Diese Woche in Kopenhagen

Walters Wahl-O-Mat: Wie du die Wunschkandidatin oder den Wunschkandidaten finden kannst

Der Tag, an dem Wählerinnen und Wähler ihre Stimme abgeben, naht (Archivfoto).

Walter Turnowsky hält die Kandidatentests unterschiedlicher Medien für wenig zuverlässig. Er hat einige Tipps ausgearbeitet, wie Menschen, die im Zweifel sind, zu einer Wahlentscheidung gelangen können. Allerdings erfordert seine Methode etwas mehr Einsatz von den Wählerinnen und Wählern. 

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Diese Woche in Kopenhagen

In dieser Kolumne wirft unser Hauptstadtkorrespondent Walter Turnowsky regelmäßig seinen analytischen Blick hinter die Kulissen der großen und kleinen Politik auf und um Christiansborg.

Kolumnen sind Meinungsbeiträge, keine neutralen Berichte. Sie spiegeln die persönliche Sicht des Autors wider.

12 Parteien und 116 Kandidatinnen und Kandidaten sind in Nordschleswig auf dem Stimmzettel – und nur ein Kreuz ist zu vergeben.

Da kann ich durchaus verstehen, wenn du sagst: Wo soll ich das Kreuz hintun? Das ist doch vollkommen unübersichtlich. 

Wenn du den vier Schritten hier unterhalb folgst, wirst du der Entscheidung schon um einiges näherkommen. Der Vorteil meines Wahl-O-Maten im Gegensatz zu den Kandidatentests anderer Medien: Er ist deutlich präziser.

Der Nachteil: Er erfordert erheblich mehr Einsatz. Hier gebe ich allerdings zu bedenken, dass du es ja nur so ungefähr alle vier Jahre machen musst. Wenn du deine Stimme erst einmal abgegeben hast, dann hast du sie ganz buchstäblich abgegeben. Das nennt sich repräsentative Demokratie. 

Wenn der Wahl-O-Mat die falschen Fragen stellt

Nun höre ich schon den Zwischenruf: „Was hat der Walter denn gegen die Wahl-O-Maten?“ Nun, das will ich dir erklären. 

Als Recherche für diese Kolumne habe ich einige von ihnen getestet. Das erste Problem: Die Ergebnisse sind verschieden, je nachdem, welchen Kandidatentest ich ausgefüllt habe. Es kommt nämlich sehr darauf an, welche Themen dabei sind und wie die Fragen formuliert wurden.

Ich werde dir jetzt nicht verraten, welche Kandidatinnen und Kandidaten er mir vorgeschlagen hat; schon aber, dass ich diese nicht wählen werde. Dies hängt damit zusammen – und das ist das zweite Problem –, dass die Themen, die mir am wichtigsten sind, gar nicht dabei waren. Ich denke mal, dass es dir auch so ergehen kann.

Fraktionszwang wird nicht berücksichtigt

Das dritte Problem ist, dass die Kandidatinnen und Kandidaten ihre Antworten selbst eingeben – ohne dass irgendwer sie prüft. So kommt es durchaus vor, dass sie nicht mit dem Parteiprogramm übereinstimmen. 

Sollten sie gewählt werden, kann ich dir versprechen: Die Fraktion wird nicht zulassen, dass Abgeordnete in irgendeiner Ecke sitzen und ihre Extrawürstchen braten. Das verhandlungsbasierte parlamentarische System würde zusammenbrechen. Kompromisse erfordern tragfähige Absprachen – und keine Extrawürstchen.

Zusammenfassend: Das Risiko ist groß, dass du haarscharf danebentriffst. 

Erster Schritt: Nachdenken

Daher drehe ich den Spieß im Vergleich zu den Wahl-O-Maten einfach mal um. Du gibst die Themen vor, nicht der Wahl-O-Mat (oder besser gesagt die Menschen, die hinter ihm stecken).

  • Lass dich also an einem gemütlichen Ort nieder, schenk dir eine Tasse Kaffee, ein Glas Wein oder ein anderes Getränk deiner Wahl ein. Überlege dann in aller Ruhe, welche drei Dinge dir besonders wichtig sind. Welche Fragen sollen die Abgeordneten in den kommenden vier Jahren angehen? Lass dich dabei vom Wahlgetöse möglichst nicht stören.
  • Einer der drei Punkte kann durchaus auch sein, dass du dir eine bestimmte Regierung wünschst. Vielleicht ist dir ja auch eine Abgeordnete oder Kandidatin in den vergangenen Jahren positiv aufgefallen, oder du möchtest einen lokalen Kandidaten wählen. 

So, bist du so weit? Dann machen wir weiter:

Zweiter Schritt: Parteien untersuchen

  • Jetzt gilt es, die Partei zu finden, die die drei Punkte am besten erfüllt. Wie erwähnt, zählt zunächst das Parteiprogramm. Die einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten können selbstverständlich im Folketing ihre Schwerpunkte setzen, aber nur innerhalb des Rahmens des Programms.
  • Einen ersten Überblick über die Schwerpunkte und politische Ausrichtung kannst du dir über den Artikel „Wofür stehen die Parteien eigentlich“ meines Kollegen Gerrit Hencke verschaffen. Jetzt hast du das Feld möglicherweise schon etwas eingeengt und kannst zielgenauer weitersuchen. In Gerrits Artikel findest du auch Links zu den Parteiprogrammen. 
  • Du kannst auch den Parteinamen und dein Thema bei Google eingeben und sehen, welche Links auftauchen (aber bitte nicht auf die Antwort der Künstlichen Intelligenz vertrauen). 
  • Ist dir die Frage der Regierungsbildung wichtig, dann habe ich dazu den Artikel „So bekommen Wählerinnen und Wähler ihre Wunschkoalition“ geschrieben. 
  • Versuche, deine Auswahl auf zwei oder drei Parteien zu begrenzen. Ist nur eine übrig, bist du schon fast am Ziel. 
  • Überprüfe aber, ob die Partei sich in der vergangenen Wahlperiode der Themen angenommen hat oder sie erst im Wahlkampf wichtig findet. 

War einer deiner drei Punkte die Frage nach bestimmten Kandidatinnen oder Kandidaten, hebst du den einfach für den nächsten Schritt auf.

Dritter Schritt: Kandidatenlisten durchforsten

Ist es dir gelungen, die Auswahl auf zwei oder drei Parteien einzuschränken, ist die ganze Sache schon viel überschaubarer. Die Parteien nominieren jeweils zwischen vier und zwölf Kandidatinnen und Kandidaten im Großkreis Südjütland und damit in Nordschleswig. 

  • Lass deinen Blick über die Kandidatenlisten der Parteien deiner Wahl schweifen, die du über diesen Link bei Danmarks Statistik findest. Vielleicht kommt dir der eine oder andere Name bekannt vor, dann kannst du ihn genauer untersuchen. Sie haben typisch eine Internetseite mit ihrem Wahlprogramm.
      • Es kann auch sein, du möchtest eine Frau oder einen Mann, eine junge Person oder eine erfahrene wählen. Oder es ist dir wichtig, dass es jemand aus deiner Kommune ist. Dann kannst du auch danach sortieren
  • Ich gestehe, das ist jetzt etwas Kleinarbeit, die zwei oder drei Personen zu finden, die infrage kommen. Ist dir das zu aufwendig, kannst du auch einfach die Partei wählen. Wie gesagt: Bei den großen politischen Fragen ist die Parteifarbe entscheidend. 

Vierter Schritt: Kandidatinnen und Kandidaten überprüfen

  • Fast fertig: Jetzt kannst du untersuchen, welche der zwei oder drei Personen am besten deine drei wichtigen Punkte erfüllen. Also noch einmal das jeweilige Programm überprüfen.
  • Suche gerne auch im Netz, was sie im Wahlkampf zu deinen Themen gesagt haben. Dabei ist es sinnvoll zu überlegen, wie konkret die Aussagen sind. Sagt eine Kandidatin oder ein Kandidat, sie oder er wolle sich „sich für Nordschleswig einsetzen“ und nicht mehr als das, ist dies Versprechen im Grunde wertlos. 
  • Ist die Person bereits im Folketing, kannst du untersuchen, ob sie sich zuvor für die Anliegen eingesetzt hat. Wenn nicht, ist es weniger wahrscheinlich, dass sie es tun wird. 
  • Stellt sich heraus, dass keine geeignete Person dabei ist, musst du eventuell noch einmal einen Schritt rückwärts machen. 

Ansonsten hast du jetzt möglicherweise deine Wunschkandidatin oder deinen Wunschkandidaten gefunden.