Grenzland

Deutsche Minderheit: 15 wertvolle Minuten mit Friedrich Merz

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Merz hört nach Einschätzung der BDN-Delegation interessiert zu.

Es passiert nicht alle Tage, dass sich ein Bundeskanzler Zeit für den Bund Deutscher Nordschleswiger nimmt. Daher haben die drei Vertreter die Begegnung genauestens vorbereitet, um Merz zu vermitteln, wer die Minderheit ist.

Sie hatten eine klare Mission, die drei Vertreter des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN): Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in 15 knappen Minuten zu vermitteln, wer und was die Minderheit ist – und zwar so, dass er sich auch danach noch daran erinnert.

Deshalb haben sich BDN-Chef Hinrich Jürgensen, Generalsekretär Uwe Jessen und Sekretariatsleiter Harro Hallmann sehr genau auf die Begegnung vorbereitet.

„Wir haben einen klaren Plan gemacht, wer was sagt“, berichtet Hinrich Jürgensen im Anschluss an die Begegnung, die am Donnerstagmorgen am Rande des EU-Gipfels in Kopenhagen stattfindet.

Der Termin darf nicht verpasst werden

Begonnen hat die Mission in der Nacht zum Donnerstag: „Wir sind erst um halb zwei im Hotel gewesen, denn wir hatten gestern Abend noch Sitzung in Nordschleswig und sind danach gefahren. Wir wollten nicht riskieren, heute Morgen irgendwo in einem Stau oder einer Polizeisperrung hängen zu bleiben“, so Jürgensen.

Auch vor dem Hotel, in dem das Treffen stattfindet, prägen die Sicherheitsvorkehrungen beim EU-Gipfel das Kopenhagener Stadtbild. Polizistinnen und Polizisten bewachen das Gebäude. Weitere stehen mit ihren Motorrädern bereit, um die hochrangigen Gäste zur nächsten Veranstaltung im „Bella Center“ zu begleiten.

Drinnen ist die Stimmung entspannt. Die drei BDN-Vertreter haben sich bereits für das obligatorische Gruppenfoto bereitgestellt, als Friedrich Merz sich zu ihnen gesellt. Dreimal schnell in die Richtung der drei anwesenden Fotografen geblickt, und die eigentliche Mission kann beginnen.

Aufstellen für das Gruppenfoto: Harro Hallmann, Uwe Jessen, Friedrich Merz und Hinrich Jürgensen (v.l.)

Die Botschaft hat sich für den Termin eingesetzt

Doch bevor es dazu kommen konnte, musste erst einmal Zeit im dichtgepackten Kalender des Kanzlers freigeschaufelt werden. Der Gesandte und Minderheitenbeauftragte an der deutschen Botschaft in Kopenhagen, Markus Bollmohr, hat sich beim Bundeskanzleramt für das Kalenderschaufeln eingesetzt.

„Als wir uns vor einem Monat mit Bundesaußenminister Johann Wadephul trafen, sprachen wir darüber, dass es ganz gut wäre, dass wir in irgendeiner Weise eingebunden werden, wenn hochrangiger Besuch aus Deutschland nach Kopenhagen kommt“, sagt Jürgensen.

Vorbild Grenzland als Argument für das Treffen

Es gelang dann, zwischen Begegnungen mit zwei Staatschefinnen oder Staatschefs 15 Minuten im Kalender des Kanzlers zu finden. Ungefähr eine Woche vor dem EU-Gipfel war der Termin fix. Es sei ein Zeichen der Wertschätzung für die Minderheit und ihre Rolle, so Bollmohr.

„Ein Argument für diesen Termin war die Erfolgsgeschichte aus dem Grenzland mit den gut integrierten Minderheiten auf beiden Seiten, wie eng sie zusammenarbeiten und wie modern sie sind“, sagt der Gesandte.

Die langen 15 Minuten

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der BDN mit einer Kanzlerin oder einem Kanzler trifft. So gab es bereits Begegnungen mit Gerhard Schröder (SPD) und Angela Merkel (CDU). Das Treffen mit Letzterer fand jedoch mehr oder weniger zwischen Tür und Angel statt.

„15 Minuten mit einem Bundeskanzler sind eine ganze Menge. Das kommt alle Jubeljahre vor“, sagt Uwe Jessen.

Gerade weil es im Kalender eines Kanzlers viel Zeit ist, soll sie sorgfältig verwendet werden. Hinrich Jürgensen hat kurz die Geschichte der Minderheit aufgezeigt; Harro Hallmann sprach über die Bedeutung der Schulen und das Flaggengesetz mit der Ausnahme für die deutsche Flagge.

Merz horchte bei „Friedenspolitik“ auf

Uwe Jessen erklärte, dass der deutsche Anteil bei der Finanzierung der Schulen abgenommen hat. Dabei betonte er die Bedeutung der Parallelität zwischen deutscher und dänischer Unterstützung.

„Ich fand, es war ein sehr lockeres und freundliches Gespräch, und er war sehr interessiert“, so Jürgensen.

Er selbst sprach in seinem Beitrag auch über die Minderheiten im Grenzland als Modell für den Rest von Europa. Laut Jessen hörte der Bundeskanzler bei diesem Thema „noch besser zu“.

„Hinrich hat das sehr gut erklärt, als er sagte: ‚Minderheitenpolitik ist auch Friedenspolitik‘“, so die Einschätzung des Diplomaten Bollmohr.

Die BDN-Delegation wertet es auch als aufrichtiges Interesse, dass Merz darum bat, die vorbereiteten Folien mitnehmen zu dürfen. Weitere Informationen möchte er auch zugeschickt bekommen.

„Er wirkte sehr interessiert und aufgeschlossen. Das war ein wirklich gutes Gespräch“, sagt Hallmann.

Das Erfolgskriterium des BDN

Mission accomplished, also? Wird sich Merz unter den vielen Gesprächen im Lauf der eineinhalb Tage auch noch an das mit den Vertretern der Minderheit erinnern?

„Ich glaube, dass er sich an einzelne Punkte erinnern wird“, meint der Leiter des Kopenhagener Sekretariats. So hatten die drei erwähnt, dass auch die Minderheit am Freitag den Tag der Deutschen Einheit feiern würde.

„Daran wird er sich erinnern. Und wenn er nur das mitnimmt, dann ist eigentlich schon genug.“

Und mit genau dem Wunsch zu einem guten Tag der Deutschen Einheit verabschiedet sich der Kanzler dann und eilt zu seinem nächsten Termin.