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Industrie: Fehlende Deutschkenntnisse können teuer werden

Industrie: Fehlende Deutschkenntnisse können teuer werden

Industrie: Fehlende Deutschkenntnisse können teuer werden

Kopenhagen
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Deutschunterricht ist nicht in. Foto: Søren Bidstrup/Ritzau Scanpix

Immer weniger Jugendliche wählen im Gymnasium Deutsch. Die Wirtschaft befürchtet, es könnten in Zukunft Mitarbeiter mit den nötigen Deutschkenntnissen fehlen.

Das stetig geringere Interesse, Deutsch zu lernen, kann die Wirtschaft, und damit die Gesellschaft, teuer zu stehen kommen. So lautet die Einschätzung des Wirtschaftsverbandes Dansk Industri (DI).

Der Anteil der Schüler, die Deutsch als weiterführende Sprache im allgemeinbildenden Gymnasium wählten, lag 2005 noch bei 11,2 Prozent. Nun hat sich dieser in den Jahren 2012 bis 2018 zwischen 8,3 und 8,8 Prozent eingependelt. Die Zahl der Studierenden, die ein Fach mit „Deutsch“ im Titel belegen, ist von 974 im Jahr 2013 auf 653 im Jahr 2017 gefallen. Dies zeigte eine Analyse des Bundes Deutscher Nordschleswiger.

„Das ist eine besorgniserregende Entwicklung. Deutschland ist immerhin unser größter Handelspartner“, sagt Mette Fjord Sørensen, Vizedirektorin bei DI.

Mangel an Deutschlehrern in Gymnasien befürchtet

Germanistik haben vergangenes Jahr lediglich 52 Studierende gewählt.

„Es geht nicht darum, dass alle unbedingt Germanistik wählen sollen. Aber wir befürchten, dass uns zukünftig die Deutschlehrer für das Gymnasium fehlen werden. Dann gehen der kommenden Generation die Deutschkenntnisse noch stärker verloren“, meint Fjord Sørensen.

Der Konservative Folketingsabgeordnete Niels Flemming Hansen sieht das ähnlich.

„Die Entwicklung ist ausgesprochen bedauerlich, denn die Exportindustrie hat in hohem Maß Bedarf an Mitarbeitern, die Deutsch sprechen“, meint Hansen, der aus eigener Erfahrung spricht. Er ist selbst in Deutschland in die Lehre gegangen, und für seine weitere Karriere sind die Deutschkenntnisse ausschlaggebend gewesen.

Deutsch neben anderem Studium pflegen

Fjord Sørensen betont, dass die Industrie vor allem Mitarbeiter sucht, die neben einem anderen Studium auch Deutsch können.

„Ein Ingenieur oder ein Betriebswirtschaftler, der Deutsch spricht, ist für einen Exportbetrieb Gold wert. Es geht nicht darum, dass man Goethe in der Originalsprache lesen kann, aber bedeutend mehr als ein ‚Touristendeutsch‘ sollte es schon sein“, sagt die DI-Direktorin.

Sie meint, man solle Austauschprogramme während des Studiums stärker fördern, sodass die Studierenden ein Semester an zum Beispiel einer deutschen oder französischen Uni absolvieren. Auch sollten Studierende die Möglichkeit haben, während des Studiums die im Gymnasium erworbenen Sprachkenntnisse weiter zu pflegen. Fjord Sørensen bedauert daher, dass ein entsprechendes Talentprogramm der vorigen Regierung nicht fortgeführt worden ist.

Der Konservative Hansen meint, es brauche einen breiten Fächer an politischen Initiativen, um Deutsch zu fördern. Unter anderem stellt er sich vor, man könne Sprachaufenthalte (sprogskoler) stärker fördern, Deutsch bereits ab der dritten Klasse unterrichten und Lehrplätze im Ausland unterstützen.

„Könnte man sich zum Beispiel vorstellen, dass man auch Betriebe in Deutschland oder Frankreich fördert, wenn sie dänische Lehrlinge aufnehmen“, lautet seine Überlegung.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Aarhus-Geschichten“