Deutsche Minderheit

„Nazist! Tyskertøs!“: Meinungsbeitrag entfacht breite Aufmerksamkeit

Veröffentlicht Geändert
Mit ihrem Debattenbeitrag hat Dorthe Andresen auf negative Erlebnisse und Vorurteile gegenüber der deutschen Minderheit aufmerksam gemacht und eine Welle der Solidarität ausgelöst (Archivbild).

Ein Leserinnenbrief von Dorthe Andresen über Anfeindungen als Mitglied der deutschen Minderheit hat in der Öffentlichkeit für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Die 20-Jährige selbst ist überrascht, dankbar und stolz über die vielen positiven Reaktionen auf das Teilen ihrer Erfahrungen.

Als Dorthe Andresen vor wenigen Wochen ihren Leserinnenbrief in „Politiken“ (und anschließend auch im „Nordschleswiger“) veröffentlichte, hätte sie nicht gedacht, welch breite Unterstützung sie damit auslösen würde – von Privatpersonen bis hin zu Politikern.

Im Debattenbeitrag schildert die 20-Jährige aus Bülderup-Bau (Bylderup-Bov) ihre schmerzhaften Erlebnisse als Kind: „Nazist!“ und „Tyskertøs!“ waren nur einige der Beschimpfungen, die sie und ihre Schwestern Wencke und Birthe sich anhören mussten – einfach, weil sie zur deutschen Minderheit gehören.

„Wir gehen in die 8. Klasse der deutschen Schule in Tingleff, und es besteht kein Zweifel daran, dass die Zurufe uns gelten. Sie kommen von zwei Jungen in unserem Alter, etwa 14 oder 15 Jahre alt. Genau wie wir … Auch Jahre später bin ich noch wütend, wenn ich an diese Situation zurückdenke. Und ich bin traurig. Traurig, dass meine Identität jemanden so provozieren kann. Ich sehe mich nicht als Dänin, ich sehe mich nicht als Deutsche – ich sehe mich als Südjütin, als Nordschleswigerin … 105 Jahre nach der Wiedervereinigung und 80 Jahre nach der Befreiung Dänemarks von Deutschland leben die großen Vorurteile immer noch in unserer Gesellschaft weiter“, schreibt Dorthe Andresen unter anderem in ihrem Meinungsbeitrag, auf den sie anschließend viele positive Rückmeldungen erhalten hat.

„Ich habe das Gefühl, damit einen Stein ins Rollen gebracht zu haben und finde es wichtig, dass die Leute außerhalb der Minderheit auch darauf aufmerksam geworden sind“, freut sich Dorthe Andresen heute. „Dass auch ‚TV Syd‘ darüber berichtet und ein Interview mit meinen Schwestern und mir gemacht hat, zeigt, dass wir Aufmerksamkeit erzeugen und diese Botschaft in die Gesellschaft tragen konnten.“

Dorthe Andresens Erlebnisse als Mitglied der deutschen Minderheit sind traurig und beschämend.

Jan Køpke Christensen

Viel Zuspruch ausgelöst

Neben viel Zuspruch aus dem privaten Umfeld haben auch Politiker und Lokalvertreter aus der Region freundliche und unterstützende Worte gefunden. Jan Køpke Christensen, Mitglied des Stadtrats in Apenrade, schreibt in einem Leserbrief: „Dorthe Andresens Erlebnisse als Mitglied der deutschen Minderheit sind traurig und beschämend. Dass heutzutage noch jemand allein wegen Sprache und Kultur diskriminiert wird, ist nicht akzeptabel. Die deutsche Minderheit ist ein natürlicher und wichtiger Teil von Nordschleswig. Sie bereichern unser Gemeinschaftsleben, unsere Vereine, die Demokratie und das Miteinander.“

In einem weiteren Leserbrief schreibt der Apenrader Stadtratsabgeordnete Rasmus Elkjær Larsen (Kons.): „Lasst uns gemeinsam mit Dorthe und der deutschen Minderheit in Nordschleswig stehen und stolz darauf sein, dass wir zusammen den Nationalsozialismus besiegt haben und eine Gesellschaft aufgebaut haben, in der Platz für alle ist.“

Ein bisschen überrascht bin ich schon – und auch stolz.

Dorthe Andresen

Für Dorthe Andresen ist die Resonanz ein kleiner Triumph: „Ein bisschen überrascht bin ich schon – und auch stolz.“ Auch wenn „ein, zwei negative Kommentare“ bei Facebook aufgetaucht seien, sei die überwältigende Mehrheit der Reaktionen positiv gewesen.

„Das bedeutet mir viel“, sagt die ehemalige Schülerin der Deutschen Schulen Buhrkall (Burkal) und Tingleff (Tinglev), deren Mutter Deutsche und deren Vater Däne ist. „Es zeigt, wie wichtig es ist, den Wert unseres Grenzlandes und der Vielfalt zu verstehen. Außerhalb Nordschleswigs wissen viele noch immer viel zu wenig über die deutsche Minderheit und die Geschichte unserer einzigartigen Region.“

Wie alles begann

Den Anstoß zu ihrem Leserbrief gab ein Schreibprojekt an Dorthe Andresens Landwirtschaftsschule in Gravenstein (Gråsten), bei dem „Politiken“ junge Menschen ermutigte, Debattenbeiträge zu verfassen. „Ich wollte ein Thema aufgreifen, das sonst kaum in den Medien diskutiert wird“, erzählt sie.

„Die Schilderung meiner persönlichen Erfahrungen mit Vorurteilen hat auch die Redakteurinnen von ‚Politiken‘ überrascht“, sagt die angehende Landwirtin. „Das bestätigt mich darin, dass dieses Thema viel zu selten besprochen wird und vielen gar nicht bewusst ist, dass so etwas auch heute noch vorkommt.“

Das bestätigt mich darin, dass vielen gar nicht bewusst ist, dass so etwas auch heute noch vorkommt.

Dorthe Andresen

Dass ihr Beitrag nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch echte Unterstützung erfahren hat, nimmt sie als große Bestätigung wahr. „Das war es auf jeden Fall wert.“