Tarifstreit

Recht oder Brauch?

hm/Ritzau
Kopenhagen/Aalborg
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Sophie Løhde vor der Schiedsstelle auf dem Sankt Annæ Plads in Kopenhagen Foto: Scanpix

In den zähen Tarifverhandlungen der Öffentlichen Hand ist das Thema bezahlte Mittagspause der Knackpunkt. Doch jetzt sagen Experten, dieses Thema gehöre ganz woanders hin.

Einer Analyse des Dänischen Arbeitgeberverbands DA zufolge gehen heute rund 90 Prozent der Angestellten im öffentlichen Dienst in eine bezahlte Mittagspause. Doch an dieser rütteln einige öffentliche Arbeitgeber seit einiger Zeit, und die Arbeitnehmer protestieren. Dieser Streit ist maßgebend in den sich hinziehenden Tarifverhandlungen.

Recht oder Brauch

In diese Verhandlungen gehöre das Thema aber nicht, sagen einige Experten. Die Frage, ob die Pause ein Recht oder nur ein Brauch ist, müsse ein Arbeitsgericht entscheiden.

Das Recht wäre günstig für die Arbeitnehmer, der Brauch für die Arbeitgeber. Zu Berlingske sagt Flemming Ibsen, ehemals Professor am Institut für Staatskunde der Universität Aalborg: „Das ist eine Frage der Auslegung und ein Rechtsstreit. Damit sollte sich eine Schiedsstelle oder ein Arbeitsgericht befassen. Es sei eine ganz prinzipielle Frage: „Hast du recht oder hast du nicht recht.“ Man könne nicht ein bisschen schwanger sein.

Ein Gericht sollte eintscheiden

Auch Laust Høgedahl von der Aalborg Universität meint in Berlingske: „Die einen meinen, es sei ein Recht, die anderen sagen, es sei nur Brauch. Das ist ein typischer Konflikt für ein Arbeitsgericht, es ist nicht nur ein Interessenkonflikt.“

Ein Versuch der Chefetage von Danmarks Radio, die bezahlte Mittagspause zu streichen, scheiterte 2017. Die Modernisierungsbehörde jedoch arbeitet weiter an deren Wegfall, zumindest will sie einzelnen Behörden ermöglichen, selbst zu entscheiden, ob die Mitarbeiter bezahlt ihr Pausenbrot essen können oder nicht.

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Leitartikel

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
„Schöne Zahlen“