Bucherscheinung

Neues über Nolde

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Flensburg/Woyens
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Hans Christian Davidsen, Kulturredakteur bei „Flensborg Avis" und Autor des jüngsten Buches über Emil Nolde Foto: Pressefoto

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„Nolde – Maleren, der trådte ved siden af” heißt das neueste Buch über einen der bekanntesten deutschen Expressionisten – noch dazu aus dem deutsch-dänischen Grenzland. Für die Recherche ist sein Autor, Hans Christian Davidsen, tief in die Annalen der Geschichte und der Archive abgetaucht – und er förderte auch unbequeme Wahrheiten zutage.

Hans Christian Davidsen, Kulturredakteur der Zeitung der dänischen Minderheit „Flensborg Avis“, kennt die Geschichte des Grenzlandes aus dem Effeff. In seinem Buch „Nolde – Maleren, der trådte ved siden af” (Nolde – der Maler, der sich danebenbenahm) widmet er sich einem der bekanntesten Maler des Expressionismus: dem Deutsch-Nordschleswiger Emil Nolde. Bei seinen Recherchen ist Davidsen auf Ungereimtheiten gestoßen, die er in seinem Buch über Nolde verarbeitet hat ­ – und die ein neues Licht auf dessen künstlerisches Schaffen werfen.

Ein allzu schmeichelhaftes Bild

Die Politik im Allgemeinen und Kunsthistorikerinnen und -historiker im Besonderen sowie nicht zuletzt die wechselnden Leitungen des Nolde-Museums in Seebüll haben über Jahrzehnte ein allzu schmeichelhaftes Bild des berühmten Malers gezeichnet, das längst nicht alle Fazetten von dessen Persönlichkeit und künstlerischem Wirken abdeckt, so ein Fazit des Kulturjournalisten. Geschehen sei dies unter anderem, indem man die Entstehungsdaten einer Reihe von Nolde-Werken falsch angegeben hat: „Diese Bilder sind zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt entstanden als angenommen“, sagt Davidsen.

Falsche Angaben

Die Museumsleiter hätten im Laufe der Jahre diverse Aquarelle mit falschen Entstehungshinweisen versehen, führt der Autor aus. Somit sei der Eindruck entstanden, die Werke seien in der Zeit nach Noldes Berufsverbot entstanden, das die Nationalsozialisten im Sommer 1941 über den Maler verhängten, obwohl sich dieser bereits früh als Parteimitglied beim NS-Regime angebiedert hatte.

Foto: Pressefoto

Wie umgehen mit Noldes Kunst?

In seinem Buch über Nolde beschäftigt sich Davidsen damit, wie es dazu kommen konnte, dass Kunstsachverständige und andere Intellektuelle über viele Jahre ein falsches Bild des Künstlers propagiert haben.
„Wie sollen wir jetzt mit Noldes Kunst umgehen?“, fragt der Autor und gibt auch gleich die Antwort: Diese müsse einer kritischen Revision unterzogen werden.

Zugleich wirft Davidsen die Frage auf, ob die Gemälde bzw. Aquarelle, die Nolde in den Jahren von 1933 bis 1945 malte, nach dem jetzigen Wissensstand neu eingeordnet werden müssen, und er gibt seine Antwort auf die Frage, ob sich Nolde ab der Zeit der Machtergreifung der Faschisten im Jahre 1933 künstlerisch verändert hat.

Unterstützung aus Woyens

Aus dem Buch, das am 30. November in Politikens Forlag erscheint, wäre ohne die wohlwollende Unterstützung der Woyenser Stiftung „P. J. Schmidt-Fonden“ sowie der Baumarktkette Davidsen mit Hauptsitz in Woyens (Vojens) nichts geworden, verrät H. C. Davidsen.

Er bedankt sich seinerseits für die Unterstützung aus Woyens und wird sein Buch im Rahmen einer Autogrammstunde am 11. Dezember in der Zeit von 11 bis 13 Uhr im Buchhandel der alten Bahnhofsstadt vorstellen. Alle sind willkommen.

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