Gesellschaft

Antideutsche Bemerkungen: Tingleffer Schulen arbeiten gemeinsam dagegen

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Laut Rückmeldungen müssen sich Schülerinnen und Schüler deutscher Einrichtungen hin und wieder deutschfeindliche Bemerkungen im öffentlichen Raum anhören (Symbolfoto).

Nazi-Beschimpfungen – vereinzelte Entgleisungen oder eine Anfeindung alarmierenden Ausmaßes? Die Schulen in Tingleff setzen auf Austausch und gegenseitiges Verständnis, um diskriminierende Reaktionen gegen deutsche Schulkinder ein für alle Mal zu verbannen.

Wie ausgeprägt ist die antideutsche Haltung und nehmen die Nazibeschimpfungen gegen Deutsche und Deutsch-Nordschleswiger in Nordschleswig (wieder) zu? Diese Fragen hat ein Leserbrief von Dorthe Andresen aus Nolde aufgeworfen. Sie berichtet von derartigen Anfeindungen, als sie noch Schülerin der Deutschen Schule Tingleff war.

An der Deutschen Nachschule Tingleff, die von Schülerinnen und Schülern sowohl aus Dänemark als auch aus Deutschland besucht wird, sind solche Zwischenfälle kein Thema.

„Uns sind solche Fälle nicht bekannt. Es kommt immer mal zu Zurufen oder Reaktionen, wenn unsere Schülerinnen und deutsch-nordschleswigsche Schüler sich im Ort bewegen. Es wird mal Mädchen hinterhergepfiffen oder etwas Herablassendes über das Äußere unserer Jugendlichen geäußert. Es sind aber meist oberflächliche Reaktionen anderer junger Menschen. Wir versuchen immer, solche Zwischenfälle direkt zu klären. Die Beschimpfung als Nazi erleben die Schülerinnen und Schüler unseres Wissens nicht“, so die Rückmeldung von Nachschulleiter Jørn Warm.

„Wir haben eher das Gefühl, dass unsere Einrichtung und die Schülerschaft als Teil des Ortes und der Gesellschaft akzeptiert und respektiert werden“, ergänzt Warm.

Bekanntes Phänomen an der deutschen Schule

An der Deutschen Schule Tingleff verhält es sich anders. Schulkinder erleben außerhalb der Einrichtung schon mal Zurufe mit Nazibezug. Es sind allerdings nicht die älteren Schülerinnen und Schüler, sondern größtenteils Kinder aus der Mittelstufe, die von anderen, überwiegend Gleichaltrigen, antideutschen Bemerkungen und Nazisprüchen an den Kopf geworfen bekommen, so die Rückmeldung der neuen Schulleiterin Carina Heymann.

Dass es von dieser Altersklasse ein eher unüberlegtes und unreflektiertes Handeln ist, das Hintergrundwissen und Respekt vermissen lässt, entschuldigt die Entgleisung nicht, betont Heymann.

Für Schulleiterin Carina Heymann ist der diskriminierende Umgang mit Kindern der deutschen Schule an der öffentlichen Bushaltestelle oder an anderen Orten ein ernstzunehmendes Problem (Archivfoto).

So sieht es auch Morten Heilmann Sørensen, Leiter der dänischen Schule in Tingleff. Man sei bestrebt, den Schülerinnen und Schülern einen respektvollen Umgang mit anderen einzubläuen und die Folgen von deutschfeindlichen Bemerkungen klarzumachen.

In Kontakt für ein besseres Verständnis

„Wir stehen schon länger in einem Austausch mit der deutschen Schule, mit dem Ziel, den Schülerinnen und Schülern ein Verständnis füreinander zu vermitteln – unabhängig von der jüngsten Debatte. Die beschriebenen Anfeindungen sind meines Erachtens oberflächlicher Natur und werden offensichtlich von unreifen Kindern herausposaunt. Die Zurufe sind aber unangenehm, und man muss dagegen vorgehen“, so Heilmann Sørensen.

Ein großes Problem sehe er in Tingleff letztlich nicht. „Viele deutsche und dänische Kinder spielen hier ja gemeinsam Fußball oder Handball. Sie kennen und respektieren sich. Die Beschimpfungen kommen anscheinend von irgendwelchen Halbstarken, die sich über die Tragweite ihres Handelns gar nicht im Klaren sind und womöglich gar nicht auf unsere Schule gehen. Nichtsdestotrotz sind wir bestrebt, unsere Schülerschaft über derartiges Fehlverhalten aufzuklären.“

Morten Heilmann Sørensen, Leiter der dänischen Schule in Tingleff, stuft das Problem mit abfälligen Bemerkungen in Richtung deutscher Schulkinder nicht als übermäßig groß ein, hält es aber dennoch für wichtig, derartigen Entgleisungen einen Riegel vorzuschieben.

Jüngere Jahrgänge sind das Sorgenkind

Erst kürzlich habe er ein Treffen mit der Schulsprecherin und Vertrauenslehrer Henning Kracht von der deutschen Schule gehabt. „Uns wurde zurückgemeldet, dass die älteren Jahrgänge keine Anfeindungen erleben. Hässliche Äußerungen kommen von jüngeren Kindern. Hier gilt es, den Hebel anzusetzen“, so Heilmann Sørensen.

Das wünscht sich auch Carina Heymann. „Es besteht Handlungsbedarf. Dass unsere Kinder an der öffentlichen Bushaltestelle getriezt und ihnen Naziparolen zugerufen werden, passiert in unseren Augen zu oft. Wir begrüßen daher den Austausch mit der dänischen Schule. Ziel muss es sein, dass die Kinder mehr voneinander erfahren und sich niemand zu solchen Entgleisungen hinreißen lässt“, so die neue Schulleiterin.