Deutsche Minderheit

Wegen Austritt aus dem Sozialdienst: Nach 60 Jahren zieht Erika Hallmann Konsequenzen

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Erika Hallmann, hier mit ihrem Mann Dieter, ist nach 60 Jahren aus dem Frauenverein Hadersleben ausgetreten (Archivbild).

Der Austritt des Haderslebener Frauenvereins aus dem Sozialdienst für Nordschleswig sorgt für Gesprächsstoff in der deutschen Minderheit. Aber nicht nur das. Erika Hallmann ist wegen des Austritts auch ausgetreten – aus dem Frauenverein.

Eine beeindruckende Zeitspanne war Erika Hallmann Mitglied im Haderslebener Frauenverein: Ihren Worten nach 60 Jahre lang. Nun ist sie ausgetreten. „Ich habe dort viele gute Erlebnisse gehabt, das darf man nicht vergessen“, sagt sie.

Doch mit dem Austritt des Vereins aus dem Sozialdienst hat sie ihre Mitgliedschaft beendet. In ihren Augen wendet sich ihr ehemaliger Verein von der deutschen Minderheit ab. „Da habe ich die Konsequenzen gezogen“, sagt sie. Erika Hallmann bedauert die Entscheidung des Vorstandes, „und ich weiß auch nicht, warum die Entscheidung getroffen wurde“, sagt sie. Der Beitrag an den Sozialdienst, der könne es nicht sein, wundert sie sich.

Von ihrem Mann, der an der Generalversammlung teilnahm, habe sie erfahren, dass der Austritt nur am Rande, am Ende des Berichtes der Vorsitzenden, erwähnt wurde, so die 88-Jährige, die darauf hinweist, dass die Mitglieder des Frauenvereins die Unterstützung durch die Beraterinnen des Sozialdienstes verlieren.

Ortsvorsitzende: Es wird Gründe geben, aber zusammen stärker

Sabina Wittkop-Hansen, die als Vorsitzende des Ortsvereins des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) von dem Austritt erfahren hat, hält diesen für zu kurz gedacht. „Zusammen ist man immer stärker“, sagt sie. Die Zusammenarbeit in der Minderheit, über Verbands- oder Vereinsgrenzen hinweg, sei doch das Schöne, resümiert sie.

Warum der Frauenverein dem Sozialdienst Lebewohl gesagt hat, weiß auch sie nicht. Doch sie ist sich sicher, dass der Vorstand Gründe gehabt haben wird.

Dabei gibt sie jedoch zu bedenken: „Selbst, wenn man das Angebot des Sozialdienstes nicht nutzen sollte, kann man das doch in Zukunft tun.“

Sabina Wittkop-Hansen befürchtet eine Schwächung des deutsch-dänischen Zusammenlebens, weil ihrer Wahrnehmung nach im Frauenverein auch einige Menschen aus der Mehrheitsbevölkerung mitmachen und nun ohne Sozialdienst die Verbindung zwischen Deutschen und Dänen geschwächt werden könnte. Ihr zufolge wird der Austritt nun auch beide hiesigen BDN-Ortsvereine beeinflussen. „Wir stehen vor Herausforderungen. Wir denken darüber nach, eine soziale Komponente hinzuzufügen.“ Dabei beabsichtigt sie, mit dem Sozialdienst zusammenzuarbeiten.

Petersen: Beitrag wird es wohl nicht sein

Dort, im Sozialdienst für Nordschleswig, kennt Ursula Petersen, Leiterin des Sozialdienstes, weiterhin den Grund oder die Gründe des Austritts nach eigener Aussage nicht. Dem Schreiben des Vereins, an sie adressiert, konnte sie nach eigener Aussage entnehmen, dass dieser Austritt nach einstimmigem Beschluss des Vorstandes getroffen wurde.

Wenn sie sich die anderen Satzungen der Ortsvereine ins Gedächtnis ruft, wird ihrer Erinnerung nach offengelassen, wie ein Austritt vollzogen wird. Sprich: Mit Einbezug der Mitglieder auf einer Generalversammlung oder nicht. Ursula Petersen setzt nach eigenem Dafürhalten zumindest ein Fragezeichen an einen derartigen Beschluss ohne Einbezug der Mitglieder. „Wir haben keine Verträge mit den Ortsvereinen geschlossen“, sagt sie. Um viel Geld gehe es auch nicht. Der Beitrag an den Sozialdienst sei mit 15 Kronen im Jahr pro Person niedrig.