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Dänisch-Kurse wieder kostenlos

Dänisch-Kurse wieder kostenlos

Dänisch-Kurse wieder kostenlos

Annika Zepke
Annika Zepke Journalistin
Dänemark/Hadersleben
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Auch in der Sprachschule in Hadersleben ist der Dänisch-Unterricht seit Juli wieder kostenlos. Foto: Annika Zepke

Beinahe wäre die Nachricht im Corona-Chaos untergegangen: Dänisch-Kurse sind in kommunalen Sprachschulen seit Juli wieder kostenlos.

Im Sommer 2018 sorgte die Nachricht, dass Dänisch-Sprachkurse für „selbst versorgende“ Ausländer ab sofort kostenpflichtig sind, für viel Aufsehen. Studierende und Arbeitnehmer mussten fortan 2.000 Kronen pro Modul zahlen, zuzüglich einer Kaution von 1.250 Kronen. Die Idee hinter der neuen Bildungsreform war, den Dänisch-Unterricht für „selbst versorgende“ Ausländer beschäftigungsorientierter, effizienter und flexibler zu gestalten.

Ungeahnte Folgen

Nach zwei Jahren wurde diese Regelung nun rückgängig gemacht. Der Grund: Das übergeordnete Ziel wurde zwar erreicht, die Bewertung zeigte aber auch, dass mehrere der eingeführten Maßnahmen unbeabsichtigte Nebenwirkungen mit sich bringen, heißt es in einem Bericht zur Bewertung der Bildungsreform.

Eine dieser Nebenwirkungen gehe mit der finanziellen Umstrukturierung der Sprachschulen einher. Ziel sei es gewesen, die Sprachschulen kostengünstiger zu betreiben. Wie aus dem Bericht hervorgeht, habe der Preiswettbewerb, der durch die Reform entstanden ist, aber vor allem einen Verlust der Unterrichtsqualität zur Folge gehabt.

Mehr Kursabbrecher

Ein weiterer Grund für die finanzielle Umstrukturierung der Sprachzentren war der Wunsch, die Kommunen kostenbewusster zu machen. Diesbezüglich heißt es in dem Bericht: „Sowohl die reduzierten Modulpreise als auch Gespräche mit kommunalen Akteuren und Leitern der Sprachschulen haben gezeigt, dass die Kommunen äußerst kostenbewusst sind.“ Dies sei jedoch auch schon vor der Reform der Fall gewesen, und habe sich nicht wesentlich verändert, heißt es weiter.

Es war höchste Zeit, dass die Politik zu der Erkenntnis gekommen ist, dass Sprachunterricht eine Ressource ist und kein Klotz am Bein.

Carsten Leth Schmidt, Vorsitzender der Schleswigschen Partei

Auch das Anfang 2018 eingeführte Kartensystem, das die Abbrecherquoten unter den Sprachschülern reduzieren sollte, habe seine Tücken gehabt. Zwar habe die sogenannte Knipskarte (dänisch: klippekort) dazu beigetragen, die Abwesenheit der Kursteilnehmer zu reduzieren, dafür sei die Abbrecherquote gestiegen. Das neue System hat es den Schülerinnen und Schülern erschwert, die Pausen in ihrer Dänisch-Ausbildung einzulegen, die sie benötigen, lautet einer der Gründe für die angestiegenen Zahlen.

Kursgebühr wird abgeschafft

Im Zusammenhang mit dem Finanzgesetz für 2020 wurde daher der Beschluss gefasst, die Teilnehmergebühren für „selbst versorgende“ Ausländer ab Juli 2020 wieder abzuschaffen. Stattdessen muss nur noch eine Kaution in Höhe von 2.000 Kronen hinterlegt werden.

Die Leiterin des „Haderslev Sprogcenter“, Rikke Kristoffersen, freut dieser Beschluss. Noch sei es allerdings zu früh, das eigentliche Ausmaß dieser Entscheidung abschätzen zu können. „Aber wir erwarten mehr Kursteilnehmer“, meint Kristoffersen. „Seit Bekanntwerden der Gebührenabschaffung haben wir wieder mehr Anfragen erhalten.“

Sprachunterricht als Ressource

Auch der Vorsitzende der Schleswigschen Partei (SP), Carsten Leth Schmidt, der sich bereits vor zwei Jahren für kostenlosen Sprachunterricht starkgemacht hat, sieht der politischen Kursänderung positiv entgegen: „Das ist fantastisch, dass wir dahin gekommen sind.“

Für ihn war der Beschluss allerdings längst überfällig. „Es war höchste Zeit, dass die Politik zu der Erkenntnis gekommen ist, dass Sprachunterricht eine Ressource ist und kein Klotz am Bein. Sprache ist ein Mittel zur Integration. Das gilt natürlich für Deutschsprachige, denn insbesondere in der Minderheit haben wir viele Bundesdeutsche, die hier arbeiten und Dänisch lernen müssen, aber auch für alle anderen Einwanderer.“

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Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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