Deutsche Minderheit

Neu im Amt: Worauf sich Pastorin Bettina Sender besonders freut

Neu im Amt: Worauf sich Pastorin Bettina Sender besonders freut

Worauf sich Pastorin Bettina Sender besonders freut

Hadersleben/Haderslev
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Die neue Pastorin Bettina Sender ist ab dem 1. Januar im Amt. Foto: Ute Levisen

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Ende November kam endlich die lang ersehnte Nachricht: Der deutsche Teil der Domgemeinde bekommt eine neue Pastorin. Doch wer ist die Frau, die ab Januar ihre Gemeinde in Toerstrup verlässt, um ihr neues Leben in Hadersleben zu beginnen? „Der Nordschleswiger“ traf die Geistliche zum Interview an ihrem neuen Arbeitsplatz: der Domkirche.

Die Umzugskoffer sind gepackt, der letzte Adventsgottesdienst ist gehalten, und auch das Pastorenhaus in ihrer alten Gemeinde fast leer geräumt: Die neue Pastorin Bettina Sender ist bereit, nach Hadersleben zu kommen.

Für ein Interview mit dem „Nordschleswiger“ hat sich die Geistliche bereits vorab schon einmal ins Auto gesetzt, um in die Domstadt zu kommen. Die Fahrt beträgt nur 45 Minuten, doch für Sender beginnt hier, nördlich der Grenze, ein ganz neues Leben. 

Ankommen in der Domkirche. Ab dem 1. Januar wird das Bettina Senders Arbeitsplatz sein. Foto: Ute Levisen

Es ist nicht ihr erster Besuch in Hadersleben, doch der erste, bei dem es feststeht: Sie wird hierherziehen.  

Im Gepäck hat sie ihren Ehemann Gerhard, der sie – erst mal nur zeitweise – nach Dänemark begleiten wird. Doch die Verwurzelung nach Dänemark ist viel tiefer, als der Umzug zunächst vermuten lässt: „Ich bin zwar in Flensburg groß geworden, aber meine Familie, ich bin eine geborene Asmussen, kommt eigentlich aus Nordschleswig und als es 1920 die Grenzziehung gab, hat sich die Familie geteilt. Und so kommt ein Teil der Familie jetzt, geografisch gesehen, aus Nordschleswig. Leider habe ich bisher nicht gelernt, Dänisch zu sprechen. Der Klang ist mir aber vertraut und ich übe schon“, erzählt die Pastorin.

Dänemark war für die Familie Sender schon immer ein Zufluchtsort – in vielerlei Hinsicht: „Meine Familie und ich haben Dänemark immer gemocht. Mein Mann auch, obwohl er gar nicht hier aus dem Norden stammt. Das war schon immer solch ein Grundgefühl. Und auch die Informationen, die wir von Verwandten und auch aus der Minderheit bekommen, das hat uns schon immer gereizt. Und im Gegensatz zu mir sind bereits drei von meinen vier Kindern hier in Dänemark ansässig gewesen“, so die Südschleswigerin.


 

Die neue Pastorin wird mit ihrem Mann Gerhard nach Hadersleben ziehen. Dieser wird aber erst einmal hin und her pendeln. Foto: Ute Levisen

Tief verwurzelt in Nordschleswig 

„Unser ältester Sohn hat erst in Tingleff die Efterskolen (die deutsche Nachschule, Red.) besucht und war dann in Apenrade auf dem deutschen Gymnasium“, erzählt Bettina Sender. Die Nähe zur deutschen Minderheit hat der Familie gefallen: „Ich fand es so toll, es damals auch noch mal anders zu erleben, also nicht nur auf verwandtschaftlicher Ebene. Die Arbeit mit den Kindern, die Hälfte der Schülerinnen und Schüler war Dänisch, die anderen deutsch, das Zusammenbringen ist einfach großartig. Und ich finde auch dieses Motto dahinter: das Beste aus zwei Kulturen.“ 

Und zwei weitere Kinder zog es in den Norden: „Unser jüngster Sohn, also unser drittes Kind, lebt derzeit in Kopenhagen und studiert dort. Und unser ältester Sohn ist zwar bereits durch mit seinem Studium; dieses hat er aber in Sonderburg und in Odense absolviert“, erzählt Sender.

„Unsere älteste Tochter hat erst in Tingleff die Nachschule besucht und war dann in Apenrade am Deutschen Gymnasium“, erzählt Bettina Sender.

Als dann die Stellenausschreibung aus Hadersleben in ihr E-Mail-Postfach flatterte, war sie recht schnell interessiert: „Ich hatte gar nicht akut nach einer neuen Stelle geschaut. Ich habe eigentlich nur durch die Mail aus der Bischofskanzlei in Schleswig, die mit Torben Hjul Andersen, Marianne Christiansen, Piet Schwarzenberger und Claes Fuglsang zusammen aufgesetzt wurde, um Interesse zu wecken, von der Stelle erfahren. Die Ausschreibung war so gut gemacht, dass ich gedacht habe: Das ist interessant, das müssen wir uns mal ansehen.“

 

Das Interesse an der neuen Pastorin ist groß. Foto: Ute Levisen

Bettina Sender ist begeistert vom neuen Aufgabenbereich 

Gesagt, getan – die Geistliche schaute sich zusammen mit ihrem Ehemann die Domstadt an – und war begeistert. Zum ersten Mal war sie aber nicht in der Stadt am Damm: „Ich bin hier aus dem Grenzland und in Flensburg groß geworden, und wir sind mit der Familie öfter über die Grenze gefahren. Natürlich haben wir gelegentlich mal Tagesausflüge gemacht. Und da waren wir auch mal in Hadersleben. Daran habe ich aber nicht mehr so intensive Erinnerungen. Aber ich habe mal einen ganz tollen Urlaub mit meinem Bruder in Nordjütland gemacht, und da sind wir auch in Hadersleben gewesen – daran habe ich tolle Erinnerungen.“

Diese Erinnerung kann die neue Pastorin des deutschen Teils der Domgemeinde ab dem 1. Januar wieder aufleben lassen. Arbeiten und leben zwischen zwei Kulturen – so wie sie sich das gewünscht hat: „Ich finde den Aufgabenbereich so spannend, denn ich bin nicht nur für den deutschen Gemeindeteil zuständig, sondern werde mit der Bischöfin zusammenarbeiten und habe viele deutsch-dänische Aufgaben“, erklärt Sender. Sie wird auch für dänisch-deutsche Konvente mitverantwortlich sein und die Begegnungen der Bischöfinnen und Bischöfe in Nordschleswig und Südschleswig begleiten, wie sie verrät.


Für Bettina Sender, die aus einer eher kleinen Gemeinde in Südschleswig kommt, hält die Domstadt also einiges bereit: „Dass ich im ‚Wittenberg des Nordens‘  landen werde, war mir vorher nicht klar, aber freut mich, als überzeugte Lutheranerin, sehr“ erzählt sie lachend.

 

Das ich im ‚Wittenberg des Nordens‘ landen werde, war mir vorher nicht klar

Bettina Sender

Ein neuer Fellfreund für die Gemeinde 

Der Umzug nach Dänemark wird langsam vonstattengehen, ihr Mann und ihre jüngste Tochter werden Bettina Sender begleiten. Doch beide haben auch noch Verpflichtungen in Deutschland – Ehemann Gerhard engagiert sich ehrenamtlich, und ihre Tochter macht eine Ausbildung in Kappeln.

Deswegen werden sie zunächst pendeln, während die Geistliche es sich in ihrem neuen Zuhause gemütlich machen wird. Eine Umstellung, nach 20 Jahren in der alten Gemeinde und ihrem alten, charakteristischen Pfarrhaus. Doch dass sie die Stelle angenommen hat, das hat sich einfach richtig angefühlt: „Im September, als ich hier im Rahmen der Auswahlgespräche gepredigt habe und das Gespräch mit den Kirchengemeinderäten aus Alt Hadersleben und der Domgemeinde stattgefunden hat, da sind mein Mann und ich anschließend hier in Hadersleben essen gegangen. Am frühen Abend klingelte dann das Handy, und dann kamen die strahlenden Stimmen von Torben, Piet und Claes, die mir mitteilten, dass ich die Stelle „habe“, erinnert sie ich zurück.  Einstimmig gewählt!

Und es gibt da noch jemanden, mit dem Bettina Sender die Domstadt – und Nordschleswig – erkunden möchte: ihrer Hündin Mila. 

Die Labrador-Mix-Hündin wird die Pastorin teilweise auch auf ihrer Arbeit begleiten, wenn alles passt: „Sie ist ein freundlicher, milder Hund“, verrät sie. Durch sie würde sie auch einfach mit Menschen in Kontakt treten: „Man kommt schneller ins Gespräch, wenn ein Hund dabei ist“, findet sie. Ob beim täglichen Spaziergang oder etwa bei Gemeindeaktivitäten: Mila wäre gerne dabei. 

Bettina Senders neuer Arbeitsplatz ist größer als ihr alter in Deutschland. Foto: Ute Levisen

Ab Januar im Amt 

Sie wird auch die Konfirmation im nächsten Jahr übernehmen. Bettina Sender freut sich auf ihren neuen Aufgabenbereich, auch wenn der Abschied aus Südschleswig sehr schwerfällt – nicht nur bei der Pastorin selbst, sondern auch für ihre alte Kirchengemeinde St. Johannes zu Toerstup. 

Denn die Pastorin ist bekannt für ihre gute Gemeindearbeit. Und diese möchte sie auch in Dänemark weiterführen: „Ich möchte zeigen: Kirche, das ist da, wo ich meine Fragen, auch meine Glaubensfragen stellen kann. Aber es ist auch ein Ort, an dem Gemeinschaft stattfindet, eine besondere Form des Zusammenseins.“

Wer nun gespannt auf die neue Pastorin ist, kann sie ab Januar in Hadersleben antreffen. Der Einführungsgottesdienst findet am 7. Januar um 10 Uhr im Dom statt.

Wer nun gespannt auf die neue Pastorin ist, kann sie ab Januar in Hadersleben antreffen. „Der Nordschleswiger“ hat auch mit den Kirchenvertretern Claes Fuglsang und Piet Schwarzenberger über den Einstellungsprozess gesprochen.

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