ZUSCHRIFT

Ein rollender Treffpunkt für unsere Minderheit

Claudia Knauer wirbt als Kandidatin für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger für verbindliche Parität.

Mit dem möglichen Aus für den alten Bücherbus eröffnet sich eine neue Chance: Claudia Knauer schlägt vor, das Fahrzeug in einen rollenden Treffpunkt für die deutsche Minderheit in Nordschleswig zu verwandeln. Ihr Appell: Wenn feste Orte verschwinden, muss Gemeinschaft mobil werden.

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Zuschriften

Dieses ist eine Zuschrift. Leserinnen und Leser können sich auf diese Weise auf die Berichterstattung des „Nordschleswigers” beziehen und ihre Sicht der Dinge schildern. Die hier geäußerten Ansichten und Meinungen geben nicht unbedingt die Haltung der Redaktion wieder.

In unseren ländlichen Gebieten erfüllt uns über die Jahre eine Entwicklung mit Sorge: Kindergärten und Schulen schließen. Dass diese Einrichtungen weit mehr als reine Bildungsorte sind, wissen wir alle – sie waren Treffpunkte, Identifikationsorte und sichtbare Anker unserer deutschen Minderheit.

Mit jeder Schließung verlieren wir nicht nur ein Gebäude, sondern auch einen Sammelpunkt, an dem Gemeinschaft gelebt wird. Wenn die festen Treffpunkte verschwinden, müssen wir neue Wege finden, um Nähe, Austausch und Sichtbarkeit zu erhalten.

Warum also nicht mobil denken?

Ab dem Sommer wird voraussichtlich der alte Bücherbus nicht mehr gebraucht. Statt ihn auszusondern, könnte er zum Herzstück eines neuen Projekts werden: ein rollender Treffpunkt für die deutsche Minderheit in Nordschleswig.

Der Bus wird gemeinsam umgebaut – als Mitmachprojekt, das Engagement, handwerkliche Fähigkeiten und Identifikation stärkt. Schon dieser Umbauprozess könnte Jugendliche oder auch Ältere aktiv einbinden.

Der fertige Bus wäre mehr als nur ein Fahrzeug. Durch eine auffällige Bemalung würde er sichtbar auf unsere Minderheit aufmerksam machen – wie das der neue Bücherbus auch tut. Eine rollende Reklamesäule. Er könnte regelmäßig kleinere Ortschaften anfahren, in denen es keine eigenen Einrichtungen mehr gibt.

An Bord könnten wechselnde Ansprechpartner sein:

  • Familienberaterinnen
  • Hauptamtliche der Minderheit
  • Vereinskonsulent
  • Oder oder 

Der Bus ist zwar klein, aber groß genug für Gespräche, Beratung, Austausch – vielleicht bei einer Tasse Kaffee. Ein mobiler Ort der Begegnung, niedrigschwellig und nah an den Menschen.

Wir brauchen kreative Lösungen. Ein rollender Treffpunkt kann feste Gebäude nicht ersetzen – aber er kann Verbindung halten, Präsenz zeigen und neue Impulse setzen.

Die deutsche Minderheit in Nordschleswig hat immer wieder bewiesen, dass sie mit Ideenreichtum und Zusammenhalt Herausforderungen meistern kann. Vielleicht ist jetzt der Moment, Mobilität und Gemeinschaft neu zu denken.