer weniger Gymnasiastinnen und Gymnasiasten wählen Fächer mit hohem Sprachniveau, und sowohl in Grund- als auch in weiterführenden Schulen gibt es bereits einen Mangel an Sprachlehrkräften. Gleichzeitig fordern die Unternehmen mehr Mitarbeitende mit guten Sprachkenntnissen.

Beispiel Deutsch

Eine im August 2023 veröffentlichte Studie des „Nationalen Zentrums für Fremdsprachen“ (Det Nationale Center for Fremmedsprog) zeigt, dass immer weniger Menschen in Dänemark Deutsch lernen. Insbesondere der Unterricht auf hohem Niveau (A) wird demnach ungern gewählt, obwohl Deutsch als Fremdsprache in Dänemark eine große Rolle spielt. Die Gründe sind vielfältig, berichtete „Der Nordschleswiger“ im Oktober 2023. Schon vor einigen Jahren befürchteten Expertinnen und Experten gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen, wenn weniger Menschen die Sprache auf hohem Niveau beherrschen – denn Deutschland ist Dänemarks größter Handelspartner.

Das Thema hat auch den Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) auf den Plan gerufen. Der Hauptvorstand hatte bereits 2018 die sprachpolitische Arbeitsgruppe beauftragt, den Umstand zu analysieren und Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten. „Das Erlernen der deutschen Sprache ist für Dänemark von entscheidender Bedeutung“, heißt es in einem entsprechenden Papier, das im Dezember 2019 veröffentlicht wurde.

Schon damals hieß es, dass der Deutschunterricht an Schulen in Umfang und Qualität „nicht gut genug“ sei. Als Grund dafür macht sie „mangelhaftes und veraltetes Unterrichtsmaterial und überforderte Lehrer“ verantwortlich. In den Universitäten und in der Lehrerausbildung sei die Zahl der Studierenden außerdem zurückgegangen. „Wir befinden uns in einem Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt“, sagte Hinrich Jürgensen, BDN-Hauptvorsitzender.

Sprachen wichtige Ressource

Lösungen finden soll nun auch das Sprachkomitee in Mitteljütland – und könnte damit Vorbild für andere Regionen sein. „Fremdsprachen sind eine wichtige Ressource für unsere Gesellschaft – sowohl kulturell als auch wirtschaftlich. Mit dem neuen Sprachenausschuss schaffen wir ein Forum, das Kräfte aus Politik, Wirtschaft und Bildung zusammenbringen kann, um Lösungen für die Stärkung der Rolle der Sprachfächer im gesamten Bildungssystem zu finden“, sagt Anders Kühnau (Soz.), Vorsitzender des Regionalrats. Dabei geht es darum, konkrete politische und strukturelle Änderungen zu schaffen.

Nordschleswiger wird Vorsitzender

Vorsitzender des neuen Kommitees ist kein geringerer als der in Nordschleswig gebürtige Bertel Haarder (80). Der ehemalige Politiker und langjährige Folketingsabgeordnete aus Randershof (Rønshoved) war selbst 15 Jahre lang Unterrichtsminister. „Fremdsprachen sind nicht nur der Schlüssel zum Verständnis der Welt um uns herum, sondern auch zur Schaffung von Wachstum und Innovation“, so der Venstre-Politiker.

Das erste Treffen des Sprachkomitees soll in diesem Jahr mit 30 bis 35 Mitgliedern stattfinden.