Deutsche Minderheit

Zwischen menschlicher Hybris und Atommüll: Theaterprobe am DGN

Zwei Mitglieder der Theater-AG bei der Probe
Aimée Ernst und Liam Curdes bei einer Probe der Theater-AG

Theater: Schülerinnen und Schüler des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig proben ein Stück über menschliche Hybris. Trotz improvisierter Bühne und langen Schultagen entsteht eine starke Gemeinschaft. Die Aufführungen finden Anfang März statt.

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Zusammenfassung

  • Theater-AG des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig probt das Stück „Anfang und Ende des Anthropozäns“.
  • Im Mittelpunkt des dystopischen Stücks stehen menschliche Hybris, technische Abhängigkeit und die Folgen wie Atommüll im All und verbreitete Krankheiten.
  • Für die Schülerinnen und Schüler, darunter Meno Krügel, ist das Projekt vor allem eine Erfahrung von Lampenfieber, persönlicher Rollenfindung und wachsendem Gemeinschaftsgefühl.

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„Don’t move!“ – „Yes, sir!“ – „Fucking shit!“

Die englischen Kommandos schneiden durch die Müdigkeit dieses Mittwochnachmittags. Es ist 14:45 Uhr, kurz nach Schulschluss. Ein langer Tag liegt hinter den Schülerinnen und Schülern des Deutsches Gymnasium für Nordschleswig (DGN). Jetzt stehen sie zwischen Stühlen, Textheften und einer improvisierten Bühne.

Die Aula ist gesperrt. Für eine Prüfung wurden dort Tische aufgebaut. Also wird heute auf die Zuschauerplätze ausgewichen. 

Ein Ensemble findet sich

Keine richtige Bühne, kein Vorhang, kein Scheinwerferlicht – nur blendendes, störendes Sonnenlicht, das durch die großen Fenster fällt und harte Schatten auf den Boden wirft. Der Geruch von Schulflur hängt noch in der Luft.

Mitten unter ihnen: Meno Krügel, 18 Jahre alt, aus der 3G. Das Textheft locker in der Hand, aufmerksam, ruhig. Seit zwei Jahren spielt er Theater.

„Am Anfang ist man ein unzusammengemischter Haufen“, sagt er. Unterschiedliche Klassen, unterschiedliche Charaktere. Nur das Interesse am Spielen verbindet sie. „Aber durch die Rollen und dieses Zusammenspiel wächst man enorm zusammen.“

Meno Krügel (18) ist Teil der Theater-AG
Meno Krügel ist Teil der Theater-AG.

Zwischen schweren Themen und persönlicher Rollenfindung

Geprobt wird das Stück „Anfang und Ende des Anthropozäns“ von Philipp Löhle. Eine Zukunft, in der die Menschheit sich nicht weiter-, sondern zurückentwickelt. Geräte übernehmen das Denken, Probleme wachsen. Atommüll wird ins Weltall geschossen. Die Raketen explodieren. Schilddrüsenkrebs wird zur „Volkskrankheit Nummer eins“.

Im Zentrum steht die Hybris – die Selbstüberschätzung des Menschen.

Meno spielt die Rolle des John Allen Chow. „Nicht der Schlauste“, sagt er über seine Figur, „vielleicht eine gebrochene Seele.“ Viel Zeit auf der Bühne hat er nicht. Doch es gehe ihm nicht um Größe, sondern um das Gefühl.

„Ich freue mich am meisten aufs Lampenfieber“, sagt er. „Ich glaube, ich bin ein kleiner Adrenalinjunkie.“

Kurz vor dem Auftritt hat er allerdings immer „einen Kloß im Hals“. Es drückt im Bauch. Doch wenn er auf der Bühne steht, spürt er „eine erfüllende Wärme“. Dann läuft es einfach.

Ich freue mich am meisten aufs Lampenfieber. Ich glaube, ich bin ein kleiner Adrenalinjunkie.

Meno Krügel

Entwicklung eines starken Teams

Am Rand der improvisierten Bühne beobachtet Susanne Kirste die Probe. Zum fünften Mal begleitet die Lehrerin eine Theatergruppe am DGN. Gemeinsam mit Jürgen Schultze, ehemaliger Lehrer der Schule, leitet sie die Gruppe.

„Es freut mich jedes Mal, die Entwicklung zu sehen“, sagt sie. „Wie sich alle in die Rollen einleben.“

Und tatsächlich: Die Müdigkeit vom langen Schultag ist längst verschwunden. Die Stimmen sind klarer geworden, die Bewegungen entschlossener. Zwischen blendendem Sonnenlicht und dystopischen Dialogen wächst ein Ensemble zusammen.

Vielleicht erzählt das Stück von der Selbstüberschätzung der Menschheit. An diesem Nachmittag aber zeigt sich etwas anderes: wie aus einzelnen Schülerinnen und Schülern eine Gemeinschaft wird.

Drei Vorführungen am DGN

Die Theater‑AG des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig spielt am Mittwoch den 4., Donnerstag den 5. und Freitag den 6. März, jeweils um 19.30 Uhr, in der Aula des DGN in Apenrade (Aabenraa). 

Der Eintritt kostet 75 Kronen für Erwachsene – für Schülerinnen und Schüler ist der Eintritt kostenlos.