Deutsche Minderheit

Bunker, Baracken und Begegnungen: Zeitreise auf Röm

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Die Teilnehmenden inspizierten mehrere Bunker in Tvismark auf Röm.

Die Spuren des Zweiten Weltkriegs sind auf Röm noch heute sicht- und spürbar. 27 Interessierte folgten dem BDN-Ortsverein 6240 auf eine spannende Exkursion in die militärische Vergangenheit der Insel. Zwischen versteckten Bunkern, historischen Laufgräben und überraschenden Geschichten über Menschlichkeit im Krieg bot die Tour eindrucksvolle Einblicke in eine oft vergessene Seite der Inselgeschichte.

Eine spannende Exkursion zu Röms Unterwelt haben 27 Teilnehmende in der Regie des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) Ortsverein 6240 unternommen.

Nachdem die Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg bei einer Wanderung im vergangenen Jahr von außen in Augenschein genommen worden waren, war die Zeit nun reif dafür, mit einer Naturführerin in Röms Geschichte während des Zweiten Weltkriegs einzutauchen.

Auf dem Parkplatz auf dem Weg nach Lakolk erfuhr die interessierte Schar, dass auf der Nordseeinsel noch 51 von 52 Bunkern existieren. Die Befestigungsanlagen wurden im Zuge des Atlantikwalls, der großen Verteidigungsanlage gen Westen, von der deutschen Besatzungsmacht errichtet.

Eine Invasion wurde auf Röm nicht befürchtet

Im Bereich von Esbjerg und Fanø wurden etwa 1.000, der landesweit 8.000 Bunker gebaut, da man dort eine Invasion befürchtete. Die Gefahr, dass die Feinde an Land gehen würden, bestand nicht entsprechend auf Röm.

Als strategischer Funkstandort war dort eine große Fernmeldestation mit 14 Radaren angesiedelt. Zudem spielten der Gezeitenstrom eine Rolle und die Tatsache, dass es damals noch keinen Damm vom Festland auf die Insel gab.

Das große Auge Richtung Westen

Die Bunker, die unter Leitung des Naturcenters Tønnisgaard für die Öffentlichkeit zugänglich sind, liegen in der Tvismarker Plantage.

Die Naturführerin erläuterte, dass Röm als das große Auge Richtung Westen zur sogenannten „Sahne“-Front gehörte. Dort hätten sich während des Kriegs keine wilden Geschichten ereignet.

Und während die BDN-Truppe durch die Plantage bei Tvismark streifte, erfuhr sie, dass sich die Landschaft in den Kriegsjahren offener präsentierte. Da waren die nach dem Ersten Weltkrieg gepflanzten Bäume nur kniehoch.

Im Tvismarker Gehölz sind auch die 1 Meter tiefen Laufgräben zu sehen. Diese Verbindungswege zwischen den Bunkern zogen sich durch die Landschaft.

Schneller Bau trotz logistischer Herausforderungen

Unter Tage: Die Teilnehmenden waren mit Taschenlampen ausgerüstet, und die Naturführerin sorgte für zusätzliche mobile Beleuchtung.

Um von ihrem Zweck abzulenken, waren die Bunker teils als Sommerhäuser ausgeschmückt. Die jungen Soldaten wohnten in Holzbaracken. Beschlüsse wurden auf Röm keine gefasst. Die Informationen wurden dort gesammelt und dann weitergeschickt.

Großes Erstaunen löste die Aussage aus, dass der Bau eines Bunkers durch Handkraft nur zwei Tage dauerte. Dies war auf ein Regelbau-System zurückzuführen, so die Naturführerin, während sie in einem Bunker die Aufmerksamkeit auf die noch sichtbaren Verschalungsbretter lenkte.

Dabei war der Transport des Baumaterials vom Festland aus keine einfache Sache. Das erfolgte von Ballum aus mit dem Schiff nach Kongsmark. Auf der Insel ging es mit von Pferden gezogenen Wagen weiter, und das letzte Stück wurde mit Schubkarren bewerkstelligt. Der feinkörnige Sand auf der Insel eignete sich nicht als Baumaterial.

Aus dem dunklen Gewölbe ging es hinaus ins helle Tageslicht.

Harte Arbeit mit Geld als Lockmittel

„Es handelte sich um harte Arbeit. Die Menschen wurden zum Bau von Bunkern aufgefordert. Wenn Sozialhilfeempfangende ablehnten, gab es kein Geld“, so die Naturvermittlerin.

Die Bezahlung wurde als Lockmittel für die Arbeitskräfte eingesetzt. Beim Bau von Bunkern gab es sechsmal so viel Lohn, wie beim Bau des Damms, der zeitgleich lief. Dieser dauerte acht statt der angestrebten vier Jahre.

Die Teilnehmenden erfuhren, dass es vor allem ganz junge, alte und verletzte Soldaten auf Röm im Einsatz waren. Das Leben auf der Insel war damals nicht in Schwarz oder Weiß.

Der Bunker in der Nähe der Grenze zur früheren militärischen Sperrzone ist während eines Waldbrandes gekippt.

Es gab Raum für viele Farbtöne und für Menschlichkeit. Es gibt überlieferte Geschichten, wie sich die Inselbevölkerung um die Soldaten kümmerte.

Ein verstecktes Dasein

Sprengungsversuche nach dem Krieg missglückten an der Stabilität der Bauwerke. Daher fristeten sie bis Mitte der 1980er-Jahre ein zugedecktes Dasein.

Als sie auf jugendliches Entdeckerinteresse stießen, folgte die offizielle Erfassung. In einem der Festungsbauten wurde eine nicht detonierte Mine gefunden.

Der Mammut-Bunker wurde 1990 geöffnet. Viele Bunker liegen in Tvismark und weitere in Lakolk, wo einige Sommerhausbesitzende sie als Weinkeller nutzen. Es gibt auch einige in Kongsmark in der Nähe des Naturcenters Tønnisgård.

Die Naturführerin erzählte so manche Anekdote.

Spuren des Krieges sind auch auf dem Insel-Friedhof nachlesbar. Gräber zeugen davon, dass englische Flieger abgestürzt seien und Soldaten von verschiedenen Nationalitäten an Land gespült wurden.

Überlieferte Erzählungen

Ein guter Ausblick

Die Naturführerin erläuterte, dass auch Bomben auf Röm geworfen wurden. Es jedoch keine Verletzten gab. Im Volksmund gibt es drei Versionen einer Geschichte, die zum Schmunzeln verleiteten.

Generell ging es den Menschen auf Röm gut, da sie durch die Landwirtschaft versorgt waren. Die Soldaten luden auch einige aus der Lokalbevölkerung ins Kino ein. Sie wurden mit verbundenen Augen ins Barackengebiet herein- und herausgefahren, um keine Geheimnisse preisgeben zu können.

„Es gab natürlich auch Widerstand auf verschiedene, ausgeklügelte Weise. Aber es war wohl auch Liebe im Spiel“, so die Naturführerin bezüglich des Verhältnisses zwischen der Inselbewohnerschaft und den deutschen Soldaten.

Das Relikt – das Birgit Ehlert hält – wanderte von Hand zu Hand.

Angriffslustige Insekten

Die BDN-Vorsitzende Connie Meyhoff Thaysen bei dem Einstieg in einen Bunker, wo man sich rückwärts hineinrobben musste.

Ausgerüstet mit vielen aufschlussreichen Informationen, die auf tolle Art präsentiert wurden, ließen die Wandersleute nach der Besichtigungsrunde den Abend in gemütlicher Runde mit Sandwiches ausklingen. Ein Dank ging an das Verpflegungsteam.

Feindliche Attacken gab es an diesem schönen und friedlichen Sommerabend ausschließlich durch die angriffslustigen Mücken.