Organistin und Kantorin

Das „Goldstück“ der Pfarrgemeinde Hagenberg

Das „Goldstück“ der Pfarrgemeinde Hagenberg

Das „Goldstück“ der Pfarrgemeinde Hagenberg

Ruth Nielsen
Ruth Nielsen Lokalredakteurin
Hagenberg/Havnbjerg
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So kennen sie viele Bürger: Christiane Wattenberg hat stets ein Lachen im Gesicht. Foto: Karin Riggelsen

Christiane Wattenberg ist seit 2013 Organistin und Kantorin der Hagenberger Kirche. Ihre Initiativen finden einen sehr guten Zuspruch.

Acht Wochenenden im Jahr frei, ansonsten auf Abruf bereit stehen – das sind die Arbeitsbedingungen für Christiane Wattenberg, seit 2013 Organistin und Kantorin der Hagenberger Kirche. Diese schmälern aber nicht ihre Begeisterung für ihren Beruf, der im Gespräch mit ihr eher Berufung genannt werden kann.

Die Arbeit macht ihr einfach Spaß. Das hat auch mit der Orgel zu tun, die es in der Ausstattung kein zweites Mal in alsischen Kirchen gibt. Das hat sie ihrem Vorgänger Jes Folmer zu verdanken, der bei Danfoss Geld eingeworben hat für eine neue Orgel. Die gab es 1987, „mit einem Register, das nicht mal Sankt Marien (Sonderburg) hat. Bei so einem Register macht die Arbeit noch mehr Spaß. Es gibt mehr Möglichkeiten, sie ist leichter zu spielen und hat andere Klangfarben“, zieht Christiane die Register Lunda Maris und Gamba, und zu hören ist eine Art Meeresrauschen.

Unbeschwert hat die Diplomkirchenmusikerin 2010 den Umzug von Bredsted nach Sonderburg angepackt „Ich war ja evangelisch, also man ran, dachte ich. Aber Lieder und die Liturgie sind doch völlig anders. Auch wenn manche Lieder deutsche Rhythmen haben, da kannst du auf die Nase fallen“, erinnert sie sich lachend an die Anfänge.

Konzert geplant

Der frühere Organist der Marienkirche, Helge Granum, hat sie unter seine Fittiche genommen und tut es weiterhin: Ende Oktober plant sie das Konzert „Spil Dansk“ mit neueren dänischen Komponisten. Da fehlen noch welche auf dem Programm, die ihr sicher Granum nennen kann.
Christiane Wattenberg hat recht freie Hand bei der Gestaltung/Planung ihres Arbeitstages. In Deutschland ist eine Organistin zugleich Chorleiterin. So hat sie einen Kinderchor gegründet, der auch Musicals aufgeführt hat in der Kirche, was wiederum die Gemeindemitglieder begeistert hat. Nicht umsonst nennt Kassierer Jørgensen sie „unser Goldstück“.

Sie hat da eng mit der Schulfreizeitordnung zusammengearbeitet. „Doch dann wurde die Schule geschlossen. Das war’s dann. Ich hatte versucht, den Chor weiterzuführen. Ich muss aber auch aufpassen, nicht in fremden Bezirken (Kirchen) zu wildern“, meint sie zu ihren Kollegen, mit denen sie bestens kooperiert.

Christiane hat ein Singcafé initiiert, das großen Anklang findet. Es werden Lieder aus dem „Højskolesangbog“ gesungen, das sie schätzen gelernt hat. Und in der Saison lädt sie Mütter und Babys zum „Babysalmesang“ ein. Als Ersatz für den Kinderchor hat die Organistin kürzlich einen Familienchor ins Leben gerufen. Dafür hat sie einen Anschlag gemacht und Klinken geputzt, erfolgreich: Es kamen zehn Sänger, meistens Mütter mit ihren Kindern, zusammen.

Gestaltung des Gemeindelebens

Die von ihr angebotene Gestaltung des Gemeindelebens ist für die Organistin nichts Neues, denn das gehört in Deutschland zu ihren Aufgaben. Da leitete Christiane eine Blockflötengruppe und einen Gospelchor. Das würde sie auch gerne für die Hagenberger Gemeinde tun, aber „die Kinder haben heute nicht mehr viel Zeit. Sie gehen zum Reiten oder Handball. Dann ist da die Schulreform. Das macht es schwierig“, so ihre Erfahrungen.
Trotz dieser Widrigkeiten hat Christiane ihre gute Laune behalten. „Das Tolle ist ja, dass du mit vielen anderen Menschen zusammenkommst, die genauso viel Spaß haben“, denkt sie an ihre frühere Mitgliedschaft im Motetkor der Marienkirche, die abgelöst wurde vom Düppeler Kammerchor. Zudem kann sie ihre Lust am Musizieren (Blockflöte) in Ensembles ausleben, die sie für Neues sensibilisieren. So hat sie die Vorzüge des jüdischen Instruments Klezmer kennengelernt.

Ihr Beruf auf Abruf habe nicht ihr Familienleben beeinträchtigt. Die Kinder Leo und Hanna „haben ja nichts anderes kennengelernt. Ein Tag ist so vielfältig, jeder Tag mit anderer Musik. Es gibt keinen Druck, es liegt an mir, was ich mache. Der Rat ist bereit, die Ideen zu realisieren. Er kontrolliert mich auch nicht“, sagt sie über ihren Arbeitgeber. Zwischendurch muss sie natürlich auch andere Organisten vertreten Das hat seine ganz eigenen „Reize. Jeder Pastor hat seine Liederwahl. Dann musst du dich auch in die Orgel einspielen, keine ist wie die andere“, sagt sie zu dieser Herausforderung, die sie auch begrüßt.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Mutiges Museum“