Artenvielfalt

Feuchtgebiete: SP-Politiker Leth warnt vor Mini-Lösungen

Minifeuchtgebiete fangen Wasser von landwirtschaftlichen Flächen auf. In den flachen Becken verlangsamt sich der Abfluss, Nährstoffe werden gebunden – bevor das Wasser die Haderslebener Förde erreicht.

Bei Woyens entsteht Minifeuchtgebiet Nr. 99. Gleichzeitig plant die Kommune Hadersleben zwei große Feuchtgebiete. Für Kommunalpolitiker Carsten Leth Schmidt ist klar: Nicht jede Lösung im Kleinformat ist gleich gut für Förde und Artenvielfalt.

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Zusammenfassung

  • Bei Woyens entsteht  Minifeuchtgebiet Nr. 99, das Nährstoffe aus landwirtschaftlichem Ablaufwasser filtern wird.
  • SP-Politiker und Biolandwirt Carsten Leth Schmidt warnt, dass diese kleinen Becken nur begrenzte Wirkung haben und größere, naturnahe Feuchtgebiete nicht ersetzen dürfen.
  • Bei Spangsbæk und Fohl plant die Kommune Hadersleben zwei große Feuchtgebiete, die Stickstoffeinträge deutlich senken und zugleich Hochwasserschutz sowie Artenvielfalt stärken sollen.

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Bei Woyens (Vojens) arbeiten zurzeit die Bagger. Sie beackern ein Feld und schaffen flache Becken. Das Minifeuchtgebiet Nummer 99 wächst, Nummer 100 soll bald folgen. Fast hundert solcher Anlagen gibt es allein im südlichen Dänemark.

Kleine Becken, große Wirkung?

Nach Angaben des landwirtschaftlichen Beratungsdienstes Spiras mit Sitz in Woyens sinkt der Stickstoffgehalt im Wasser, das von landwirtschaftlichen Flächen abläuft, im Durchschnitt um rund 22 Prozent, der Phosphorgehalt um etwa 45 Prozent. Dieses Wasser würde sonst ungefiltert in Richtung Haderslebener Förde und anderer Gewässer fließen.

Carsten Leth Schmidt (SP) warnt vor zu vielen Lösungen im Kleinformat.

Mini-Lösung oder echte Natur?

In der Debatte um Artenvielfalt geht es nicht nur um Feuchtgebiete, sondern um die Frage, welche. Carsten Leth Schmidt (Schleswigsche Partei), Mitglied des kommunalen Klimaausschusses, sieht qualitative Unterschiede zwischen großen, naturnahen Feuchtgebieten, schnell umsetzbaren „Fast-Track“-Projekten – und Minifeuchtgebieten. Bei Letzteren wird er deutlich. 

„Das sind eigentlich offene Kläranlagen auf dem Acker“, sagt der Biolandwirt. Sie funktionierten, solange man sie pflege, hätten aber nur begrenzte Kapazität. „Wenn viel Wasser kommt, laufen sie über. Und wenn man sie nicht wartet, verlieren sie ihren Effekt.“

Seine Sorge: Weil Minifeuchtgebiete schnell genehmigt und gut gefördert werden, greifen viele zu dieser Lösung. „Aber wenn wir überall Mini-Becken bauen, verbauen wir uns womöglich die Chance auf größere, naturnahe Feuchtgebiete.“ Diese seien ökologisch wertvoller, böten mehr Raum für Artenvielfalt – und wirkten dauerhaft. Für Leth ist klar: Mini-Lösungen sind sinnvoll, aber nur dort, wo es keine Alternative gibt. „Dort, wo wir die Chance auf ein richtiges Feuchtgebiet haben, sollten wir sie nutzen.“

Erstes Großprojekt bei Spangsbæk

Bei Spangsbæk plant die Kommune Hadersleben ihrerseits ein 47 Hektar großes Feuchtgebiet. Es soll den Stickstoffeintrag in die Haderslebener Förde und in den Kleinen Belt um jährlich 5,6 Tonnen senken. Hinter dem Vorhaben steht „Grøn Trepart“ – eine landesweite Verständigung zwischen Politik, Landwirtschaft und Umweltorganisationen mit dem Ziel, den Stickstoffeintrag zu senken und die Wasserqualität zu verbessern.

Feuchtgebiet als Hochwasserschutz in Fohl?

Noch größer fällt das Projekt bei Fohl (Fole) aus. Am Wasserlauf Fole Bæk läuft die Voruntersuchung für ein 81 Hektar großes Feuchtgebiet. Fachleute haben berechnet, dass es den Stickstoffeintrag in das Einzugsgebiet Knudedyb um 7,3 Tonnen pro Jahr reduzieren würde.

In dem kleinen Dorf bei Gramm (Gram), das bei Starkregen wiederholt unter Wasser stand, könnte das geplante Feuchtgebiet nach Leths Einschätzung zusätzlich Wasser zurückhalten. „Der neue Deich aus dem Vorjahr ist und bleibt der wichtigste Schutz“, sagt er. Das Feuchtgebiet könne ihn ergänzen – und zugleich Nährstoffe zurückhalten.