Deutsche Bücherei

Emma Holten diskutiert feministische Ökonomie in Apenrade

Die Autorin Emma Holten kommt zum Dialog in die Deutsche Zentralbücherei Apenrade.

Care-Arbeit: Emma Holten kritisiert die ökonomische Geringschätzung unbezahlter Arbeit. Frauen werden oft als wirtschaftliches Minus betrachtet. Eine Neubewertung als kollektive Verantwortung könnte die Gesellschaft verändern.

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Zusammenfassung

  • Emma Holten kritisiert in Apenrade die ökonomische Geringschätzung unbezahlter Sorgearbeit, die vor allem von Frauen geleistet wird.
  • Sie beschreibt Frauen als vermeintliches „Verlustgeschäft“, weil ihre Care-Arbeit und längere Rentenbezugszeiten wirtschaftlich falsch bewertet werden.
  • Holten fordert eine feministische Ökonomie, die Sorgearbeit als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe und Grundlage einer gerechten Volkswirtschaft versteht.

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Betreuung der Kinder, Erledigungen im Haushalt: All das sind unbezahlte und oft unsichtbare Arbeiten, die auch heute noch überwiegend von Frauen übernommen werden – und in der Gesellschaft zu wenig Anerkennung finden.

Das Verlustgeschäft Frau

Dass sich diese Geringschätzung auch ökonomisch widerspiegelt, sagt die feministische Debattiererin und Menschenrechtsaktivistin Emma Holten. In ihrem Buch „Underskud“ – „Unterwert“ beschreibt sie, dass Frauen aus rein wirtschaftlicher Perspektive als vermeintliches Minusgeschäft für die Gesellschaft gesehen werden: Sie nehmen Elternzeit, bleiben zu Hause, wenn das Kind krank ist, verdienen insbesondere im öffentlichen Sektor häufig weniger als ihre männlichen Kollegen – und beziehen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung länger Rente.

Um zu verstehen, wie sich unsere Gesellschaft in diesen Status quo hinein entwickelt hat, müsse man, so Holten, die historischen, kulturellen und strukturellen Vorstellungen von Geschlechterrollen in den Blick nehmen. Reproduktion und Sorgearbeit seien lange als wirtschaftlich irrelevant betrachtet worden. Genau an diesem Punkt stünden wir heute immer noch, wenn Frauen als „Verlustgeschäft“ für die Gesellschaft erhoben würden.

Sorgearbeit als gemeinsame Aufgabe

Die feministische Ökonomie setzt dem einen anderen Ansatz entgegen: Sie stellt die Sorgebedürfnisse der Menschen ins Zentrum wirtschaftlicher Überlegungen. Historisch war das Zuhause der Ort, an dem Fürsorge geleistet wurde. Heute, so Holten, müsse Sorgearbeit jedoch als kollektive Verantwortung verstanden werden – als grundlegende Voraussetzung für eine funktionierende und gerechte Volkswirtschaft. 

Ihre Thesen sorgten beim Erscheinen des Buchs im Jahr 2024 für Kritik vonseiten verschiedener Ökonominnen und Ökonomen. Ulrik Beck, Chefökonom der Denkfabrik Kraka, ist einer dieser Stimmen und sagte über die Äußerungen von Holten zu „Politiken“: „Es hapert am Verständnis der ökonomischen Theorie und am Verständnis des Unterschieds zwischen dem, was Wert für die Gesellschaft schafft, und dem, was Geld in die Staatskasse bringt, also in den Staatshaushalt.“

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann dies am Dienstag, 3. März, tun. Dann ist Emma Holten zu Gast in der Deutschen Zentralbücherei in Apenrade (Aabenraa). Gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Elke Weik und dem Publikum wird sie die Thesen ihres Buchs diskutieren.

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Es wird eine simultane deutsch-dänische Übersetzung angeboten. Eine Anmeldung ist bis zum 1. März erforderlich unter www.place2book.com oder per E-Mail an sekretariat@buecherei.dk.