Landwirtschaft in Nordschleswig

Jede Menge Ackerbohnen statt Importfutter

Jede Menge Ackerbohnen statt Importfutter

Jede Menge Ackerbohnen statt Importfutter

Stemmilt/Stemmild
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In diesem Jahr sind sehr viel mehr Ackerbohnen in Nordschleswig ausgesät worden. Die eiweißreichen Feldfrüchte sind auch wegen des Ausfalls von Import-Futtermitteln in diesem Jahr begehrt. Foto: Volker Heesch

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Der freiberufliche Pflanzenbauberater, Christian Petersen, berichtet über eine deutliche Ausdehnung der Anbauflächen mit der wegen ihrer proteinreichen Früchte seit Jahrtausenden genutzten Kulturpflanze. Als „Große Bohnen“ waren sie einst auch eine verbreitete Speise.

Auf viele Feldern in Nordschleswig sind in diesem Jahr die auch als Pferdebohnen bekannten Pflanzen ausgesät worden.

Alte Kulturpflanze erlebt Renaissance

Die stattliche Pflanze, die zur Familie der Schmetterlingsblütler zählt, gehört zu den ältesten Kulturpflanzen, die bereits vor über 2.000 Jahren in Mitteleuropa angebaut wurden. Gerade auch in Küstengebieten wurde die Ackerbohne viel angebaut, denn sie verträgt auch salzhaltigen Boden.

Die Ackerbohnen gehören zur Familie der Schmetterlingsblütler (Archivfoto). Foto: DN

In Nordschleswig sind die Ackerbohnen wie in vielen anderen Gegenden auch als Gartenpflanze angebaut worden. Viele ältere Menschen kennen sicher Gerichte mit „Großen Bohnen“.

Durch Gartenbohnen aus Amerika verdrängt

Die heute weit verbreiteten Gartenbohnen, die aus Amerika stammen, haben die „Großen Bohnen“ weitgehend als Gemüse abgelöst, das im Mittelalter sehr wichtig als gut haltbares Nahrungsmittel war.

Christian Petersen ist freiberuflicher Pflanzenbauberater und Spezialist für ökologische Landwirtschaft. Foto: Volker Heesch

„Die Ackerbohnen sind für die Landwirtschaft wieder interessant geworden, weil sie als eiweißreiches Futtermittel Importware ersetzen können“, so Christian Petersen, freiberuflicher Pflanzenbauberater in Stemmilt. „Gerade jetzt, wo Importe aus der Ukraine wegfallen, haben die Ackerbohnen große Bedeutung.“

Pflanzen fixieren Luftstickstoff

Die Ackerbohnen verfügen als Schmetterlingsblütler über die Eigenschaft, Luftstickstoff zu fixieren und düngen so wie Erbsen oder Klee den Boden, auf dem sie wachsen mit Stickstoff-Nährsalzen.

Die Ackerbohnen sind bereits verblüht, an den Pflanzen reifen gut sichtbar die „Großen Bohnen" heran. Foto: Volker Heesch

Die biologische Stickstofffixierung erreicht nach Angaben der Landwirtschaftsberatung im Durchschnitt 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar.

Auch gut für Kohlendioxidbilanz

Ein Vorteil der einjährigen Pflanze, die bis zu zwei Meter in die Höhe wächst, ist deren Eigenschaft, auch den Humusgehalt an ihrem Standort zu erhöhen, was sie auch interessant macht, die Kohlendioxidbilanz der Landwirtschaft zu verbessern. Die Samen der Ackerbohnen, die auch unter den Namen Saubohne und Puffbohne bekannt sind, haben in Zeiten mit größerem Interesse an vegetarischer Ernährung wieder Bedeutung als menschliches Nahrungsmittel bekommen.

Die „Großen Bohnen" tauchen wieder vermehrt in Rezeptvorschlägen auf. Wegen ihres Eiweißreichtums sind sie auch bei fleischloser Ernährung ein Tipp. Foto: SHZ

Allerdings ist zu beachten, dass sie wegen des Gehalts an giftigen Stoffen nur in gekochter Form genießbar sind. Im Mittelmeerraum werden Ackerbohnen in vielen Gerichten verwendet. Auch Vieh kann durch Fütterung mit den Ackerbohnen Probleme bekommen. Durch Zucht sind aber durchweg ungiftigere Sorten für den Anbau gefunden worden. Besonders in der Ökolandwirtschaft, wo viele Betriebe möglichst den Zukauf von Futtermitteln vermeiden wollen, ist die Ackerbohne beliebt.

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