Offizieller Besuch

Hygge als Superkraft: Wie die Minderheit die Freundschaft mit dem Bundesaußenminister pflegt

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Hinrich Jürgensen (l.) und Uwe Jessen begrüßen Johann Wadephul vor dem BDN-Sekretariat in Kopenhagen.

Johann Wadephuls Antrittsbesuch in Kopenhagen dauerte nur wenige Stunden. Dabei widmete er der Minderheit mehr Zeit als seinem Amtskollegen Lars Løkke Rasmussen. Die Begegnung war ein persönlicher Wunsch von ihm.

Der Widerschein des Blaulichts kündigt es bereits an: Es kommt an diesem Donnerstag ein Besuch, wie man ihn in dem beschaulichen Viertel hinter dem Königlichen Theater in Kopenhagen nur selten erlebt.

Kurz darauf: Zwei Polizeimotorräder rollen die Peder Skramsgade entlang und sichern die Kreuzung ab. Danach kommt ein weiteres Polizeimotorrad, gefolgt von vier Autos mit abgedunkelten Fenstern.

Das vorderste Auto bleibt direkt vor dem Sekretariat des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) stehen. Zwei Frauen vom Personenschutz steigen aus dem Auto dahinter aus und öffnen Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) die Autotür.

Wadephul
Großer Bahnhof beim BDN-Sekretariat in Kopenhagen

„Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, die Minderheit zu besuchen“, wird er unmittelbar vor Beginn der Sitzung dem „Nordschleswiger“ sagen.

Platz für den BDN im vollen Terminkalender des Ministers

Wadephul ist zum Antrittsbesuch in Dänemark. Vor dem BDN standen Europaministerin Marie Bjerre (Venstre) und Außenminister Lars Løkke Rasmussen (Moderate) auf dem Programm. Am Vormittag hatte er Estland besucht, ist erst um 16 Uhr in Kopenhagen eingetroffen.

„Ich rechne ihm hoch an, dass er den Besuch hier im Sekretariat in seinem vollgepackten Terminkalender untergebracht hat“, resümiert der BDN-Vorsitzende Hinrich Jürgensen nach dem Treffen.

Bevor er resümieren kann, muss er den Gast aus Berlin jedoch zunächst erst einmal begrüßen. Und die Begrüßung fällt mit „Moin“ und einer Umarmung ausgesprochen herzlich aus. Man kennt sich. Der neue Bundesaußenminister stammt aus Husum. Der Kontakt zur dänischen Minderheit gehört zu seinem Alltag.

„Ich kenne auch seit langem Hinrich Jürgensen und viele Menschen aus der deutschen Minderheit in Dänemark“, sagt er als er bereits am Sitzungstisch sitzt.

Vor ihm lockt Smørrebrød – sorgfältig ausgewählt vom Leiter des Kopenhagener Sekretariats, Harro Hallmann. Es ist bereits Abend. Viel Zeit zum Essen hat der Minister an diesem Tag bislang nicht gehabt. Nachdem die Tür zum Sitzungsraum geschlossen wird, dringen weiterhin muntere Stimmen nach draußen.

„Die gelassene Stimmung bedeutet viel. Es ist unser Image, dass wir gemütlich die dänische ‚Hygge‘ pflegen, aber dennoch die Dinge auf den Punkt bringen“, sagt Jürgensen.

Die Minderheiten sind ein ganz großer Schatz, den wir bewahren müssen.

Hygge mit klarem Ziel

Hallmann spricht als Hausherr als Erster. Er erzählt von dem typisch dänischen Smørrebrød – und davon, wie Starkoch Adam Aamann es erneuert hat. Er serviert das Edel-Smørrebrød in einer Miniausgabe, damit die Gäste aus Berlin möglichst viele der neun Sorten kosten können.

Auch der Schnaps ist mit Bedacht ausgesucht. Er stammt zwar nicht aus Nordschleswig, aber „Petra und Jan aus Hadersleben“ haben die Zutaten gesammelt. Bei der ‚Hygge‘, die die BDN-Spitze den Gästen aus Deutschland serviert, ist nichts dem Zufall überlassen.

Die Worte, die Jürgensen im Anschluss an Hallmanns spricht, sind ebenso sorgfältig ausgesucht wie Speis und Trank. Der Ton bleibt locker, aber es geht um wichtige Anliegen der Minderheit. Bei Wadephul stößt der BDN-Chef auf offene Ohren.

„Die Minderheiten sind ein ganz großer Schatz, den wir bewahren müssen. Konkret möchte ich mich für die deutsche Minderheit in Dänemark einsetzen“, so der Außenminister.

Katharina Kley vertritt die Jugend

Nicht nur der hört den Anliegen des BDN zu, sondern auch die Bundestagsabgeordneten Jeanne Dillschneider (Grüne) und Sandra Carstensen (CDU). Aufseiten der Minderheit ist auch die ehemalige Vorsitzende der Jungen Spitzen, Katharina Kley, dabei.

„Ich habe einen kleinen Einblick gegeben, was es bedeutet, als junger Mensch in der Minderheit aufzuwachsen und was für ein riesiges Geschenk das ist“, sagt sie nachher.

Sie berichtet auch, wie es ist, die deutschen Schulen zu besuchen. Und damit schafft sie auch den Übergang zum ernsteren Teil der Veranstaltung.

„Wir haben nicht nur Smørrebrød gegessen, sondern auch über die finanziellen Herausforderungen gesprochen“, sagt BDN-Generalsekretär Uwe Jessen.

Fehlende Gelder aus Berlin

Eine der großen Herausforderungen ist, dass erhoffte Mittel aus der Bundesrepublik ausbleiben. Während der dänische Anteil der Finanzierung des BDN steigt, sinkt der Anteil aus dem Bund.

„Die Schieflage bei der Finanzierung haben wir offen und deutlich angesprochen“, ergänzt Hinrich Jürgensen.

Konkret betrifft das unter anderem das Campus-Projekt beim Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN). Ende des Jahres können die Schülerinnen und Schüler zwei neue Klassenräume nutzen, weil Dänemark seinen Teil geleistet hat.

Die notwendige Sanierung des Internats ist jedoch ungewiss, weil Berlin bislang keine Mittel dafür locker gemacht hat. Jürgensen hofft, zwei Fürsprecherinnen und einen Fürsprecher für dieses Anliegen gewonnen zu haben. Und dafür zahlt es sich dann auch aus, Smørrebrød von „Aamanns“ zu servieren.

„Die Abgeordneten und der Minister bekommen ja täglich unzählige Briefe von Leuten, die etwas von ihnen wollen. Nach so einem gemütlichen Zusammensein haben wir schon einmal den Fuß in der Tür“, beschreibt Jessen das Rezept des BDN.

Wadephul als möglicher Festredner beim Deutschen Tag

Hygge als Superkraft der Minderheit also. „Als Außenminister hat Johann Wadephul natürlich Einfluss in der Regierung und auch die beiden Angeordneten haben sehr aufmerksam zugehört“, sagt Jürgensen.

Es war ein persönliches Anliegen des Ministers, bei seinem Antrittsbesuch auch mit der Minderheit zu sprechen. Die Gespräche bei Bjerre und Løkke dauerten jeweils eine Stunde. Im BDN-Sekretariat verbrachte er eineinhalb. Und er hat vor, auch weiterhin Zeit und Energie für die Minderheit zu verwenden.

„Ich würde gerne beim Deutschen Tag vorbeikommen, denn ich möchte gerne an dem kulturellen Leben in Dänemark teilhaben“, sagt er.

In diesem Jahr geht sich das nicht aus, doch Wadephul hofft auf das kommende.

Wadephul
Ziu sehen sind (v.l.): Markus Bollmohr (Gesandter an der deutschen Botschaft), Jeanne Dillschneider (Bundestagsabgeordnete), Katharina Kley (deutsche Minderheit), Uwe Jessen (BDN-Generalsekretär), Anke Meyer (deutsche Botschafterin), Hinrich Jürgensen (BDN-Vorsitzender), Johann Wadephul (Bundesaußenminister), Sandra Carstensen (Bundestagsabgeordnete) und Harro Hallmann (BDN-Sekretariats-Chef).