Deutsche Minderheit

Rückschlag für Campus Apenrade: Minderheit muss umplanen

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Deutschen Gymnasium für Nordschleswig
Das DGN soll erweitert und saniert werden, um zukünftigen Anforderungen zu entsprechen.

Die deutsche Minderheit muss ihr Campus-Projekt in Apenrade auf die lange Bank schieben. Grund dafür ist, dass die Bundesregierung in ihrem Haushaltsentwurf weniger Geld veranschlagt, als zunächst erhofft. Auch die vorgezogene Bundestagswahl nach dem Bruch der Ampel-Koalition in Berlin sorgt für Unsicherheiten bei der Finanzplanung. Der Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger hat nun eine Idee für ein kleineres Projekt.

Die Haushaltslage für die kommenden Jahre ist ungewiss, der Investitionsbedarf in der deutschen Minderheit ist mit 32,5 Millionen Euro weiterhin hoch, und so wird der Bund Deutscher Nordschleswiger den Gürtel enger schnallen müssen. Das geplante Großprojekt Campus Apenrade wird dieser Konstellation vorerst zum Opfer fallen und wohl kleiner ausfallen. Das wurde am Montagabend auf der BDN-Hauptvorstandssitzung im Haus Nordschleswig deutlich.

Weniger investive Mittel und große Unsicherheiten

Für das kommende Jahr plant der Bund Deutscher Nordschleswiger mit 11,236 Millionen Euro (83,8 Mio. Kronen) sogar 195.000 Euro (1,45 Mio. Kronen) mehr aus Berlin ein. Grund sind höhere Personalkosten. Allerdings wird es die beantragten investiven Mittel in Höhe von 1,514 Millionen Euro (11,4 Mio. Kronen) nicht geben, in denen 500.000 Euro (3,72 Mio. Kronen) für den Campus Apenrade veranschlagt waren. Denn im Haushaltsentwurf der Bundesregierung für 2025 sind lediglich 614.000 Euro (4,57 Mio. Kronen) vorgesehen.

Weil die Ampel-Koalition zerbrochen ist und im März Neuwahlen in Deutschland anstehen, ist auch dieser Betrag mit gewisser Unsicherheit behaftet. Das hat Folgen. „Das Campusprojekt ist aus dem Haushalt gestrichen“, sagt der BDN-Hauptvorsitzende Hinrich Jürgensen.

Auch in den Folgejahren 2026, 2027 und 2028 rechnet der BDN trotz der Ungewissheiten mit investiven Mitteln in dieser Höhe. Hinzu kommen rund 10,55 Millionen Euro (78,7 Mio. Kronen) Betriebsmittel jährlich vom Bund sowie vorläufig etwas mehr als 2,3 Millionen Euro (17,15 Mio. Kronen) aus Kiel, die einen Zuschlag von 1,5 Prozent für die Schulen umfassen.

Erweiterung von Klassenzimmern am DGN

Auf dem Campus des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig will der BDN trotzdem nicht untätig bleiben. So sind im Finanslov 2025 von der dänischen Regierung 5 Millionen Kronen im Staatshaushalt veranschlagt für eine Erweiterung der Klassenzimmer. Vor wenigen Tagen noch wurde dieser große Erfolg als „Meilenstein“ gefeiert.

„Wir haben im Vorfeld das Campus-Projekt in Kopenhagen vorgestellt, und es war der Plan, dass Dänemark einsteigt, damit Schleswig-Holstein und Berlin einsteigen“, so Hinrich Jürgensen. Dänemark sei in Vorleistung gegangen, auch weil das Gymnasium lange Zeit nicht gleichgestellt war. „Harro (Hallmann, Leiter Sekretariat in Kopenhagen, Anm. d. Red.) hat da sehr viel gekämpft“, so der Hauptvorsitzende.

Vorschlag für verkleinertes Sanierungsprojekt am DGN

Die sozialdemokratischen Folketingspolitiker Jesper Petersen (im Vordergrund) und Theis Kylling Hommeltoft (rechts) besuchten das Internat des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (Archivfoto).

Außerdem gibt es nun einen Vorschlag, die 614.000 Euro im kommenden Jahr in eine Sanierung des DGN-Internats und einen Anbau zu investieren. Weitere 491.000 Euro (3,66 Mio. Kronen) investive Mittel könnten im Jahr 2027 in das Vorhaben fließen. Die restlichen Kosten könnten entweder durch Einsparungen, Mehreinnahmen oder ein Darlehen finanziert werden.

„Ein Darlehen würde uns jedoch über Jahre belasten“, so Jürgensen und ergänzt: „Wir müssen in Berlin richtig viel Überzeugungsarbeit leisten.“

BDN-Generalsekretär Uwe Jessen betont: „Es ist wichtig zu sagen, dass es ein anderes Projekt ist. Denn wir werden alles daransetzen, den Gesamtcampus umzusetzen.“

Hinrich Jürgensen nennt das alternative Projekt ein „skrabet model“ – also ein verkleinertes Modell. Der Stand der Dinge sei dem Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV), der das Jahr voraussichtlich mit einem Minus von knapp 2,9 Millionen Kronen abschließt, bereits vorgestellt worden.

BDN will Campus-Projekt nicht aufgeben

Das Projekt müsse in Berlin glaubhaft präsentiert werden, und es werde auch einen Architektenwettbewerb geben, so Jessen. „Wir werden aber das Campus-Projekt weiterverfolgen.“

Werde die Idee realisiert, dann sei allerdings auch klar, dass die im Campus-Projekt geplante Kita (aus zwei Kindergärten in Apenrade soll eine Institution werden) aus Planungsgründen an einem anderen Standort gebaut werden müsse.

„Fest steht aber auch, dass zwei Standorte am Ende teurer werden als das Campus-Projekt“, sagt Jessen und ergänzt: „Wir müssen irgendwann handeln.“

Privater Investor eine Möglichkeit?

Hauptgeschäftsführer Bernd Søndergaard betont: „Wir werden eine Lösung für den Campus finden.“

Eine könnte ein privater Investor sein. Die sei auch Teil der Untersuchungen, eine Lösung für das Campus-Projekt zu finden, sagt Uwe Jessen auf Nachfrage. Doch bei dieser Idee würden einige Fragen aufgeworfen. „Unter anderem müsste geklärt werden, wie die Besitzverhältnisse, etwa auch die des Grundstückes, dann in Zukunft sind. Weiter müssten wir dafür die Genehmigung des Bundesinnenministeriums haben, denn es ist ja im Prinzip wie ein Darlehen, da wir uns ja für doch recht viele Jahre zu einer Miete verpflichten müssten.“ Am Ende wolle ein Investor natürlich auch Geld verdienen, was sich auch im Mietpreis widerspiegeln würde, so der BDN-Generalsekretär.

Das Campus-Projekt

Der Bund Deutscher Nordschleswiger hat einen Bedarf von 140 Millionen Kronen beziehungsweise 18,9 Millionen Euro ausgerechnet und seine Geldgebenden auf deutscher und dänischer Seite von der Notwendigkeit des Campus überzeugen können. Verteilt über die nächsten fünf Jahre, sollten dafür insgesamt 12 Millionen Euro (fast 90 Millionen Kronen) vom Bund an den BDN überwiesen werden.

Einen ersten Dämpfer gab es, als die Bundesregierung im Sommer ihren ersten Haushaltsentwurf für 2025 präsentierte. Der Posten mit den Mitteln für den Campus hatte es nicht in den Entwurf geschafft.

Was geplant ist: