2. Bundesliga

Einschnitt in Kiel: Rapp muss gehen, Walter ist zurück

Marcel Rapp führte Holstein Kiel einst in die Bundesliga. Jetzt muss der Trainer gehen. Sein Nachfolger ist ein alter Bekannter.

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Zusammenfassung

  • Holstein Kiel trennt sich nach einer sportlichen Talfahrt von Aufstiegstrainer Marcel Rapp und holt Ex-Coach Tim Walter zurück.
  • Der abstiegsgefährdete Zweitligist erhofft sich von Walter neue Impulse, während Vereinsführung und Rapp einander mit warmen Worten verabschieden.
  • Fehler in der Kaderplanung nach dem Bundesliga-Aufstieg verschärften die Krise, die Walter nun im Kampf gegen einen Absturz wie bei Arminia Bielefeld korrigieren soll.

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Bei Holstein Kiel ist eine Ära zu Ende gegangen. 2024 führte Marcel Rapp die «Störche» als ersten Verein aus Schleswig-Holstein in die Fußball-Bundesliga. Am Dienstag wurde der Trainer nach einer fast anderthalbjährigen sportlichen Talfahrt durch einen alten Bekannten ersetzt: Der ehemalige HSV-Coach Tim Walter kehrt nach Kiel zurück, wo er in der Saison 2018/19 schon einmal Trainer war und sich für vermeintliche höhere Aufgaben beim VfB Stuttgart und dem Hamburger SV empfahl.

Der 50-jährige Walter solle «neue Impulse in der aktuellen sportlichen Situation geben», heißt es in der Mitteilung des Clubs. Denn nach vier Niederlagen in Serie schwebt der Erstliga-Absteiger auch in der zweiten Liga in akuter Abstiegsgefahr. Der Tabellen-14. ist nur noch einen Punkt vom Relegationsplatz entfernt. Nächster Gegner ist das Spitzenteam SV Elversberg (Samstag, 13.00 Uhr/Sky).

Rapp und Walter kommen beide aus Baden. Ansprache und Auftreten sind aber grundverschieden. Beim HSV scheiterte Walter zwar 2023 und 2024 jeweils in der Relegation am großen Ziel Bundesliga-Aufstieg. Sein selbstbewusstes und mitunter forsches Wirken ist aber womöglich ein gezielt gesetzter Kontrapunkt zu Rapps vergleichsweise zurückhaltender und sachlicher Art. 

Warme Worte für Rapp

«Seine Arbeit, sein Engagement und sein Umgang mit den Menschen war außergewöhnlich und wird immer in Erinnerung bleiben», sagte Sport-Geschäftsführer Olaf Rebbe über Rapp. Die Trennung falle den Verantwortlichen sehr schwer. Denn «Marcel hat mit seinem Team in den vergangenen viereinhalb Jahren KSV-Geschichte geschrieben.» 

Der 46 Jahre alte Rapp hatte die Kieler im Oktober 2021 als Nachfolger von Ole Werner übernommen. Zum Abschied machte er deutlich, dass er seine Arbeit dort gerne fortgesetzt hätte.

Trainer wäre gerne geblieben

«Wir haben in den vergangenen Jahren gemeinsam eine klare sportliche Identität entwickelt, Strukturen aufgebaut und mit dem Aufstieg in die Bundesliga Vereinsgeschichte geschrieben», sagte er. «Ich bin überzeugt, dass wir die sportlichen Herausforderungen gemeinsam erfolgreich gemeistert und die Saison stabil gestaltet hätten.»

Aber: «Ich respektiere die Entscheidung des Vereins und gehe meinen Weg mit voller Energie weiter», so Rapp. «Ich blicke mit großer Dankbarkeit und ebenso großer Überzeugung auf meine Zeit bei Holstein Kiel zurück.»

Seine Zeit in Kiel wird immer mit dem 11. Mai 2024 in Verbindung gebracht werden. Da feierten die «Störche» durch ein 1:1 gegen den direkten Konkurrenten Fortuna Düsseldorf den Aufstieg in die Bundesliga.

Dort gelangen dem Neuling einige Achtungserfolge wie ein 4:2 gegen Borussia Dortmund oder ein 2:2 beim damals noch amtierenden deutschen Meister Bayer Leverkusen. Doch am Ende stand der Abstieg schon vor dem letzten Spieltag fest.

Fehler bei der Kaderplanung

Rapp war in Kiel lange Zeit als Entwickler junger Talente wie Tom Rothe (jetzt Union Berlin) oder Nicolai Remberg (jetzt Hamburger SV) erfolgreich. Doch ausgerechnet nach dem Bundesliga-Aufstieg verließ den Verein das Gespür bei der Personalauswahl.

Die meisten Neuzugänge halfen den Kielern in der ersten Liga nicht weiter. Und auch nach dem erneuten Umbruch nach dem Wiederabstieg passte die Kaderzusammenstellung nicht. Vieles ist auf Entwicklung und Perspektive ausgerichtet - aber nicht auf den harten Zweitliga-Abstiegskampf.

Rapp sieht das anders. «Nach dem Umbruch im Sommer befanden wir uns in einem anspruchsvollen, aber aus meiner Sicht sehr gut geplanten Entwicklungsprozess», sagte er. Es gibt aber auch warnende Beispiele: Zuletzt war Arminia Bielefeld 2023 direkt aus dem Oberhaus in die 3. Liga durchgereicht worden. Das soll Tim Walter in Kiel nun verhindern.