Deutsche Minderheit

Mit 81 Jahren noch voller Tatendrang – Frederik Christensen zwischen Segelboot, Schwimmbad und Schlaraffia

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Frederik Christensen in der Kabine seines Segelschiffes: Das Leben auf dem Wasser bedeutet für ihn Entspannung und Erholung.

Der Apenrader gibt seit 20 Jahren das Rothenkruger Institutions- und Vereinsblatt „Immerwatt“ heraus. Jetzt reicht er das Zepter weiter. Doch was macht der 81-Jährige in der übrigen Zeit des Jahres? Wie hält er sich so fit? Im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ erzählt er von seinen vielen Interessen, die auch nach Schlaraffia führen.

Mit routiniertem Griff hält sich Frederik Christensen kurz an den Wanten fest, als er vom Segelboot den Steg betritt. Seine Schritte sind sicher, jahrelang geübt – nichts wirkt unsicher.

Wie alt er sei? „Drei hoch vier“, antwortet er schmunzelnd. Nach kurzem Rechnen wird klar: Der Mann ist 81 Jahre alt. Zwei Jahrzehnte lang hat er vor jedem Sommer die „Immerwatt“, das Magazin der Institutionen und Vereine in Rothenkrug (Rødekro), vorbereitet – Texte redigiert, Bilder zugeschnitten, die Hefte zusammengestellt.

Doch was treibt ihn eigentlich in den Monaten an, in denen er nicht mit der „Immerwatt“ beschäftigt ist?

Bewegung als Lebensmotto

„Tja“, sagt der ehemalige Schulleiter der Deutschen Schule Rothenkrug nachdenklich, „zweimal wöchentlich mache ich meine Morgengymnastik.“ Übungen für den Rücken seien das vor allem, „denn wer hat nicht Rücken“. Rund eine Stunde dauert sein Programm, das er vom Physiotherapeuten erhalten hat – Pausen nicht eingerechnet.

Im Herbst beginnt die Vorbereitung auf den Winter: „Skigymnastik, einmal die Woche“, erklärt Christensen. Denn seit Jahrzehnten fährt er im Januar nach Canazei in Italien – einmal mit dem Apenrader Ski-Club, einmal mit Familie oder Freunden. Gelernt hat er das Skifahren schon im Studium, später folgten Touren mit dem Jugendverband, „damals noch nach Norwegen“, erinnert er sich.

Frederik Christensen hält sich in vielerlei Hinsicht fit: Das Segeln gehört dazu, wie auch der Besuch der Schlaraffia, wo er sich geistige Anregung holt.

Sommer auf dem Boot

Wenn der Winter weicht, zieht es ihn aufs Wasser. „Ich bin dann meist für mehrere Wochen fast ausschließlich auf dem Boot“, erzählt er. Mal begleiten ihn Freunde, mal Kinder oder Enkelkinder.

Was ihn am Segeln so begeistert? „Die Kameradschaft an Bord – und das Gefühl von Freiheit. Nichts stürzt auf einen ein. Man hört das Rauschen des Windes und das Glucksen der Wellen, die gegen den Rumpf schlagen. Das ist manchmal alles.“ Er lächelt, während er das sagt.

Segeln sei zudem ein gutes Training: „Die Bewegung des Schiffes muss vom Körper ausgeglichen werden. Das hält fit.“

Montags ins Wasser

Der Wochenbeginn gehört dem Schwimmen. Einen Kilometer legt Christensen regelmäßig zurück, danach geht es in die Sauna. „Dort kann man es sich gut gehen lassen, nach der Anstrengung.“ Und er lacht, als er eine Anekdote erzählt: „Einmal habe ich mich nach der Sauna auf die Bank vor den großen Fenstern im Schwimmbad gelegt. Aufgewacht bin ich dann, als der Bademeister mich leicht anstupste und fragte ,Er du i livet?'“

Geistige Fitness und Geschichte

Nicht nur körperlich bleibt er aktiv. Als Freiwilliger hilft Christensen im Deutschen Museum in Sonderburg, alte Süterlin-Schriften zu digitalisieren. Auch die Tagebücher seines Großvaters nimmt er sich zur Brust. Der war in den 1920er- und 1930er-Jahren maßgeblich am Aufbau des deutschen Büchereiwesens in Nordschleswig beteiligt. „Sehr spannend, das jetzt nachlesen und nachverfolgen zu können“, sagt Christensen.

Geselligkeit als Lebenselixier

Im Sommer war Frederik Christensen auf Segeltour auf der „Alexander von Humboldt“. Er war der Älteste an Bord.

Wichtig ist ihm auch die Gemeinschaft. „Jeden zweiten Mittwoch gehe ich kegeln, beim Apenrader Kegelclub von 1932.“ Dort ist er inzwischen Vorsitzender.

Darüber hinaus ist er Schlaraffe. Die Schlaraffia, ein 1859 in Prag gegründeter Bund zur „Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor“, hat es ihm angetan. „Wir spielen mit der Sprache“, erklärt er. Humorvolle Vorträge, Reimgeschichten, sogar Wortgefechte gehören dazu. „Dann wird entschieden, wer der Sieger ist – und danach verträgt man sich wieder.“ Für viele sei diese Gemeinschaft ein wichtiges Mittel gegen Einsamkeit.

Aktiv im Ruhestand

Für Frederik Christensen ist sein Lebensstil eine bewusste Entscheidung. „Ich wollte von Anfang an etwas für mich tun.“ Dass sich das lohnt, spürt er täglich. „Es ist mir bewusst, dass es viele Jüngere gibt, die trotzdem älter sind als ich. Ich bin froh, dass ich so fit bin.“

Seine Rolle bei der „Immerwatt“ hat er nach 20 Jahren beendet. „Jetzt sollen das andere übernehmen.“ Sein Leitsatz dabei: Man solle gehen, wenn die Leute noch Gutes über einen zu sagen haben.