Natur & Umwelt

Kein Zirkus mehr: Ramboline ohne Ali

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Seit fünf Jahren leben Ramboline aus Sommerstedt und die übrigen drei Zirkuselefanten, die letzten ihrer Art in Dänemark, friedlich Seite an Seite in Europas größtem Elefantengehege.

Es ist still geworden um Ramboline und Ali. Fünf Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Wintermorgen in Sommerstedt lebt die Elefantenkuh heute im Knuthenborg Safaripark, während Kamel Ali längst nicht mehr ist. Ihre Freundschaft hatte im In- und Ausland für Schlagzeilen gesorgt, auch weil beide es bis ins Folketing geschafft hatten. Bildlich gesprochen.

Rambolines Karriere begann vor vier Dekaden in Nordschleswig, bei dem deutschstämmigen Dompteur Bernhard Kaselowsky. Beide zogen durch die Manegen – zunächst im Zirkus „Dannebrog“, später im „Trapez“, der in Mölby (Mølby) und Sommerstedt (Sommersted) sein Winterquartier hat.

Im Zirkusrund war die Elefantenkuh der Star. In ihrem Leben spielten gleich zwei Männer eine gewichtige Rolle: ihr Dompteur und das Kamel Ali. Wenn Ali und Ramboline in Mölby mal wieder ausgebüxt waren, dauerte es meist nicht lange, bis jemand sie entdeckte – und das Dorf hatte Gesprächsstoff für Tage.

Wo Ramboline stand, war Ali nicht weit. Ihre Freundschaft war so ungewöhnlich, dass sie 2019 in der Regierungserklärung der dänischen Premierministerin auftauchte und im Folketing einen Lachanfall auslöste, als Mette Frederiksen erklären musste, warum der Fiskus die vier letzten Zirkuselefanten Dänemarks gekauft hatte – und ein Kamel obendrein.

Das Ende der Manege

Ramboline mit ihrem ehemaligen Besitzer Bernhard Kaselowsky in Mölby. Der Abschied vor fünf Jahren ist beiden nicht leichtgefallen (Archivbild).

Mit dem neuen Tierschutzgesetz endete vor fünf Jahren das Zirkusleben für Ramboline und Ali. Ramboline zog mit drei Elefanten in das neue Gehege von „Knuthenborg Safaripark“ – Ali fand auf der Kamelfarm von Henrik Svanholm Møller auf Seeland Unterschlupf.

Die Hoffnung, das Duo könne gemeinsam in Knuthenborg alt werden, erfüllte sich nicht: Für Ali war dort kein Platz.

Getrennte Wege – und ein leiser Abschied

Kamel Ali ist vor vier Jahren an Altersschwäche gestorben.

Während Ali sich bei Henrik Svanholm Møller pudelwohl fühlte, kletterte Ramboline in Knuthenborg die Karriereleiter nach oben: Inzwischen ist sie der Boss des Dickhäuter-Quartetts.
Ali waren noch gut anderthalb Jahre in „Dronningmølle Æsel & Kameludlejning“ vergönnt.

„Im Februar 2021 ist er an Altersschwäche gestorben. Er war mit schätzungsweise 35 bis 39 Jahren ja schon recht betagt“, sagt Møller.

Täglich streift Ramboline durch das riesige Gehege der größten Elefantenanlage Europas und lebt heute im Kreis ihrer Artgenossen Lara, Djungla und Jenny ein vergleichsweise artgerechtes Leben.

Nach einer anfänglichen Gewöhnungszeit haben sich die vier Elefantenkühe in Knuthenborg zusammengerauft.

Wer weiß? Vielleicht denkt Ramboline manchmal noch an Ali: Schließlich hat sie ein Gedächtnis wie ein Elefant.

Knuthenborg Safaripark

Der Safaripark wurde 1969 gegründet, als Graf Adam W. Knuth, in dessen Familienbesitz sich der Park seit mehr als 300 Jahren befindet, die ersten Tiere aus Afrika (Zebras, Strauße und Antilopen) nach Bandholm bringen ließ. Heute kann man die mehr als 15 Kilometer Wege mit dem Auto befahren, um sich die mehr als 900 Tiere anzusehen, wobei man an vielen Stellen auch das Auto verlassen und die Tiere aus nächster Nähe und ohne Zäune und Gitter erleben kann. Der Park, der größte seiner Art in Nordeuropa, ist in verschiedene Abteilungen unterteilt, die sich an den Kontinenten orientieren. Neben dem Tierpark existiert auf dem Gelände Dänemarks größter Naturspielplatz. Heute leben dort die Zirkuselefanten aus den dänischen Zirkussen in einem eigens für sie gebauten Gehege.