Kunst

70. Nolde-Jahresschau stellt Beziehungen in den Fokus

Christian Ring, Direktor des Nolde-Museums, vor dem Bild «Geschwister«

Was macht Emil Noldes Bilder auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung so berührend? Die neue Jahresschau lädt dazu ein, eigene Empfindungen im Dialog mit Kunst und Natur zu entdecken.

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Dieses Ausstellungsjahr ist ein besonderes für die Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde. 2026 sei geprägt durch besondere Gedenktage, sagte der Direktor der Stiftung, Christian Ring. 

Vor 80 Jahren, am 13. April 1956 starb Emil Nolde, seine Frau Ada zehn Jahre zuvor am 2. November 1946. Mit dem Tod Emil Noldes wurde das gemeinsame Testament eröffnet und in Folge ihre Stiftung anerkannt. Seit 1957 zeigt die Stiftung jedes Jahr von März bis einschließlich Oktober eine umfassende Retrospektive aus dem Nachlass Noldes. 

In der diesjährigen, 70. Jahresschau «Emil Nolde - Beziehungen zwischen Menschen, Natur und Kunst», die am Sonntag (1. März) öffnet, möchte die Stiftung Einblick in das vielschichtige Spannungsfeld zwischen Menschen, Natur und Kunst in den Gemälden und Aquarellen Emil Noldes geben. 

Seine Darstellungen von Beziehungen offenbarten eine kompromisslose und zugleich zutiefst poetische Auseinandersetzung mit den Grundfragen menschlicher Existenz.

Das Thema Beziehungen gehöre zu den stärksten Themen in seinem Werk, sagte Ring. Dieses sei geprägt von einer tief empfundenen Beziehung zu Mensch und Natur. Noldes Bilder drückten seine emotionale Beziehung zur Welt aus.

Nolde schuf keine intellektuelle Kunst

Nolde entwickelte im Dialog zwischen Menschen, Natur und Kunst eine Bildwelt von unvergleichlicher Intensität und emotionaler Kraft, wie Ring betonte. Er lade in der Betrachtung ein, die Beziehung zu Menschen, Natur und Kunst neu zu erfahren.

Nolde habe keine intellektuelle Kunst geschaffen, deren Inhalt erst nach intensiver Lektüre verständlich werde. Ring ermuntert die Besucherinnen und Besucher, ihren eigenen Empfindungen zu trauen. Nolde biete in seinen Werken eine Projektionsfläche, wo man seinen Gefühlen freien Lauf lassen könne. 

In seinen Bildern zeigt Nolde laut Ring Menschen, deren Empfindungen von intimer Nähe bis zu kühler Distanz auch heute nachvollziehbar seien. Manchmal helfen die Titel, sich in die Bilder hineinzuversetzen; worüber sprechen die «Veteranen»? Welche Beziehung verbindet die «Frauen»? Letztere stechen in ihrem weißen Rahmen zwischen den anderen dunkel gerahmten Werken im Bildersaal heraus.

Porträts und Selbstbildnisse

Gezeigt werden im Bildersaal zudem unter anderem frühe Porträts von Ada, die Nolde 1903 und 1904 gemalt hat, und noch ältere Selbstbildnisse des Künstlers von 1899. Es seien sehr sensible und verletzliche, eher private Porträts, sagte Ring. Das große Doppel-Bildnis des Paares (1916), das ebenfalls im Bildersaal hängt, sei anders als diese frühen Porträts eher an die Öffentlichkeit gerichtet. 

Im Rahmen der 70. Jahresausstellung erinnert zudem erstmals eine kleine Fotoausstellung im Wohn- und Atelierhaus an die Stifter. 44 Jahre, bis zu Adas Tod, waren die Noldes verheiratet. 1901 lernten sie sich kennen, 1902 heirateten sie. «Heute vor 124 Jahren war ihr Hochzeitstag», sagte Ring.

37 Werke erstmals zu sehen

Insgesamt werden 130 Exponate gezeigt, darunter 57 Gemälde und 65 Arbeiten auf Papier. 37 Werke sind erstmals in Seebüll zu sehen, 25 Werke werden zum ersten Mal überhaupt ausgestellt. Es sei immer wieder erstaunlich, dass es auch 70 Jahre nach Noldes Tod noch nimmer nicht gezeigte Werke gebe, sagte Ring.

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