Deutsch-Dänisch

Deutsch in Dänemark: „Den Teufelskreis durchbrechen“

Deutsch in Dänemark: „Den Teufelskreis durchbrechen“

Deutsch in Dänemark: „Den Teufelskreis durchbrechen“

Apenrade/Aabenraa
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Symbolbild Foto: Lars Salomonsen, Flensborg Avis

Der Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) hat ein Papier über den Status der deutschen Sprache in Dänemark entworfen – und Verbesserungsvorschläge entwickelt.

„Das Erlernen der deutschen Sprache ist für Dänemark von entscheidender Bedeutung“, heißt es in dem Papier „Status der deutschen Sprache in Dänemark“. Der BDN-Hauptvorstand hatte aus diesem Grund die sprachpolitische Arbeitsgruppe im September 2018 beauftragt, den Umstand zu analysieren und Verbesserungsvorschläge auszuarbeiten.

Aus dem Papier, das vergangene Woche vom Hauptvorstand abgenommen wurde, geht hervor, dass Deutsch von immer weniger Dänen erlernt und gesprochen wird. Die Arbeitsgruppe fand heraus, dass der Deutschunterricht an Schulen in Umfang und Qualität „nicht gut genug“ sei. Als Grund dafür macht sie „mangelhaftes und veraltetes Unterrichtsmaterial und überforderte Lehrer“ verantwortlich. In den Universitäten und in der Lehrerausbildung sei die Zahl der Studierenden außerdem zurückgegangen.

Der Teufelskreis

„Wir befinden uns in einem Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt“, sagt Hinrich Jürgensen, BDN-Hauptvorsitzender. In dem Papier wird der Teufelskreis wie folgt skizziert: Immer weniger Schüler lernen Deutsch in der Volksschule, weniger Schüler setzen mit Deutsch am Gymnasium fort. Es gibt weniger Germanistikstudenten und Deutschlehrer, daraus resultiert schlechter Deutschunterricht. Dieser bildet ein schlechtes Image für die deutsche Sprache, das wiederum dafür sorgt, dass weniger Schüler Deutsch in der Volksschule lernen.

In dem Papier wird ein Blick auf die deutsche Minderheit geworfen, der zeigt, dass 693 Mädchen und Jungen Kindergärten der Minderheit besuchen, 1.317 Schüler auf deutsche Schulen gehen, 110 Schüler die Deutsche Nachschule Tingleff gewählt haben und 183 Schüler den Weg zum Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig bestreiten. Wer das Schulsystem der deutschen Minderheit ganz oder teilweise durchläuft, bietet dank der Zweisprachigkeit und dem Wissen der deutschen Kultur einen Mehrwert auf dem Arbeitsmarkt – heißt es in dem Papier.

Grenzgenial ist bei den dänischen Deutschlehrern immer gut angekommen, leider hat die Regierung das Projekt nicht weiter gefördert, weshalb die Zukunft von Grenzgenial nicht gesichert ist.

Hinrich Jürgensen

Die Minderheit biete außerdem Angebote in deutscher Sprache wie Büchereien, Tageszeitung, Sprachkurse, Kulturarbeit, Vereinsleben, Kirche und das Unterrichtsportal Grenzgenial. Das Portal stellt Lehrern und Schülern dänischer Schulen Material für den Deutschunterricht zur Verfügung. „Grenzgenial ist bei den dänischen Deutschlehrern immer gut angekommen, leider hat die Regierung das Projekt nicht weiter gefördert, weshalb die Zukunft von Grenzgenial nicht gesichert ist“, berichtet Jürgensen.

Verbesserungvorschläge

Um die Deutschkenntnisse in Dänemark zu stärken, schlägt der BDN eine Imagekampagne und die Verbesserung und Stärkung der Ausbildung von Deutschlehrern vor. Des Weiteren wird das Potenzial des Projektes Grenzgenial unterstrichen, um Unterrichtsmaterial zu verbessern. Außerdem wird eine Stärkung des Unterrichts in den Schulen vorgeschlagen. Insbesondere in Nordschleswig solle an Grundschulen bereits ab der 1. Klasse mit dem Deutschunterricht begonnen werden, damit „im deutsch-dänischen Grenzland jeder die Sprache des Nachbarn verstehen kann“.

„Wir wollen im nächsten Schritt das Papier an den Kontaktausschuss schicken und uns mit Dansk Industri zusammensetzen. Dann werden wir sehen, wie es weitergeht“, sagt Hinrich Jürgensen.

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