Deutsche Minderheit

Internat des DGN: Zwischen Gemeinschaft und maroden Fenstern

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Die Schülerin Ida Grube und der Schüler Lauritz Hindrichsen Kley wohnen gerne im Internat. Von außen finden sie das Gebäude nicht sehr ansehnlich.

Die große Version des Campus Apenrade ist vorerst vom Tisch. Doch das Internat vom DGN soll trotzdem ausgebaut und saniert werden. Lauritz Hindrichsen Kley und Ida Grube gefällt das Leben dort. Was sie stört und warum sie sich die Sanierung wünschen.

Dass am Internat des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (DGN) in Apenrade Investitionsbedarf besteht, ist kein Geheimnis. Laut Rektor Jens Mittag bestehe an vielen Stellen Handlungsbedarf. Zum Beispiel müsse das Dach repariert werden, über welches Feuchtigkeit eindringe, oder die Heizungsrohre ausgetauscht werden.

Das Großprojekt Campus Apenrade sollte diese Probleme lösen. Durch die schwierige Haushaltslage in Deutschland sind die Gesamtpläne für das 140-Millionen-Kronen-Projekt aber vorerst auf Eis gelegt. Stattdessen hat der BDN als Alternative Sanierungspläne samt Anbau für das Internat in der Hinterhand – und hält trotzdem am Campus-Gedanken fest.

„Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Im Internat muss etwas passieren, und es wird auch etwas Vernünftiges passieren“, so Jens Mittag

Sozialleben besser als an anderen Schulen

Insgesamt 81 Schülerinnen und Schüler leben im Internat. Davon um die 50 im Hauptgebäude und der Rest, aus Platzgründen, aufgeteilt auf angemietete Wohnungen. Zwei von ihnen sind Ida Grube und Lauritz Hindrichsen Kley. Grundsätzlich gefällt ihnen das Leben im Internat sehr gut:

„Das Internat hilft sehr viel beim Sozialleben hier und auch am DGN“, sagt Lauritz Kley. So funktioniere das Sozialleben am DGN besser als auf dänischen Schulen, findet Kley. Ohne das Internat wäre das nicht so.

„Durch das Internat findet man leichter Anschluss und kennt schon einige Leute“, ergänzt Ida Grube.

Hilfreich ist hierbei auch, dass fast alle Internatsbewohnerinnen und -bewohner in Doppelzimmern untergebracht sind. Lauritz Kley lernte seinen Mitbewohner erst hier im Internat kennen. Ida Grube gab vorher einen Wunsch ab, mit welcher Person sie sich gerne ein Zimmer teilen würde. Das sei dann auch kein Problem gewesen.

Durch gemeinsame Events, wie kleine Ausflüge oder Internatsfeiern, wird das Internatsleben zusätzlich interessanter. Solche „Inter-Feiern“, wie sie von den Bewohnerinnen und Bewohnern genannt werden, finden meist im Gemeinschaftsraum statt, in denen die Schülerinnen und Schüler auch sonst ihre Freizeit verbringen können.

In den Zimmern des Internats wohnen in der Regel immer zwei Schüler oder zwei Schülerinnen zusammen.

Die direkte Nähe des Internats zur Schule ist für die Schülerinnen und Schüler ein echter Gewinn. Lauritz Kley kommt eigentlich aus Hadersleben (Haderslev) und Ida Grube aus Flensburg. Anstatt frühmorgens aufzustehen und mit dem Bus rechtzeitig zur Schule zu fahren, können sie bis wenige Minuten vor Schulbeginn in ihren Zimmern sein.

Nicht alles ist perfekt

Im Gemeinschaftsraum des Internats können die Schülerinnen und Schüler ihre Freizeit verbringen.

Trotzdem gibt es Dinge, die Grube und Kley weniger gut gefallen. In den Gemeinschaftsbädern des Internats gebe es beispielsweise gute und schlechte Duschen: „Ich gehe meistens in die gute Dusche“, erzählt Lauritz Kley lachend.

Bei den „schlechten“ Duschen, lasse sich die Temperatur nicht einstellen. Noch mehr störe ihn aber das Geräusch, erzählt Kley, als er eine der Duschen einschaltet und die Dusche unter lautem Getöse ihre Arbeit aufnimmt.

Als nach ein paar Sekunden das Geräusch noch einmal lauter wird, reagiert Kley fast ein wenig resigniert. Jetzt gehe sie erst einmal nicht mehr aus, sagt er. Nach kurzem Warten und ein wenig Herumgedrücke lässt sich die Dusche dann aber doch überreden. Eigene Bäder und bessere Duschen würden sich die Jugendlichen in jedem Fall wünschen.

Zugige Fenster und schlechte Schallisolierung

Auch an ein paar anderen Dingen stören sie sich. Das Internatsgebäude sehe von außen nicht besonders schön aus. Außerdem werde es schnell kalt in den Zimmern: „Die Fenster sind vielleicht nicht mehr so dicht“, sagt Grube.

Das Internat sei auch sehr hellhörig, ergänzt Kley. „Man hört wirklich alles.“ Das sei ein Problem, wenn eine Person mal länger wach bleibe als andere.

Ida Grube spielt auch mit dem Gedanken, im nächsten Jahr in eine Wohnung oder Ähnliches umzuziehen. Da sie es dann doch schöner fände, ein eigenes Bad zu haben und auch die ständige Lautstärke sei ein Störfaktor.

Fest steht für die beiden aber, dass sie sich im Internat sehr wohlfühlen. Vieles hier sei schlicht Gewöhnungssache, erzählen sie. Von den Sanierungsplänen versprechen sich Kley und Grube trotzdem viel. Auch, weil das gut für das Image der Schule ist und helfen könnte, noch mehr junge Menschen für das Internatsleben und das DGN zu begeistern.

Geld für Neu- und Umbau

Der Bund Deutscher Nordschleswiger, der Dachverband der deutschen Minderheit in Nordschleswig, hat auf seiner jüngsten Sitzung im Hauptvorstand einen Internats-Neu- und Umbau in die Investitionsplanung für 2026 aufgenommen und dafür eine vorläufige Finanzierung angesetzt.