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Christliche Stadtgemeinden läuten zur Wahl

Christliche Stadtgemeinden läuten zur Wahl

Christliche Stadtgemeinden läuten zur Wahl

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Nordschleswig
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In der Marienkirche in Sonderburg werden deutsche Gottesdienste gefeiert. Foto: Karin Riggelsen

Die Kirchengemeinderatswahlen werden am 15. September durchgeführt. In den vier Stadtgemeinden in Nordschleswig bewerben sich Kandidaten und Kandidatinnen der deutschen Minderheit um einen Platz in den Räten. Der Verlust von persönlichen Stellvertretern bereitet Sorge.

Der Wahlvorgang ist grundlegend geändert worden und die Kandidaten und Kandidatinnen treten erstmals als Einzelpersonen an, wenn am Dienstag, 15. September, landesweit die Kirchengemeinderatswahlen stattfinden.

In den Stadtkirchen in Sonderburg/Sønderborg, Apenrade/Aabenraa, Hadersleben/Haderslev und Tondern/Tønder sowie in Uberg/Ubjerg, sind die deutschen Gemeinden ein Teil der dänischen Volkskirche (Folkekirke). Für die deutsche Minderheit in Nordschleswig unterhält die dänische Volkskirche seit der Eingliederung des Landesteils nach Dänemark 1920 entsprechend einem damals erlassenen Gesetz deutsche Pastorate in den vier Städten und der Dorfgemeinde. Die Pfarrstellen sind in die Bistümer Ripen/Ribe und Hadersleben integriert. Die dänische Volkskirche verpflichtete sich in Übereinkommen mit Deutschland, die vier Pastoren zu entlohnen. Gemäß gegenseitiger Absprache unterstützt die Nordkirche die dänischen Kirchen in Südschleswig.

Die Kirchengemeinderatswahl wird in Tondern in der Christkirche durchgeführt. Foto: Karin Riggelsen

Ein Spiegel der Gesellschaft

Dorothea Lindow, deutsche Pastorin für die Gemeinden in Tondern und Uberg, trat ihren Dienst im Frühjahr an. Als einzige im Kreis der Stadtpastoren ist sie dem Bischof in Ripen, Elof Westergaard, zugeordnet. Die deutschen Pastoren, in Sonderburg Hauke Wattenberg, Anke Krauskopf in Apenrade und Christa Hansen, Hadersleben, gehören zum Bistum Hadersleben und unterstehen Bischöfin Marianne Christiansen.

„Ich bin Pastorin der dänischen Volkskirche für die deutsche Minderheit“, bringt Dorothea Lindow es auf den Punkt. Lindow hofft, dass Vertreter der Minderheit gewählt werden: „Nicht nur hier in Tondern und Uberg, sondern auch in den drei anderen Stadtgemeinden in Nordschleswig. Der Gemeinderat ist der Spiegel der Gesellschaft und zeigt das deutsch-dänische Miteinander. Es ist auch wichtig, um unsere Sichtbarkeit zu erhöhen“, sagt Dorothea Lindow. Für sie als neu eingestellte Pastorin sei es auch unendlich wichtig, Vertreter der deutschen Minderheit im Gemeinderat zu haben.

Friedenswahlen sind passé

Die Kirchengemeinderatswahl wird erstmals nach einem neuen Modus durchgeführt. Der Wahlvorgang ist grundlegend geändert worden, um die Wahl, so das Ziel und die Hoffnung der Folketingspolitiker, zeitgemäßer und demokratischer zu gestalten. Es war der damalige Kirchenminister Manu Sareen (Radikale Venstre), der im November 2011 einen Entwurf für einen Änderungsvorschlag der Wahlordnung im Folketing vorbrachte. Das Gesetz wurde 2018 vom dänischen Parlament verabschiedet und trat im Januar 2020 in Kraft. (www.kirkeministeriet.dk).

Kernpunkt ist die Abschaffung der bisherigen Listen, auf denen die Kandidaten ehemals aufgestellt waren. Die Mitglieder der neuen Gemeinderäte, die am ersten Adventssonntag in ihr Amt eingeführt werden, gehen als Einzelpersonen zur Wahl. Die sogenannten Friedenswahlen, bei der Mandate im Vorfeld der Wahlen nach Absprache untereinander aufgeteilt wurden, sind nicht mehr möglich. Es werden auch keine persönlichen Stellvertreter benannt.

Bei der Wahl, die statt im November nun im Vierjahresrhythmus am dritten Dienstag im September stattfinden wird, ähnelt die Wahl einer Generalversammlung eines Vereins, so Ingrid Vilslev, die Vorsitzende des Wahlausschusses der Haderslebener Domgemeinde ist. Aktives und passives Wahlrecht haben Mitglieder der Volkskirche. Zur Wahl gehen können Bürger in ihrer Heimatgemeinde. Während der Sommermonate sind landesweit Informationsveranstaltungen durchgeführt worden. Hier hatten potenzielle Kandidaten die Möglichkeit, ihr Interesse an einer Kandidatur kundzutun. Am 15. September wird die Wahl landesweit in geheimer Abstimmung nach den Vorgaben des Kirchenministeriums durchgeführt.

Die Wähler und Wählerinnen bekommen durch vorzeigen ihrer Krankenversicherungskarte Zutritt zu der Wahlveranstaltung. Wahlbenachrichtigungskarten werden nicht verschickt und eine Briefwahl ist nicht möglich. Wahlberechtigte, die im Krankenhaus liegen, inhaftiert sind oder im Pflegeheim, Seniorenheim und Seniorenwohnungen oder einer beschützten Wohnung für Erwachsene mit Behinderung leben, haben die Möglichkeit, mithilfe einer Vollmacht zu wählen. Der Bevollmächtige muss sich ausweisen können, wenn er dem Vorstand der Wahlversammlung die Vollmacht (das Formular liegt zum Download bereit auf der Internetseite des Kirchenministeriums) vorweist.

Nach Angaben des Kirchenministeriums wird eine außerordentliche Wahlversammlung am 6. Oktober einberufen, wenn am 15. September nicht genügend Kandidaten zur Verfügung stehen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit eine Kandidatenliste einzureichen und eine herkömmliche Abstimmungswahl, die am 17. November stattfindet, auszulösen. Die Liste muss spätestens am 13. Oktober vorliegen. Die Kandidatenliste muss von Unterzeichnern des Wahlvorschlages unterstützt werden. Die Anzahl der Unterzeichner richtet sich nach der Anzahl der Mitglieder des jeweiligen Gemeinderates.

Die Arbeit in den Gemeinderäten ist, ähnlich wie die politische Arbeit der Stadtparlamente, aufgeteilt. So können sich die gewählten Kandidaten entscheiden, welchen Ausschüssen sie beitreten möchten. Interessante und wichtige Aufgaben gibt es unter anderen in den Bauausschüssen, die sich mit Sanierungsmaßnahmen in den Kirchen und Gebäuden beschäftigen. Wichtige Entscheidungen über die Ausgestaltung der Friedhöfe werden unter anderem von den Mitgliedern des Friedhofsausschusses erörtert. Den Mitgliedern der Gemeinderäte obliegt es auch, neue Pastoren und Pastorinnen einzustellen.

Zwei Wahlgänge am 15. September

Vilslev erklärt, dass im Anschluss an die Vorstellungsrunde, bei der die Kandidaten und Kandidatinnen, die auch noch während der einleitenden Versammlung kandieren können, zwei Minuten Redezeit bekommen. „Es können 30 oder 50 Kandidaten antreten. Das wissen wir nicht im Voraus. Aber wir werden alle Namen auf eine Liste schreiben, damit die Wähler den Überblick behalten“, betont Ingrid Vilslev.

Sind die Kandidaten und Kandidatinnen gewählt, wird der Wahlprozess für die Kandidaten, die als Stellvertreter kandidieren, neu aufgerollt. Die Namen der Gewählten werden, so Vilslev, am Wahlabend bekanntgegeben. Der Gemeinderat konstituiert sich spätestens vor der Einführung am 29. November.

Die Anzahl der zu Wählenden passt sich der Größe des Gemeinderates an

Mit einer Größe von rund 10.000 Mitgliedern setzt sich der Rat der Domgemeinde aus 15 Personen zusammen. Alle Teilnehmer, die Stimmrecht haben, können bis zu acht Kandidaten auf den ausgehändigten Stimmzetteln auflisten. Die Stimmberechtigten müssen nicht alle acht Stimmen abgeben.

„Unser Gemeinderat setzt sich aus 15 Mitgliedern zusammen. Hier ist festgelegt, dass die Wähler jeweils bis zu acht Personen auflisten können. Bei Gemeinderäten, die kleiner oder größer sind, reduziert oder erhöht sich die Anzahl der zu wählenden Mitglieder“, erklärt Ingrid Vilslev. In welcher Reihenfolge die Kandidaten auf dem Wahlzettel aufgelistet werden, ist egal: „Was zählt, ist die Anzahl der Stimmen“, unterstreicht Vilslev.

Für die Gemeinde in Uberg kandidieren drei Mitglieder der deutschen Volksgruppe. Die Wahl wird nicht in der schmucken Dorfkirche, sondern im Sether Treffpunkt „Laden" stattfinden. Foto: Karin Riggelsen

Deutsche Gemeinden in Tondern und Uberg

Wenn die Wähler am 15. September in Tondern den Gang an die Wahlurne antreten, können sie ihr Kreuz unter anderem bei Anke Haagensen und Dirk Andresen setzen. Die beiden Tonderaner vertreten seit 2017 die Interessen des deutschen Teils der Gemeinde. In Tondern müssen elf Gemeinderatsvertreter gewählt werden. Für Dirk Andresen und Anke Haagensen ist es wichtig, Pastorin Dorothea Lindow zu unterstützen. „Ich möchte gerne den deutschen Gemeindeteil der Kirche unterstützen. Seit 500 Jahren gibt es deutsche Gottesdienste in Tondern“, so Dirk Andresen, der sich auch weiterhin für diese Arbeit und Kultur einsetzen will. Er und Anke Haagensen erwähnen auch in einem Interview mit dem „Nordschleswiger“ die bevorstehende Innen-Renovierung der Christkirche, bei der sie gerne ihren Einfluss geltend machen wollen. Das Duo setzt sich für die Weiterentwicklung gemeinsamer Projekte ein und hebt die gute Zusammenarbeit im Gemeinderat hervor.

Andresen fordert die Mitglieder der deutschen Kirchengemeinde dazu auf, nur die Namen von ihm und Kollegin Anke Haagensen auf den Stimmzettel zu schreiben. „Damit steigen unsere Wahlchancen“, sagt Dirk Andresen. Er bezeichnet den neuen Modus als „einen etwas schwerfälligen Prozess.“ Er bedauert, dass die Wähler erst am Tag der Wahl eine Übersicht darüber bekommen, wer kandidiert. Andresen findet es schade, dass keine Wahlkarten zugestellt werden und nur in Ausnahmefällen gewählt werden kann, wenn man nicht selber zur Wahlveranstaltung erscheint. „Das geht nur, wenn man im Krankenhaus ist, in einer Seniorenwohnanlage oder einer beschützten Wohnung lebt und im Gefängnis sitzt. Dann kann man einer Person seines Vertrauens bitten, einzuspringen“, sagt Andresen.

Gegenwärtig ist auch bekannt, dass Jørn Vestergaard und Marieke Heimburger für einen Platz in den Reihen der Stellvertreter kandidieren.

In den Zuständigkeitsbereich von Pastorin Lindow gehört auch die Gemeinde Uberg. Hier steht Jacob Lorenzen seit vielen Jahren an der Spitze des Gemeinderates. Am 15. September wirbt er auch um die Gunst der Wähler. Lorenzen kandiert für den deutschen Teil der Gemeinde. Ihm zur Seite stehen Jacob Tygsen und Irmgard Haagensen. „Der Gemeinderat umfasst lediglich fünf Mitglieder“, erklärt Jacob Lorenzen.

Deutsche Gemeinde in Apenrade

Ein „Aufruf“ im „Nordschleswiger“, sich als Kandidat für den deutschen Teil der Gemeinde in Apenrade zu engagieren, hat Pastorin Anke Krauskopf bislang zwei Kandidaten und eine Kandidatin „beschert“: Orgelbauer Bernd Lorenzen fühlt sich in der deutschen Gemeinde heimisch. Dieter Klein aus Klippleff/Kliplev hat sich „umgemeinden“ lassen, um bei der Wahl in Apenrade anzutreten. Und Lisa Tröster entschloss sich, ein weiteres Mal zu kandidieren. „Lisa Tröster wollte eigentlich nicht erneut kandidieren. Sie hat in den vergangenen Jahren einen großen Einsatz als Einzelkämpferin geleistet. Als Lisa hörte, dass wir zwei weitere Kandidaten gewonnen haben, entschloss sie sich, weiterzumachen“, freut sich Pastorin Krauskopf.

In Apenrade werden 15 Kandidaten und Stellvertreter gewählt. Jeder Wahlberechtigte hat somit acht Stimmen. Der deutsche Teil hofft, dass er fortan mit mindestens zwei Kandidaten vertreten sein wird. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen auch Stimmen „aus anderen Teilen der Gemeinde“ kommen. Der deutsche Gemeindeteil stärkte in den vergangenen Jahren seine Sichtbarkeit und fühlt sich wahrgenommen und dazugehörig, was auch dem großen Engagement von Lisa Tröster zu verdanken ist, unterstreicht Anke Krauskopf.

„Sollten wir niemanden durchkriegen, dann wird uns wahrscheinlich nichts anderes übrigbleiben, als anschließend eine Wahl auszulösen. Es sei denn, es gibt große Kräfte, die dagegensprechen“, erklärt Anke Krauskopf. Sie fordert alle Gemeindeglieder zur Wahlteilnahme auf. Treffpunkt der Wahlveranstaltung am 15. September ist die „Sønderjyllandshalle“. Anke Krauskopf weist darauf hin, dass die Teilnehmer sich aufgrund der Coronaschutzmaßnahmen selbst verpflegen müssen.

Sollten wir niemanden durchkriegen, dann wird uns wahrscheinlich nichts anderes übrigbleiben, als anschließend eine Wahl auszulösen. Es sei denn, es gibt große Kräfte, die dagegensprechen.

Anke Krauskopf, Pastorin
Die deutsche Gemeinde in Apenrade feiert ihre Gottesdienste unter anderem in der Nicolaikirche. Foto: Karin Riggelsen

Deutsche Gemeinden in Sonderburg

Der deutsche Teil der Gemeinden in Sonderburg gehört den Gemeinden der Christianskirche und der Marienkirche an. „Es ist wichtig für die Gemeinde und die deutsche Minderheit, dass unsere Gemeindeglieder am Dienstag zur Wahl gehen“, sagt Pastor Hauke Wattenberg. In Sonderburg kandidieren bislang vier Kandidaten. Doris Ravn bewirbt sich um einen Sitz der Gemeinde an der Christianskirche. Kandidaten für einen Sitz im Gemeinderat der Marienkirche sind: Gisela Weber Mezghani, Rolf Weber und Bert Glöckner.

Wer sich am Dienstag noch als Kandidat melden möchte, ist willkommen, so Pastor Wattenberg: „Wer seinen Hut in den Ring werfen möchte, ist herzlich willkommen.“

Wer seinen Hut in den Ring werfen möchte, ist herzlich willkommen.

Hauke Wattenberg, Pastor

Wie bei Redaktionsschluss am Donnerstagnachmittag bekannt war, treten folgende Kandidaten an:

Tondern: Anke Haagensen und Dirk Andresen. Um einen Platz auf der Stellvertreterliste bewerben sich Jørn Vestergaard und Marieke Heimburger. Die Wahlveranstaltung wird in der Tonderner Christkirche durchgeführt. Uberg: Jacob Lorenzen, Jacob Tygsen und Irmgard Haagensen. Die Mitglieder der Dorfgemeinde treffen sich im „Laden“ in Seth/Sæd. Die Veranstaltungen beginnen um 19 Uhr.

Apenrade: Lisa Tröster, Bernd Lorenzen und Dieter Klein. Die Wahlveranstaltung in der „Sønderjyllandshalle“ beginnt um 19 Uhr. Einlass ist ab 18.15 Uhr.

Sonderburg: Christianskirche: Doris Ravn. Marienkirche: Gisela Weber Mezghani, Rolf Weber und Bert Glöckner. Die Gemeindeglieder der Christianskirche treffen sich ab 18 Uhr im Gemeindehaus. Die Wahlveranstaltung im Gemeindehaus der Marienkirche beginnt um 19 Uhr.

Hadersleben: Domgemeinde: Piet Schwarzenberger. Monika Knutzen und Christina Brandt kandidieren für einen Platz auf der Stellvertreterliste. Die Wahlveranstaltung im Dom beginnt um 19.30 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr. Gemeinde in Alt-Hadersleben: Claes Fuglsang. Die Wahlveranstaltung, die im Gemeindehaus der St. Severin Kirche abgehalten wird, beginnt um 19 Uhr.

Der Dom zu Hadersleben Foto: Ute Levisen

Deutsche Gemeinden in Hadersleben

In der Domstadt gibt es zwei deutsche Gemeinden. Pastorin Christa Hansen betreut die Gemeinde der St. Severin Kirche zu Alt Hadersleben und den deutschen Teil der Domgemeinde. Christa Hansen begrüßt grundsätzlich den neuen Modus, gibt aber zu bedenken, dass persönliche Stellvertreter nicht mehr möglich sind. „Grundsätzlich begrüße ich die Neuordnung des Wahlverfahrens bei den Kirchengemeinderatswahlen. Allerdings sehe ich ein Problem darin, dass keine persönlichen Stellvertreter mehr möglich sind. Das schwächt eindeutig unsere Position in den Städten.“

Piet Schwarzenberger, der erneut für den Gemeinderat am Dom kandidiert, versuchte über den „Nordschleswiger“ beim Kirchenministerium Gehör zu finden für die besondere Rolle der Vertreter der deutschen Gemeindeteile in Nordschleswig, und die Möglichkeit, persönliche Stellvertreter zu bekommen. Laut Auskunft von Ingrid Vilslev hat sich der Gemeinderat des Doms entschieden, dass der Wähler bei der Wahl der Stellvertreter genau so viele Stimmen hat wie bei der Wahl der Kirchengemeindevertreter – also acht.

Anfragen an das Kirchenministerium

„Wenn es nun weniger Bewerber als diese acht sind, könnten im Prinzip alle gleich viele Stimmen bekommen. Bei Stimmengleichheit entscheidet aber das Los. Es wird also mit Stand heute sehr schwer vorherzusagen, wie diese Stellvertreterwahl verlaufen wird“, meint Schwarzenberger.

In seinen schriftlich formulierten Fragen an das Ministerium möchte Schwarzenberger klären, was passiert, wenn ein gewähltes Mitglied des Kirchengemeinderates ausscheidet, das bisher den deutschen Gemeindeteil vertreten hat. „Rückt dann der Stellvertreter nach, der die meisten Stimmen erhalten hat – unabhängig davon, ob dieser aus dem deutschen oder dänischen Gemeindeteil stammt, selbst wenn dann in der Folge kein Gemeinderatsmitglied mehr den deutschen Gemeindeteil vertritt", fragt der Haderslebener. Schwarzenberger erkundigt sich auch danach, welche Regelungen noch eingeführt werden sollen, um der spezifischen Situation der deutschen Gemeindeteile in Nordschleswig gerecht zu werden. Schwarzenberger möchte wissen, wann die Regelungen eingeführt werden könnten, und ob diese gegebenenfalls mit Wirkung für die laufende oder erst für die nächste Wahlperiode, Geltung bekommen.

„Wie wird mit der eventuellen notwendigen Wahl eines deutschen Pastors beziehungsweise einer deutschen Pastorin umgegangen, wenn zu diesem Zeitpunkt kein Vertreter des deutschen Gemeindeteils im Gemeindekirchenrat vertreten sein sollte“, so Schwarzenbergers letzte Frage an das Ministerium.

Vorsitzende des Wahlausschusses setzt sich für Minderheit ein

Pressesprecher Simon Ankjær Andersen teilte am 8. September mit, dass aufgrund der Mehrbelastungen im Vorfeld der Wahlen und coronabedingten Maßnahmen, wahrscheinlich erst nach der Wahl mit einer Antwort aus dem Ministerium gerechnet werden kann.

Ingrid Vilslev indes hatte sich bereits vor einiger Zeit an das Ministerium gewandt, um eine Lösung für das Problem des deutschen Teils der Gemeinde zu finden. „Ich habe mich zweimal erkundigt. Das Ministerium ist gegenüber der Problemstellung aufmerksam. In der kommenden Wahlperiode wird es aber wohl kaum möglich, persönliche Stellvertreter zu benennen“, so Vilslev.

Bewährter Kandidat in Alt Hadersleben

In Alt Hadersleben kandidiert Brauerei-Direktor Claes Fuglsang erneut. Fuglsang engagiert sich seit vielen Jahren im Gemeinderat und er hat unter anderem bei der vor einigen Jahren umfassenden Sanierung des Gotteshauses einen großen Einsatz geleistet.

In der 1923 gegründeten Nordschleswigschen Gemeinde (NG) sind keine Wahlen anberaumt. Die Freikirche ist für kirchliche Amtshandlungen im ländlichen Raum in Nordschleswig zuständig. Der Vorsitzende oder die Vorsitzende des Kirchenvorstandes werden jedes sechste Jahr gewählt. „Die Wahlen in den Gemeinderäten finden jedes vierte Jahr statt“, erklärt NG-Vorsitzende Mary Tarp. Der Konvent ist ein wichtiges Bindeglied zwischen der Nordschleswigschen Gemeinde und ihren fünf Pfarrbezirken und den Stadtgemeinden. Der Konvent hilft mit, die kirchliche Arbeit für die deutsche Minderheit zu organisieren und zu koordinieren.

Im Konvent vertreten sind Pastoren und Pastorinnen beider Gemeinden. Senior des Konvents ist immer ein Pastor oder eine Pastorin der Nordschleswigschen Gemeinde.

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