100 Jahre Grenzziehung

Historiker nach Ansprache: Wichtig, positive Entwicklungen hervorzuheben

Historiker nach Ansprache: Wichtig, positive Entwicklungen hervorzuheben

Historiker: Wichtig, positive Entwicklungen hervorzuheben

kj/cvt
Düppel/Dybbøl
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Professor Steen Bo Frandsen ist der Meinung, dass es wichtig war nach der Grenzschließung, positive Entwicklungen im Grenzland herauszustellen. Foto: Volker Heesch

Historiker Steen Bo Frandsen gibt eine Einschätzung zur Ansprache von Staatministerin Mette Frederiksen auf Düppel.

Dänemarks Regierungschefin, Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) hat am Montag anlässlich der Feierlichkeiten zu 100 Jahren Grenzziehung und der damit einhergehenden „Wiedervereinigung“, der Eingliederung* Nordschleswigs in Dänemark, direkt zur deutschen Minderheit gesprochen.

Auf Deutsch sagte Frederiksen: „Auch ihr gehört zu Dänemark!“

Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender der Minderheitenorganisation Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) freut sich über die Worte der Staatsministerin. „Mette Frederiksen hat uns ein Versprechen gegeben, dass wir auch ein Teil von Dänemark sind. Das finde ich ganz toll.“ Vor 100 Jahren hatte der damalige Staatsminister Niels Neergaard versprochen, dass die dänische Minderheit südlich der Grenze nicht vergessen werden würde.

„Der Nordschleswiger“ hat den Historiker Professor Steen Bo Frandsen gebeten, die Worte Frederiksens, in einen historischen Kontext einzuordnen. Der Leiter des Centers für Grenzregionsforschung an der Süddänischen Universität in Sonderburg kommt zur folgenden Einschätzung:

„Aus historischer Sicht war es wichtig, dass die dänische Staatsministerin in ihrer Rede auf Düppel so deutlich unterstrich, dass die deutschgesinnten Nordschleswiger zu Dänemark dazugehören und ein Teil davon sind.

Das wurde zwar schon früher festgestellt, doch im Täglichen hat sich das dänische Interesse am Grenzland zumeist auf die andere Minderheit bezogen. Besonders bemerkenswert war in diesem Zusammenhang vielleicht, dass Mette Frederiksen in der Rede auch an das alte Versprechen von der Minderheit anknüpfte, die nicht vergessen werden soll.

Das Gedenken an 100 Jahre dänisch-deutsche Grenzziehung stellt einen perfekten Rahmen dar, um diese Seite der Schleswigschen Geschichte und Kultur zu beleuchten – doch Mette Frederiksens Rede und dieser eine wesentliche Satz auf Deutsch müssen selbstverständlich auch in Bezug auf die aktuelle Situation verstanden werden.

Die Grenzschließung der vergangenen Monate hat das Bedürfnis danach verstärkt, all die guten Seiten der Entwicklung im Grenzland hervorzuheben. Denn just die Lebenswirklichkeit vor Ort dürfte in der öffentlichen Debatte und der meist rückwärtsgewandten Erinnerungskultur ruhig eine weit größere Rolle spielen, als sie es häufig tut.

Das Bekenntnis zur offenen Grenze als Normalität war deshalb ein durchaus nicht unbedeutender Abschluss der Rede.“

*Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle hatten wir in der ursprünglichen Version unbedachter Weise von „Anschluss“ statt „Eingliederung“ geschrieben, was Assoziationen zu einer erzwungenen Eingliederung hervorrufen kann. Von einer solchen Sichtweise distanzieren wir uns auf das Schärfste und haben deshalb den Begriff geändert.

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