Jubiläum

SP-Toft: „Der Käfer ist fantastisch als Werbeträger“

SP-Toft: „Der Käfer ist fantastisch als Werbeträger“

SP-Toft: „Der Käfer ist fantastisch als Werbeträger“

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Gösta Toft mit seinem Käfer-Wohnwagen-Oldtimer-Gespann am Strand von Aubek (Aabæk) an der Apenrader Förde Foto: Karin Riggelsen

Die Schleswigsche Partei feierte im August ihren 100. Geburtstag. „Der Nordschleswiger“ bringt eine Reihe von Artikeln über die Partei der deutschen Minderheit. In diesem Teil der Serie widmen wir uns dem Marketing der Partei. Der ehemalige Parteisekretär hat die Geschicke der politischen Vertretung maßgeblich mitgeprägt.

Der Apenrader Gösta Toft hat sich im Mai 2016 von seinem Amt als Sekretär der Schleswigschen Partei (SP) verabschiedet. Während der knapp drei Jahrzehnte, in denen der Diplom-Volkswirt im Amt war, gab es zwei Dinge, die er als besonders wichtig einschätzt für die SP: „Das sind die Vermarktung und die Professionalisierung.“

Gösta Toft ist knapp 30 Jahre hauptberuflich für die Schleswigsche Partei, die im Haus Nordschleswig ihren Sitz hat, tätig gewesen. Foto: Karin Riggelsen

Regionalpartei seit Anbeginn

Die politische Vertretung des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) begeht 2020 ihr 100-jähriges Bestehen. „Die SP war schon immer eine Regionalpartei. Aber sie verkaufte sich nicht so gut als Regionalpartei. Sie war auch schon 1920 oder 1930 Regionalpartei. Dann entstand ein Konflikt zwischen Deutsch und Dänisch. Danach wurde es schwieriger, sich als Gesamtregionalpartei zu verkaufen“, sagt Toft. Die Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges mussten überwunden werden. Erst nachdem man sich geöffnet hatte, gab es, so der pensionierte Parteisekretär, die Möglichkeit, sich besser zu vermarkten als Regionalpartei.

„Aber das musste auf die richtige Art getan werden, und dafür brauchten wir ein professionelles Marketingkonzept“, unterstreicht Gösta Toft. Der damalige Parteisekretär wurde zunächst vom „Atelier für Werbung“, mit Peter Kleinschmidt am Ruder, unterstützt. Später stieß Ib Skjærlund mit seinem Werbebüro „Marketeam“ dazu.

„Ib Skjærlund war für den dänischen Bereich zuständig. Skjærlund konnte das sehr gut einschätzen“, erinnert sich Toft. Peter Kleinschmidt habe die Schleswigsche Partei professionalisiert, was die Vermarktung angehe. „Kleinschmidt hat unter anderem das ,Flügellogo‘ entworfen und die Rezepthefte in Regie von BDN-Kommunikationschef Harro Hallmann mitgeprägt“, erzählt Gösta Toft.

Der ehemalige Parteisekretär ist gebürtiger Sonderburger. Seine Frau Christa und er leben seit 1983 in Apenrade. Foto: Karin Riggelsen

Der erste Sekretär in der Geschichte der Partei

Mit Tofts Anstellung bekam die Schleswigsche Partei, die am 15. August 1920 als Schleswigscher Wählerverein gegründet wurde, 1987 ihren ersten Sekretär. „Ich war der erste Parteisekretär. Davor gab es eine kommunalpolitische Arbeitsgruppe im BDN. Die hat die Initiativen ergriffen, die Wahlen durchgeführt und auch, was damals neu war, zwischen den Wahlen gearbeitet“, erzählt Toft.

Die Arbeitsgruppe war quasi der Vorläufer seiner Arbeitstätigkeit, und die Arbeit hätten Freiwillige geleistet. Er meint, sich zu erinnern, dass die Arbeitsgruppe wohl Anfang der 1980er Jahre gegründet wurde. Vor dieser Zeit war es der BDN, der regelmäßig zu den Wahlen kandidierte unter dem Namen Schleswigsche Partei. Dabei richteten die BDN-Mitarbeiter ihren Fokus auf die Wahlperioden. „Die Stimmen für die SP gingen zurück, und man wollte sich erneuern. Deswegen entschied man sich dafür, einen Parteisekretär einzustellen und die Arbeit professioneller in Angriff zu nehmen“, so Gösta Toft. Die Schleswigsche Partei blieb weiterhin eine Organisation innerhalb des BDN. 1987 wurde ein eigener Vorstand gewählt, und Hans Christian Jepsen übernahm den Vorsitz. Von 1989 bis zu seinem Tod 1992 vertrat Jepsen die Partei im damaligen Amtsrat.

Das blaue „S" auf gelbem Hintergrund ist seit etlichen Jahren das Wahllogo der Schleswigschen Partei. Foto: Karin Riggelsen

Peter Kleinschmidt schuf das „Flügellogo“

Mit dem sogenannten Flügellogo, auch als „die Schwebe“ bekannt, bekam die Partei ihr erstes Logo. „Wir haben das Logo 1987 in Gebrauch genommen. Es war Peter Kleinschmidts Idee. Es sollte die beiden Strömungen und zwei Kulturen symbolisieren, die hier im Grenzland zusammenkommen“, sagt Gösta Toft.

Die Partei benutzte das Logo viele Jahre, auch nachdem ab 2005 das „S“ als Wahllogo angewandt wurde. „Bei den Wahlen hatten wir das SP für Schleswigsche Partei und unser Salz-und-Pfeffer-Logo. Das Wahllogo Salz-und-Pfeffer verwendeten wir bis 2005. Daneben gab es weiterhin auf unserem Briefpapier das Flügellogo. Das haben wir so gehandhabt bis Ruth Candussi 2016 meine Nachfolgerin wurde“, erinnert sich Toft. Die neue SP-Parteisekretärin benutzt inzwischen durchgängig das S-Logo. „Das ist im Prinzip eine Vereinfachung und eine Vereinheitlichung, was auch vollkommen richtig ist“, stellt Toft fest.

Je nachdem welche Botschaft herübergebracht werden sollte, vermittelte man diese in seiner Amtszeit entweder auf Deutsch oder Dänisch. In den Anfangsjahren der Partei, die am 15. August 1920 als Schleswiger Wählerverein aus der Taufe gehoben wurde, seien die beiden Sprachen stärker vermischt worden.

Das sogenannte Flügellogo oder „die Schwebe" ziert unter anderem das Lesezeichen und die Streichholzschachtel (r.). Foto: Karin Riggelsen

Für jede SP-Stimme einen Baum pflanzen

Die Baumaktion „für jede Stimme einen Baum“ wurde 1990 auf Initiative von Ella und Hans Christian Jepsen gestartet. Quer durch Nordschleswig sind dadurch Mischwälder entstanden. „Die Idee zu der Aktion stammt von Ella Jepsen, der Frau von Hans Christian Jepsen. Ich habe die Aktion tatkräftig unterstützt“, so Toft. Er freut sich darüber, dass seine Nachfolgerin an der Idee festhält. Am 14. November konnten weitere 700 Baumsetzlinge auf dem Sportplatz der ehemaligen deutschen Schule in Mölby (Mølby) eingepflanzt werden. Somit kommt die Gesamtzahl der eingepflanzten „SP-Bäume“ auf rund 37.000 Stück.

Gösta Toft (2009) in seinem damaligen Büro im Haus Nordschleswig Foto: Karin Riggelsen (Archiv)

Stimmenzuwachs 2013 und 2017

Die Partei habe sich ins Zeug legen müssen, um die Gunst der Wähler zu bekommen, sagt der ehemalige Parteisekretär. Bei den Kommunalwahlen 2001 und 2005 vereinte die Partei 4.368 bzw. 4.298 Stimmen auf sich. 2009 setzten 5.249 Wähler ihr Kreuz bei der SP. 2013 und 2017 erzielte die Partei einen guten Zuwachs mit 8.620 bzw. 9.708 Stimmen.

2001 bis 2017: Übersicht über die Stimmen, die bei den Wahlen in den Kommunen und bei der Regionratswahl 2017 auf die Schleswigsche Partei entfielen. (Bildschirmfoto) Foto: Schleswigsche Partei

Toft bedauert fehlende Kandidatur 2021

Neben vielen anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten für die deutsche Minderheit nahm sich Toft 2017 die Zeit, bei der Regionratswahl in Süddänemark als SP-Spitzenkandidat anzutreten. Toft und seine Mitstreiter erlangten kein Mandat trotz 5.267 Stimmen. Hätte die Minderheit für eine erneute Kandidatur bei der Regionratswahl 2021 plädiert, hätte Toft sich erneut als Kandidat zur Verfügung gestellt.

„Ich halte es nach wie vor für bedauerlich, dass wir nicht kandidieren. Aber die Mehrheit hat entschieden, und dann muss man das akzeptieren“, erklärt der 69-Jährige. Er ist Vorsitzender des Regionsausschusses der Schleswigschen Partei und sitzt im Vorstand der Partei. Zu seinen Aufgaben zählt unter anderem, Zielsetzungen mit anderen Regionsparteien abzusprechen: „Wir versuchen, auf die anderen Parteien Einfluss zu nehmen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu unterstützen“, erklärt Toft.

Wenngleich er 2020 sein Amt als Vorsitzender des Sozialdienstes für Nordschleswig abgetreten hat, habe er genug zu tun: „Ich langweile mich nicht“, lacht Gösta Toft und erklärt, dass er des Weiteren Vorstandsmitglied der „Pinneberg-Heim-Stiftung“ und Vizepräsident der FUEN (Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten) ist. Gösta Toft steht außerdem dem Minderheitensportverein MTV Apenrade vor.

Simon Stoy, so der Künstlername des gebürtigen Apenraders Simon Toft (Archivfoto) Foto: Simon Says Music

Wahlkampfsongs im südjütischen Dialekt

Simon Toft, einer der beiden Söhne des Ehepaares Toft, verleiht der SP-Politik seit 2005 Rhythmus. Zusammen mit wechselnden Partnern hat er folgende Wahlkampfsongs produziert: „2017 Vi ka æ sproch!“, 2013 „Stem Synnejysk“, 2009 „Det' vos“, 2005 „Sæt X ve æ SP“.

„Mein Sohn hat diese Raps auf ,Synnejysk‘ gemacht, um unsere Partei nach außen hin populärer zu machen für junge Leute. Er hat insgesamt vier Stück produziert. Die Raps waren ein wichtiges Element, um unser ,Synnejysk-Profil‘ zu stärken. Der Slogan ,Vi ka æ sproch‘ beschreibt sehr gut, dass es wichtig ist, ein Teil der Gemeinschaft zu sein, wenn man sich als Regionalpartei verkaufen will“, unterstreicht Gösta Toft. Der Slogan „Vi ka æ sproch!“ sei erst nach seiner Amtszeit gekommen. Laut Toft wird sein Sohn wahrscheinlich nicht aktiv an der Vermarktung der Partei im Wahlkampf 2021 teilnehmen.

„Der VW fährt ganz treu", lobt Gösta Toft seinen Oldtimer. Foto: Karin Riggelsen
Gösta Toft freut sich über „ein Gespann mit viel Werbefläche". Foto: Karin Riggelsen

Ein Gespann mit viel Werbefläche

Das Käfer-Wohnwagen-Oldtimer-Gespann, Baujahr 1964, spielt seit vielen Jahren eine wichtige Rolle in der Vermarktungsstrategie der Schleswigschen Partei. Den Wohnwagen habe Toft Ende 1980 von seinem Vater übernommen. „Ich nehme an, dass er bereits bei der Wahl 1991 eingesetzt wurde. Da hatte ich aber nur den Wohnwagen, und er fuhr nur so mit rum zu den verschiedenen Veranstaltungen“, erinnert sich Gösta Toft.

Mit dem Oldtimer zum Wahlkampf 2021

Um 2005 gelang es ihm, das SP-Gespann komplett zu machen mit dem Kauf eines Volkswagen Käfer. „Meine Frau (Christa Toft, Red.) kriegte nicht ein ordentliches Bücherregal. Dafür kriegte ich den Käfer“, sagt Gösta Toft und lacht. Das Ehepaar kaufte den Käfer, der ursprünglich aus Holsted stammte, bei einem Mechaniker in Ripen (Ribe).

Das Fahrzeug kostete damals 35.000 Kronen. Die Tofts haben im Laufe der Jahre viel Geld reingesteckt in die Renovierung des VWs: „Er wurde grundrenoviert für die Kommunal- und Regionsratswahl 2017. Es ist beschlossen worden, dass er auch bei der Kommunalwahl 2021 eingesetzt wird“, so Gösta Toft. Vorab der Regionalratswahl 2017 fuhren Toft und seine Wahlhelfer mit dem Käfer durch Südjütland, um Wahlplakate anzubringen. Das Gespann wird auch zwischen den Wahlen eingesetzt.

Der VW fährt ganz treu. Er startet eigentlich immer, aber er muss auch gut gepflegt werden, und er ist fantastisch als Werbeträger

Gösta Toft Vorsitzender Regionsausschuss der SP

„Der VW fährt ganz treu. Er startet eigentlich immer, aber er muss auch gut gepflegt werden, und er ist fantastisch als Werbeträger“, unterstreicht Gösta Toft. Ganz viele Leute haben Erfahrung mit dem Käfer gemacht - entweder als Kinder oder sie haben selber einen gehabt.

„Er ist ein guter Kommunikator. Das weiß ich mit 100-prozentiger Sicherheit. Ich freue mich auch darüber, dass er noch eine gute Funktion hat. Er ist nicht nur ein Oldtimer, sondern auch aktiv im Wahlkampf.“

Bei ihm weckt das Auto, das er auch privat nutzt, auch ein bisschen Erinnerung an die Studentenzeit in Kiel, wo er Käfer fuhr. „Ich habe mehrere Käfer gehabt. Die waren aber nicht so gut in Schuss wie der jetzige. Das Gespann hat viel Werbefläche, und die nutzen wir gut für die Schleswigsche Partei.“

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