Landwirtschaft

„Gierige“ Bauern, aber tüchtige Unternehmen? LHN-Vorsitzender vermisst Maß und Mitte

Geschäftsführer Poul Erik Hedegaard (links), 2. Vorsitzender Dirk Bucka Andresen und Vorstandsvorsitzender Christian Kock auf der Generalversammlung des LHN 2026

Generalversammlung des LHN: Acht Prozent mehr Kunden, 2,2 Millionen Kronen Gewinn – wirtschaftlich steht die Interessenorganisation der nordschleswigschen Bäuerinnen und Bauern stabil da. Doch der Vorsitzende Christian Kock sprach auch über dunkle Wolken am Himmel der Landwirtschaft – über Hass auf die Landwirtschaft, über Wölfe auf der Weide und eine Politik, die aus seiner Sicht Maß und Mitte vermissen lässt.

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Zusammenfassung

  • LHN meldet acht Prozent mehr Kundinnen und Kunden sowie 2,2 Millionen Kronen Gewinn.
  • Vorstandsvorsitzender Christian Kock fordert mehr Verständnis, kritisiert politische Auflagen und warnt vor Marginalisierung der Landwirtschaft.

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Bissig, nachdenklich, aber auch launig-humorvoll fiel der Jahresbericht von Christian Kock aus. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN) in Tingleff (Tinglev) spannte am Dienstagabend auf der Generalversammlung einen großen Bogen, es ging um die fragile Weltlage, um dänische Politik und um den LHN. 

LHN mit stabilem Ergebnis

Es gab Grund zu Humor und Freude: Der LHN verzeichnete 2025 ein Kundenwachstum von acht Prozent, der Gewinn lag mit 2,2 Millionen Kronen vor Steuern in der Nähe des Vorjahres. Die Zahlen präsentierte Geschäftsführer Poul Erik Hedegaard.

Auch für die Landwirtinnen und Landwirte in Nordschleswig verlief das vergangene Jahr recht positiv. Christian Kock rief die guten Preise für Eier, Milch, Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch in Erinnerung. Drohte im Frühjahr eine Dürre, die Getreideernte zu vermiesen, rettete Kock zufolge Regen die Ernte in letzter Sekunde. Die dann problemlos eingebracht werden konnte. 

Tonderns Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Mitte) freute sich als LHN-Mitglied und Landwirt über die gute Lage des LHN.

Kock erinnerte an die vielen Wolkenbrüche im Sommer 2025, die die Ernte gefährdeten und machte die Teilnehmenden auch auf andere dunkle Wolken am Landwirtschaftshimmel aufmerksam und vertiefte dies später im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Dem Vorsitzenden bereitet das negative Image der Branche und der Hass im Netz auf Landwirte Sorgen. „Wir wollen doch, dass es unseren Tieren gut geht. Und wir wollen nur so viel düngen, wie notwendig ist – wir müssen ja auch gut wirtschaften. Und wir wollen auch besser werden“, so Kock zum „Nordschleswiger“. Er sagt: Ein wenig Druck für Veränderungen ist akzeptabel, nur müsse alles im Rahmen bleiben.

Mehr Verständnis

Generalversammlung: Wahlen

Die Generalversammlung bestätige durch Wiederwahl Hermann Thomsen und Uwe Matzen im Vorstand.

Interne Rechnungsprüfer bleiben Frank R. Johannsen und Fritz Husmann. BDO bleibt weiterhin externer Revisor. 

Er wünscht sich 2026 mehr Verständnis der Menschen für die Landwirtschaft. Er hält viel davon, wenn die Menschen auf den Hof kommen, beispielsweise an einem Tag der offenen Tür. Von Angesicht zu Angesicht lasse es sich besser reden als in den sozialen Medien. 

Wenn ein Wolf Nutztiere reißt, dann macht das auch etwas mit Tierhalterinnen und Tierhaltern.

Christian Kock

Wenn er hört, dass in Deutschland junge Bäuerinnen und Bauern nicht mehr in den von den Eltern übernommenen Betrieb investieren, weil es sich nicht mehr lohnt, dann sei das für ihn Anlass zur Sorge. „Wir leben in einer klimatisch bevorzugten Region, wir können günstig Lebensmittel produzieren. Landwirtschaft kann unglaublich viel“, wirbt Kock für seine Branche.

Landwirtschaft ist Wirtschaftsfaktor

Und so wehrte er sich in seinem Bericht unter anderem auch gegen eine Marginalisierung der Landwirtschaft. Landwirtschaft mache nur etwa drei Prozent des Bruttonationalproduktes aus – diese Zahl würden Kritikerinnen und Kritiker der Landwirtschaft oft anführen, meinte Kock. Die Nahrungsmittelindustrie Dänemarks exportiere aber laut Zahlen der Branchenorganisation „Landbrug & Fødevarer“ Güter im Wert von rund 200 Milliarden Kronen. 

Pharmaunternehmen liegen nach Darstellung Kocks etwas darunter bei 191 Milliarden Kronen. „Das Bemerkenswerte ist, wenn wir Geld verdienen, dann sind wir gierig, wenn das die Pharmaindustrie oder die Schifffahrt macht, dann sind sie tüchtig und unverzichtbar“, so der Vorsitzende.

Kock sucht Verhältnismäßigkeit

Kritik erntete die Politik vom Vorsitzenden bei den viel diskutierten Themen Wolfsschutz, Nitratreduktion, „Grøn Trepart“ und Klimaschutz. Kock fehlt in allen Feldern eine Verhältnismäßigkeit und nennt ein Beispiel: „Wenn ein Wolf Nutztiere reißt, dann macht das auch etwas mit Tierhalterinnen und Tierhaltern.“ Dieser Umstand und das Leid der Tiere kommt seiner Ansicht nach in der Diskussion nicht genügend vor.