„Eat Me“ in Kolding

Essen in Kunst und Design

Harro Hallmann
Kolding
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„Eat me“ – bei der Ausstellung im Trapholt darf die Kunst im wahrsten Sinne des Wortes gegessen werden. Foto: Harro Hallmann

„Eat me“ ist eine beeindruckende Ausstellung im Kunstmuseum Trapholt in Kolding, findet Harro Hallmann, Kommunikationschef des Bundes Deutscher Nordschleswiger.

Das erste Werk, auf das man zugeht, steht auch für den Ausstellungstitel: „Eat me“. Von den Hunderten von bunt eingepackten Eisschokoladen an der Wand stecken noch einige im Papier. Wir, die Besucher, sind aufgefordert, vorsichtig eine auszupacken und zu essen. Zurück bleibt an der Wand eine Kollage aus buntem Papier.

Dies ist nicht das einzige Werk, das sich während der Ausstellung wandelt. Das gilt auch für Helen Chadwicks Installation „Carcass“. In einem gut zwei Meter hohen Turm aus Glas befinden sich Obst und Gemüse. Durch den natürlichen Kompostierungsprozess zerfallen die Produkte im Turm, der sein Aussehen täglich ändert. Einen ähnlichen Ausgangspunkt hat Antoni Miraldas ikonisches Werk „Food Situation for a Patriotic Banquet“, bei dem eingefärbter Reis die Flaggen von acht Staaten zeigt. Im Laufe einiger Wochen verrottet der Reis, und übrig bleibt eine identische graue Masse: Verfall der Macht oder Annährung über Zeit? Das Werk ist offen für Interpretationen.

Farbiger Reis, der mit der Zeit verfault und zu einer identischen grauen Masse wird. Foto: Harro Hallmann

Konsumkritische Werke, die zum Nachdenken anregen

Etliche der Werke stehen Konsum und Nahrungsmittelproduktion kritisch gegenüber. So ein in vielen Tonnen Zucker begrabener Einkaufswagen des deutschen Künstlers Thomas Rentmeister oder die Installation des Niederländers Tomm Velthuis, „Playing Food“. Inspiriert von den Spielzeugbauernhöfen zeigt er, welche Ressourcen eine Schweinemast mit 200 Tieren verbraucht.

Sehr witzig das Video des Schweden Johannes Nyholm, „Las Palmas“, in dem er seine zweijährige Tochter wie einen Mallorca-Urlauber gekleidet hat. Er lässt sie essen, trinken und tanzen, während die Einheimischen stumm zusehen. Kulturhistorisch interessant auch die Ausstellung mit gedeckten Tischen aus jeweils einem Jahrzehnt von den 1960ern bis heute.

„Eat me“ regt an zum Nachdenken über unseren Bezug zu und Umgang mit Nahrungsmitteln, gleichzeitig ist die Ausstellung oft humorvoll und überrascht immer wieder mit neuen Ideen und Perspektiven. Einen Besuch der Ausstellung sollte man sich unter keinen Umständen entgehen lassen, und am besten bucht man für 30 Kronen gleich eine Teilnahme am Tisch der Sinne „Taste me“.

„Eat me“, Trapholt, Kolding, noch bis zum 21. Mai 2018.

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